Krones-Projektleiterin (27) will frischen Wind ins Pemflinger Rathaus bringen

Veronika Traurig hat selbst ihren Hut in den Kreis geworfen, als die CSU Pemfling einen Kandidaten fürs Bürgermeisteramt suchte. Nicht, weil sie Parteimitglied ist – das ist sie noch immer nicht – sondern, weil sie das Amt interessiert. Das spricht für ein gutes Selbstbewusstsein – dabei ist sie erst 27 Jahre alt. Eine Gemeinde zu führen, sei keine Frage des Alters, betont sie. Doch mit ihr komme frischer Wind ins Rathaus, verspricht sie. Viel Zuspruch habe sie für die Kandidatur bekommen – und sie ist sich sicher: „Ich kann nichts verlieren mit der Kandidatur!“
Dennoch seien ihre erst 27 Jahre ein Punkt, der ihr vorgehalten werde – sie sei zu jung fürs Amt, heiße es. Die Projektleiterin bei Krones hält dem entgegen, dass sie schon jetzt Dinge erlebt habe, die andere auch im fortgeschrittenen Alter noch vor sich haben. So habe sie mit der Familie ihren Opa bis zum Tod gepflegt, dann die eigene Mutter, die bereits mit 51 Jahren gehen musste. Bei solchen Erfahrungen werde vieles nebensächlich, so Veronika Traurig. Das Amt habe sicher nichts mit dem Alter zu tun, sondern, wie man es handhabe, mit den Menschen umgehe und wie man Entscheidungen treffe.
Eigene Entscheidungen treffen und klar begründen
Auch ihr Job lässt sie über Tellerränder hinausschauen – sie lernte nach dem Abitur am Fraunhofer-Gymnasium bei Krones den Beruf der Eurokauffrau. Der beinhaltet gleich drei Sprachprüfungen in Englisch, Spanisch und Französisch. In der Krones-Akademie schulte sie Menschen aus aller Welt an Maschinen. Heute arbeitet sie im Krones-Serviceteam in Neutraubling für die Baustellen in Westeuropa.
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Wird sie ins Rathaus von Pemfling gewählt, gehört sie landesweit sicher zu Jüngsten im Bürgermeisteramt – und bringt alles mit, was junge Menschen gut finden, vom Schmuckring im Nasenflügel bis zum Tattoo. Wie auch Führungsqualitäten aus der Berufswelt. In Pemfling selbst würde sie nicht nur die bisher Jüngste im Amt sein, sondern auch die erste Frau an der Gemeindespitze.

Angst macht ihr das nicht. Und – sicher – notfalls gäbe es den aktuellen Amtsinhaber, der bei Fragen helfen könne. Aber auch das werde ihr schon angekreidet – am Ende eine Marionette des Vorgängers zu sein. „Ich bilde mir meine Meinung selbst und werde meine eigenen Entscheidungen treffen!“ – für sie ist das keine Frage. Was es brauche, seien gute Erklärungen, wie man warum so entscheide: „Man muss die Menschen respektvoll behandeln und gut zuhören.“
Ein Ziel: Die Versorgung der Senioren verbessern
Sie sei aber auch nicht allein – Verwaltung und Gemeinderat seien immer mit eingebunden. Ziel sei es, das Beste für die Gemeinde zu erreichen. Das will sie auch zu einem brennenden Thema, das gerade die Gemeinde spaltet – dem Windpark, den der Landkreis und die Firma Bögl auf Gemeindegebiet plant. Selbst Familien bringe das Thema gerade auseinander, habe sie vor Ort erfahren. „So viele Windräder hier bei uns sind zu viel! Ich kann den Unmut verstehen“, sagt sie.
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Mancher schlafe deshalb nicht mehr, werde womöglich krank über der Thematik. Sie habe nichts gegen Windkraftanlagen, doch gleich die meisten im Landkreis einfach hier zu platzieren, sei unsolidarisch. Sie sei jetzt bei Löwendorf wandern gewesen – dass dort bald Windräder stehen würden und die Aussicht verstellen, sei für sie nicht vorstellbar. Sicher sei es schwierig, dafür eine Lösung zu finden, betonte Traurig, doch versuchen müsse man es. Viele Gerüchte würden dazu die Runde machen, die oft nicht stimmen würden – „zufrieden ist so jedenfalls keiner!“ Sie sieht sich dank ihrer Parteilosigkeit unbelastet im Votum.
Ein Markttag als mögliche Einkaufsidee
„Ein Dorfladen wäre schön!“, sagt sie mit Blick auf Pemfling – das sei auch ein Wunsch vieler junger Familien. Der sei schon einmal angedacht gewesen. Man müsse schauen, wie so etwas umsetzbar sei – wichtig sei ihr hier Nachhaltigkeit und Regionalität. Vielleicht könne ein Markttag etabliert werden, um Einkaufsmöglichkeiten vor Ort zu bieten.

Was kommen werde, sei ein neues Rathaus, dessen Pläne vorgestellt wurden. Und worüber man auch nachdenken müsse, sei eine bessere Versorgung für Senioren. Zumindest den ersten Schritt zu einer Tagespflegeeinrichtung sollte man gehen, findet sie – „ein Seniorenheim wird wohl nicht funktionieren.“ Ein weiteres Ziel von ihr ist eine regelmäßige Gesprächsrunde mit Gemeinderat in den Dörfern einzurichten, „um näher dran zu sein und zu erfahren, wo‘s zwickt!“ Die Vereinsstruktur wie auch die Wirtschaft vor Ort zu unterstützen, hat sie sich sowieso auf die Fahne geschrieben.
Über Vereine schnell Freunde gefunden
Als Dorfkind ist sie in der Gemeinde aufgewachsen und weis um den Wert der Strukturen. Die Eltern zogen vor Jahren aus dem Stadtgebiet Cham her, suchten aber schnell die Integration in der Gemeinde, was bei den Pemflinger Vereinen kein Problem darstellte. Somit wuchsen auch die Töchter im Vereinsleben Pemflings auf. Veronika Traurig engagierte sich bei der Landjugend, bei den Ministranten, bei der Feuerwehr. Heute führt sie die Laienspielgruppe. „Ich habe hier viele Freunde gefunden – und zwar in allen Altersgruppen“, sagt Veronika Traurig.
Doch die Zeiten hätten sich auch geändert – heute sei es wichtig für Frauen, finanziell unabhängig zu sein – auch um selbst für eine spätere Rente zu sorgen. Sieht sie Probleme mit Familie und Amt? Nein, meint sie. Sicher wolle sie einmal Kinder, da sei sie sich mit ihrem Partner Lukas, mit dem sie im Haus am Birkenweg zusammenwohnt, einig. Doch wann das so weit sein könne, stehe aus. Zudem sei das heutzutage durchaus vereinbar mit dem Bürgermeisterjob, zumal sie bei Krones in Teilzeit wechseln will, wenn sie gewählt wird.