Spannender Kampf ums Landratsamt und um einige Rathäuser im Kreis Cham

Hochspannung vor dem Wahlsonntag im Landkreis Cham: „Der Mich macht’s“, sagen die Schwarzen. Aber schafft es CSU-Kandidat Michael Multerer tatsächlich auf den Chefsessel im Landratsamt? Oder kommt’s zur Stichwahl? Und wenn Ja – gegen wen? Auch das Rennen um einige Rathäuser könnte eng werden.
Sechs Männer und eine Frau bewerben sich um die Nachfolge von Landrat Franz Löffler. Außer Michael Multerer sind das Christian Schindler (Freie Wähler), Christl Fischer (AfD), Steve Brachwitz (SPD), Sascha Kretz (Grüne), Alfred Stuiber (FDP) und Christian Oberthür (Linke). Während bei der CSU einige auf 50 Prozent plus X schon im ersten Wahlgang für ihren Kandidaten setzen, gehen viele Beobachter von einer Stichwahl am 22. März aus. Chancen auf ein solches Duell dürften Multerer, Schindler und Fischer haben.
Der Wahlkampf der sechs etablierten Parteien dreht sich um klassische kommunale Themen: Kreisfinanzen und Wirtschaftsförderung, Nahverkehr und Müllgebühren, Windkraft, Wohnen und Nachverdichtung. Die in Teilen rechtsextreme AfD setzt eher auf überregionale Aufreger und trommelt vor allem im Internet. Kandidatin Fischer hatte schon zu Beginn der heißen Wahlkampfphase verkündet, sich nicht an öffentlichen Diskussionen zu Kreisthemen zu beteiligen. Ihre sechs Konkurrenten hatten eine Zusammenarbeit mit der AfD im Kreistag unter anderem bei der MZ-Podiumsdiskussion in Roding ausgeschlossen. Am Samstag demonstrierten Vertreter von CSU, Freien Wählern, SPD, Grünen, Linken, FDP und ÖDP in Cham gemeinsam für Demokratie und gegen die AfD.
In 19 Kommunen nur ein Bewerber auf Stimmzettel
So spannend wie der Kampf ums Landratsamt dürften die Bürgermeisterwahlen in den 39 Städten, Märkten und Gemeinden des Landkreises Cham nicht überall werden. So steht in 19 Kommunen nur ein Name auf dem Wahlzettel, in Treffelstein sogar überhaupt keiner. Dort hatte sich bis Ablauf der Bewerbungsfrist kein Kandidat gefunden. Allerdings hat mittlerweile Armin Wallner seine Bereitschaft erklärt, das Amt zu übernehmen. Sollte mehr als die Hälfte der Wähler seinen Namen auf den Stimmzettel schreiben, dann ist er gewählt.
In den großen Städten des Kreises muss sich Bad Kötztings Bürgermeister Markus Hofmann am wenigsten Sorgen machen: kein Gegenkandidat. In Cham, Roding und Furth im Wald haben die Amtsinhaber zwar Herausforderer, denen allerdings eher geringe Chancen auf einen Wahlsieg eingeräumt werden.
In Waldmünchen kommt's zur Wachablösung
In Waldmünchen hört Bürgermeister Markus Ackermann (CSU) auf. Um seine Nachfolge bewerben sich Wolfgang Kürzinger (Freie Wähler) und Sandra Wittmann (SPD). Der FW-Mann gilt als Favorit.
In Rötz kommt es zu einer Neuauflage des Stichwahl-Duells von 2020: Gerhard Hofmann von den Freien Wählern fordert Amtsinhaber Stefan Spindler (Landunion) heraus.
Die AfD stellt nur einen Bürmeisterkandidaten
Der einzige Bürgermeister-Kandidat der AfD geht in Tiefenbach ins Rennen. Mit Franz Albang bewerben sich auch Martin Holler (CSU) und Benjamin Hunger von der Christlichen Freien Wählergemeinschaft um die Nachfolge von Ludwig Prögler.
Auch in einigen anderen Orten treten die Amtsinhaber nicht mehr an: Mehrere Bewerber für freiwerdende Bürgermeistersessel gibt es in Pemfling, Traitsching, Schorndorf, Stamsried, Rettenbach und Miltach.
In Neukirchen beim Heiligen Blut geht Johannes Müller (Freie Wähler der Altgemeinde Atzlern/Neukirchen) als einziger Kandidat ins Rennen. Er hatte in der Vergangenheit gegen den scheidenden Amtsinhaber Markus Müller (CSU) mehrfach den Kürzeren gezogen. In Wald treten Amtsinhaberin Barbara Haimerl (CSU) und Norbert Handl (Gemeinsam für die Gemeinde Wald) gegeneinander an. Bei der Wahl 2020 lagen die beiden nur 27 Stimmen auseinander.
Kurios ist die Situation in Eschlkam. Dort hatte Amtsinhaber Florian Adam mitgeteilt, der er sich nach der ersten Amtszeit nicht mehr zur Wahl stellen werde. Daraufhin hatte sein Vorgänger Sepp Kammermeier für die CSU den Hut in den Ring geworden. Nach Ablauf der Bewerbungsfrist aber teilte Adam mit, für den Fall, dass eine Mehrheit der Eschlkamer seinen Namen auf den Stimmzettel schreiben werde, stehe er doch für eine zweite Amtszeit zur Verfügung.
Wahlzettel für den Kreistag ist 100 mal 70 Zentimeter groß
Neben dem Landrat und den Bürgermeistern wählen die über 105.000 Wahlberechtigten im Landkreis Cham auch den Kreistag und die Stadt-, Markt- und Gemeinderäte in den 39 Kommunen. Die Wahlkampfaktivitäten der Parteien und Listen haben den Höhepunkt schon hinter sich. Denn viele Wählerinnen und Wähler haben ihre Kreuzchen längst gesetzt. Wegen des komplizierten Wahlrechts und der schieren Größe des Stimmzettels zur Kreistagswahl – er misst 100 mal 70 Zentimeter – nutzen zahlreiche Menschen das Recht auf Briefwahl. In vielen Kommunen wird mit einem neuen Rekord an Zuhause-Wählern gerechnet.
Wissenswertes zum Wahlsonntag:
Wie wird ausgezählt: Die Wahllokale schließen am Sonntag um 18 Uhr. Die vier verschiedenen Wahlen werden dann in allen Orten des Landkreises in der gleichen Reihenfolge ausgezählt: zuerst die Bürgermeisterwahl, dann die Landratswahl. Es folgt die Wahl für Stadt-, Markt oder Gemeinderat. Zuletzt wird ausgezählt, wie sich der Kreistag zusammensetzt.
Wann gibt es Ergebnisse: Mit ersten neuen (oder alten) Bürgermeistern ist ab 18.30 Uhr zu rechnen, mit dem Ergebnis der Landratswahl zwischen 19.30 und 20.30 Uhr. Am späten Sonntagabend folgen die kommunalen Räte. Das Ergebnis der Kreistagswahl dürfte erst am Montag feststehen.
Wie berichtet die Mittelbayerische im Netz? Wir informieren den ganzen Sonntagabend und am Montag über die Kommunalwahl in Bayern auf www.mittelbayerische.de. Unter anderem werden wir einen Liveticker für den Landkreis Cham schalten, der Sie über die Ergebnisse und Stimmen des Abends und des Montags auf dem Laufenden hält unter www.mittelbayerische.de/cham.