Ehrenamtliche Stadträte und Gemeinderäte bekommen Geld: Es gibt keinen Grund für Neid

Wenn es ums Geld geht, das Politiker verdienen, löst das insbesondere in den Kommentarspalten von sozialen Netzwerken zuverlässig Neid aus. Das auch bei den Sitzungsgeldern der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker im Landkreis Neumarkt so. Von „verdienen“ in finanzieller Hinsicht kann jedoch nicht die Rede sein. Eher sollten wir darüber reden, was die Frauen und Männer an Anerkennung verdienen, kommentiert MZ-Redakteur Wolfgang Endlein.
Geschimpft ist schnell auf Politiker. Dabei geht es oft um Klischees über unfähige, faule, aber machthungrige Politiker und unreflektierte Vorstellungen davon, wie einfach es doch sein müsste, Herausforderung x zu lösen. Aber Demokratie ist oftmals nicht einfach und die gesellschaftlichen Herausforderungen erst recht. Wer eine schnelle, mehrheitsfähige Lösung für den Klimawandel hat, darf sich gerne melden.
Auch in Stadt- und Gemeinderäten geht es oft um scheinbar leicht zu lösende Themen – wenn man sie aus einer Perspektive betrachtet. Weil es aber meist mehrere Seiten gibt, ist es in der Realität doch komplexer – und damit zeitaufwendig.

Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum hat 2283 kommunale Mandatsträger in 44 NRW-Kommunen befragt. Das Ergebnis: Obwohl 70 Prozent erwerbstätig waren, investierten sie zwischen 29 bis 32 Stunden monatlich in ihr kommunalpolitisches Engagement.
Mix in Stadträten und Gemeinderäten könnte noch besser sein
Das mag im Einzelnen nicht auf jede Stadträtin oder Gemeinderat im Landkreis zutreffen. Auch Engagement bzw. Talent sind individuell, aber grundsätzlich leisten sie einen wichtigen Beitrag, damit unsere Demokratie funktioniert.
Sitzungsgelder und Aufwandsentschädigungen sind der Versuch, das anzuerkennen und zu unterstützen. Schließlich sollen nicht nur jene in den Gremien sitzen, die genügend Geld und Zeit haben.Die überschaubaren Summen verhindern aber nicht, dass der Mix in den Gremien in Hinblick auf Geschlecht, Alter, Beruf und Herkunft trotzdem oftmals nicht so bunt ist, wie es wünschenswert wäre.