Experte im MGB-Interview: „Das größte Problem für die Autobauer ist Deutschland“

Der Experte Ferdinand Dudenhöffer kritisiert im MGB-Interview den deutschen Autobauer-Standort und erklärt, worauf es für BMW, Audi und Co. jetzt ankommt.
Angesichts der Ergebniseinbrüche von Mercedes um knapp die Hälfte: Sind die deutschen Autobauer auf dem absteigenden Ast?
Dudenhöffer: Das würde ich nicht sagen. Das Jahr 2025 war, vor allem mit US-Präsident Trump und seinen Eskapaden, sehr schwer. Sie haben durchweg hohe Abschreibungen gehabt, auch auf Elektroautos, die man in den USA momentan ebenso vergessen kann wie Plug-in-Hybride. Das geht nicht nur den Deutschen so, sondern auch anderen Europäern wie Stellantis, der Mutterkonzern von Peugeot, Fiat, Chrysler und Opel. Auch die kämpfen mit hohen Abschreibungen und Wertberichtigungen, weil sie ihre E-Fahrzeuge nicht verkaufen können und Sonderbelastungen durch Zölle entstanden sind. Insgesamt werte ich das vergangene Jahr als extrem schlechtes Ausnahmejahr für die Autobauer in Europa.
Wenn es um den Ergebniseinbruch geht, dann sehe ich für BMW ein deutlich besseres Abschneiden im Vergleich zu Mercedes, während VW wahrscheinlich dazwischen liegen dürfte. Das größte Problem für die hiesigen Konzerne ist dabei Deutschland. Unser Land ist zu teuer und wettbewerbsunfähig. Wir verlieren schon zu lange an Wettbewerbskraft. Wir waren noch im Jahr 2000 das weltweit drittgrößte Land bei der Autoproduktion. Heute sind wir nur noch die Nummer Sieben. Länder wie Mexiko, Indien und auch Südkorea haben uns inzwischen überholt. Die Politik liefert außer Sonntagsreden derzeit wenig, um den Industriestandort Deutschland zu stärken.
Bestehen Aussichten, dass sich die Autobauer wieder fangen?
Dudenhöffer: Die werden das schon hinkriegen, aber im Ausland. Mercedes etwa baut die A-Klasse in Zukunft außerhalb der deutschen Grenzen. Die Konkurrenten tun es dem Konzern gleich, auch viele Zulieferer. Wir verlieren ständig Jobs und Wertschöpfung und kriegen es mit Deutschland nicht hin.
Auf US-Markt ist kein Verlass mehr
Können sie schwache Märkte in China und den USA einigermaßen ausgleichen?
Dudenhöffer: Allenfalls zu einem begrenzten Teil. Der Weltmarkt hatte zuletzt ein Volumen von 85 Millionen Autos. Davon kommen fast 25 Millionen – in wenigen Jahren werden es 30 Millionen sein – aus China. Weitere rund 15 Millionen entfallen auf die USA. Da ist es mit einem Ausgleich schwer. An dem riesigen chinesischen Markt darf man jedenfalls nicht vorbeigehen. Die USA dagegen kann man derzeit vergessen. Die sind mit Präsident Trump total unberechenbar geworden. Dafür brauchen wir in der Tat einen Ausgleich, und der kann nach Lage der Dinge nicht von schwächeren Märkten kommen, sondern eher aus dem China-Geschäft.
Welche Rolle könnte die Politik spielen, um den Autobauern zu helfen?
Dudenhöffer: Das, was eigentlich alle sagen und wissen: Man muss heran an die schlechten Kostenstrukturen, die hohen Lohnnebenkosten und die entsetzlich hohen Energiepreise. Wir haben uns zu viel Sozialstaat erlaubt, den die Industrie letztlich bezahlen muss. Hinzu kommt: Die deutsche Politik ist nicht stabil in ihrem Handeln. Sie verfolgt keine gezielte Strategie, sondern wechselt laufend. Ein gutes Beispiel ist die Förderung der Elektroautos. Da wird der Kauf von E-Autos einmal gefördert, dann eingestellt und wenig später folgt erneut eine Umkehr. Ähnlich die Haltung zum Verbrenner, der gestern verdammt wurde, heute aber wieder propagiert wird. Wenn sie laufend drei Meter vorangehen, dann wieder drei zurück, werden sie am Ende verlieren. So wird dem Standort Deutschland nicht geholfen.