Die Grundschule Bad Kötzting sucht nach weiteren Lesepaten

Von Stefan Weber · 19. November 2025 um 11:00

„Lesen ist das Tor zur Welt. Lesepaten können es öffnen.“ Für Margarita Mühlbauer ist es auch mehr als zehn Jahre, in denen es die Lesepaten an der Grundschule in Bad Kötzting gibt, der zentrale und wichtigste Satz. Eine Schulstunde pro Woche üben Ehrenamtliche mit Kindern Lesen, geben ihre Begeisterung dafür weiter und vermitteln Freude an diesem so wichtigen Können an die Kinder. Weil der Bedarf an Lesepaten stetig steigt, ist die Grundschule jetzt auf der Suche nach weiteren Paten.

Als die ersten Lesepaten vor rund zwölf Jahren an die Grundschule der Stadt kamen, war das die erste Einrichtung im ganzen Landkreis Cham. Damals seien es rund zehn Paten gewesen, erinnert sich Mühlbauer, die die Koordination übernommen hatte. Zwischenzeitlich gebe es 50 Lesepaten an mehreren Schulen im ganzen Landkreis.

Zu 95 Prozent Erfolg

Eine Stunde pro Woche lesen die Paten – in Bad Kötzting im Anschluss an den Unterricht an einem fest vereinbarten Tag – mit Schülern, bei denen die Lehrer Bedarf für mehr Übung im Lesen sehen. Darunter seien natürlich einige Kinder mit Migrationshintergrund, aber auch Kötztinger Kinder, die beispielsweise Probleme mit der Aussprache oder Lese- und Schreibstörungen wie Legasthenie hätten. „Ich bin dankbar, dass ich hierhergekommen bin“, sagt Rosmarie Schötz etwa. Sie ist seit über fünf Jahren Lesepatin und hat in dieser Zeit schon vier Kinder als Patin begleitet. Besonders schön sei der persönliche Kontakt zu den Kindern und natürlich auch der Moment, in dem ihre Hilfe nicht mehr benötigt werde, weil im Zeugnis bei Deutsch plötzlich eine 2 stehe.

Zu 95 Prozent stehe am Ende der Erfolg, sagt Lehrerin Barbara Koller, die mittlerweile für die Koordination der Lesepaten zuständig ist. Sie weiß auch, warum das so ist: Da sei zum einen die Möglichkeit der direkten Betreuung, die bei vielen Schülern in der Klasse so nicht möglich sei. Außerdem müssten die Lesepaten nicht nur stur eine Stunde lesen. Es bleibe auch Zeit für Gespräche oder ein Kartenspiel, wie Daniela Leitermann zum Beispiel seit zwei Jahren ihre Stunden gerne beendet. „Es kommt so viel zurück“, sagt sie.

Zeit ist das Geheimnis

Dass die Paten für die Lese-Entwicklung wichtige Rollen einnehmen können, um Kinder den Zugang zu Büchern zu erleichtern, zeigt eine Geschichte, die Ursula Nickerl aus ihrer vierjährigen Erfahrung zu erzählen hat: „Du bist die einzige, der ich vorlese“, habe ihr ein Schüler einmal gesagt. Manchmal sei es vielleicht einfacher, dem Lesepaten vorzulesen als der gesamten Klasse oder den Eltern. Für Rektor Michael Prager ein ganz wichtiger Schlüssel zum Erfolg: „Zeit schenken, nur für die eine Schülerin oder den einen Schüler da sein, und das ganz ohne Leistungsdruck, das kann viel bewirken.“

Auch in der Schulbücherei können sich die Lesepaten und die Schüler bedienen – oder sie können eigene Bücher mitbringen. - Foto: Stefan Weber

Aber natürlich nur, wenn auch genügend Lesepaten zur Verfügung stehen – also: Bei Interesse einfach einmal an der Grundschule melden.

Lesepate werden

■ Kooperation: Der Treffpunkt Ehrenamt arbeitet für die Lesepaten mit den Schulen zusammen.

■ Melden: Wer Pate werden will, kann sich unter Tel. (0 99 71) 7 82 85 oder -590 sowie per Mail ehrenamt@lra.landkreis-cham.de melden (wf)