Die Retter vom Innovationspark: So arbeitet der Gesundheitsdienst bei BMW in Wackersdorf

Von Philipp Breu · 23. Februar 2026 um 19:00

Das BMW Group Werk Wackersdorf gehört zweifelsohne zu den größten Arbeitgebern im Landkreis Schwandorf. Und wenn viele Mitarbeiter an modernen Maschinen hantieren, ist das Risiko für den ein oder anderen Unfall zwangsläufig größer. Dann ist der hauseigene BMW-Gesundheitsdienst gefragt. Über die Jahre wurden dessen Aufgaben immer vielfältiger und die Ausrüstung professioneller – ein Besuch vor Ort.

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Im hinteren Teil des Werksgeländes, in direkter Nachbarschaft zum neuen Batterietestzentrum, steht ein kleines, unscheinbares Gebäude aus roten Backsteinen. Errichtet wurde es bereits in den 1980er Jahren und sollte als Wache für die damals geplante Wiederaufbereitungsanlage (WAA) dienen. Später, als sich BMW dort angesiedelt hatte, diente das Häuschen als Personalbüro. Und auch ein Showroom der Nachbarfirma SGL fand hier schon seinen Platz. 2015 hat das Gebäude eine neue Funktion bekommen. Der BMW-Gesundheitsdienst zog ein.

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An die einstige WAA-Wache erinnert nur noch das verbaute Panzerglas. „Wir haben den sichersten Arbeitsplatz“, scherzt Benjamin Biehler. Der 39-Jährige arbeitet bei BMW in Wackersdorf als Arbeitsmedizinischer Assistent, zuvor war er 13 Jahre als Notfallsanitäter im öffentlichen Rettungsdienst tätig. Insgesamt sind beim Gesundheitsdienst des Wackersdorfer BMW-Werks drei arbeitsmedizinische Assistenten schichtbegleitend tätig. Sie besitzen eine Qualifikation als Notfallsanitäter bzw. Intensivpfleger. Ergänzt wird das Team von Werksarzt Dr. Sven Hofherr, der selbst 20 Jahre Notarzterfahrung hat. Der 52-Jährige ist seit 2015 bei BMW in Wackersdorf tätig. Zuvor war er Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr und dort auch in Kriegsgebieten wie Afghanistan im Einsatz. Als Facharzt für Allgemeinmedizin, Notfallmedizin und Arbeitsmedizin deckt er ein breites Spektrum ab.

Nicht nur für kleine Wehwechen zuständig

Die BMW AG hat an allen großen Standorten in Deutschland (München, Landshut, Dingolfing, Regensburg, Wackersdorf, Leipzig, Berlin) eigene Betriebsärzte und Gesundheitsdienste installiert. Die speziell ausgebildeten Fachkräfte sind in allen Bereichen der Arbeitsmedizin tätig. Dazu gehört zum einen die ambulante Versorgung der Mitarbeiter – von Schnittwunden über Verstauchen oder Quetschungen bis hin zu Insektenstichen oder hartnäckigen Verspannungen. „Das Ziel ist immer, dass der Betroffene wieder zum Arbeitsplatz zurückgehen kann“, erklärt Hofherr.

Doch der Alltag besteht bei weitem nicht nur aus der Versorgung der üblichen Wehwehchen. Auch für akute Notfälle ist das Personal in Wackersdorf gerüstet – und dann spielen da noch die Themen Vorsorge (z. B. Schutzimpfungen), Ergonomie und Arbeitsplatzgestaltung sowie die Beratung eine Rolle.

Im Vorsorge-Raum finden die klassischen arbeitsmediznischen Untersuchungen statt - vom Seh- und Hörtest bis hin zum Belastungs-EKG. - Foto: Philipp Breu
In der Ambulanz werden kleinere Wehwehchen behandelt: Schnittwunden, Quetschungen oder Insektenstiche - Foto: Philipp Breu
Für ernstere Fälle gibt es einen eigenen Schockraum. Hier können Vitalwerte überwacht und Medikamente verabreicht werden. Auch Impfstoffe werden dort gelagert. - Foto: Philipp Breu
Blick in die Notfall-Rucksäcke: Diese sind aufgeteilt nach Herz-Kreislauf (rot) und Beatmung (blau). - Foto: Philipp Breu

Die Räumlichkeiten des Gesundheitsdienstes erinnern an eine klassische Arztpraxis. Es gibt eine Anmeldung, ein ambulantes Behandlungszimmer für kleinere Eingriffe, aber auch einen Schockraum mit modernsten medizinischen Geräten, mit denen beispielsweise Vitalwerte überwacht werden können. In einem weiteren Zimmer werden klassische Arbeitsuntersuchungen wie Hör- und Sehtests durchgeführt, in einem anderen Raum kommen Rotlicht oder Reizstrom zum Einsatz.

Mit einem eigenen First-Responder-Fahrzeug im Einsatz

Und dann gibt es da noch ein spezielles Fahrzeug, das in einer kleinen Garage nebenan geparkt ist. Der SUV der Marke BMW, Modell iX1, ist leuchtend rot und neongelb foliert. Auf den Türen und der Motorhaube prangt der Schriftzug „First Responder BMW Werk Wackersdorf“, auf dem Dach ist ein Blaulicht montiert. Das Auto wurde von einer Spezialfirma umgebaut und hochgerüstet. Kostenpunkt: mehrere 10.000 Euro. Im Inneren ist eine BOS-Funkanlage verbaut.

Das neue First-Responder-Fahrzeug wurde mit einer Blaulichtanlage samt Horn versehen. Eine Spezialfirma hat den BMW iX1 foliert und aufgerüstet. - Foto: Philipp Breu

Der BMW-Gesundheitsdienst in Wackersdorf rückt schon seit Jahren mit einem eigenen First Responder Fahrzeug aus – nicht nur im Werksgelände, sondern auch im Umfeld. Seit Ende vergangenen Jahres sogar mit Blaulichtzulassung. „Damit haben wir ein Sonder- und Wegerecht, wie jeder Rettungsdienst oder die Polizei“, erklärt Benjamin Biehler. Bei Notfällen sei man nun noch schneller und vor allem auch rechtssicher unterwegs. „Bei einer Reanimation im Industriegebiet WTF Ende vergangenen Jahres hatten wir acht Minuten nach Alarm die erste Analyse am Defi. Das ist schon sehr flott“, ergänzt Sven Hofherr.

Eine Ausstattung mit „Notarztqualität“

Und auch die Ausrüstung ist anders im Vergleich zu einem herkömmlichen First-Responder-Fahrzeug, wie sich beim Blick in den Kofferraum zeigt. „Unsere Ausstattung ist an die Empfehlungen der ärztlichen Leiter Bayerns für Notarzteinsatzfahrzeuge angelehnt“, erklärt Biehler. Die Retter vom Innovationspark rücken unter anderem mit zwei Rücksäcken aus – einen für Kreislauf und Medikation, einen für die Beatmung (Sauerstoff, Beatmungsmasken, Intubation). Auch eine Absaugpumpe, eine Traumatasche, ein Defi samt Überwachungsmonitor und vieles mehr liegen griffbereit.

Mit diesem Equipment im Kofferaum rückt das Team zu Notfällen aus. Die Ausstattung gleicht dem eines Notarzteinsatzfahrzeugs. - Foto: Philipp Breu

Die Qualität ist zwar durchaus außergewöhnlich, dennoch betonen die Verantwortlichen immer wieder: „Wir sind nicht die Allertollsten.“ Man sehe sich viel mehr als sinnvolle, schlagkräftige Ergänzung in einem sonst eher strukturschwachen Eck. Schließlich seien die nächsten Rettungswagen in Bruck, Freihöls und Schwandorf stationiert. „Es gibt viele ehrenamtliche First Responder, die ihre Freizeit für so einen wichtigen Dienst opfern. Wir machen das in unserer Arbeitszeit. Da können wir nur den Hut ziehen“, sagt Hofherr.