Auch ohne Förderung: Österreicher geben Gas beim E-Auto

Die Nachbarn in Österreich entscheiden sich beim Autokauf immer häufiger für ein reines Elektro-Auto. Vor allem die Oberösterreicher stehen der Technologie aufgeschlossen gegenüber. Bei der jüngst veröffentlichten Statistik für das ganze Land liegen fünf oberösterreichische Bezirke vorn. Und das ohne Förderung, die weitgehend abgeschafft ist. Wie sieht es in Deutschland und in Bayern aus?
„Die Energiewende wird in Oberösterreich nicht nur diskutiert, sondern umgesetzt“, so interpretiert Oberösterreichs Wirtschafts- und Energielandesrat Markus Achleitner (ÖVP) die österreichweiten Daten zur Neuzulassung von privaten E-Autos im Vorjahr. In dem an Bayern grenzenden Mühlviertler Bezirk Rohrbach war der Anteil mit einem Drittel am höchsten, der Bezirk Ried im Innviertel erreicht mit einem Anteil von 26,9 Prozent, also einem guten Viertel, den fünften Platz auf dieser Anfang der Woche veröffentlichten Liste.
Energiesparmesse in Wels
Für Landesrat Achleitner ist es „ein starkes Signal“, dass gleich fünf oberösterreichische Bezirke dieses Ranking anführen: „Die Oberösterreicher setzen konsequent auf klimafreundliche Mobilität.“ Das zeige die Vorreiterrolle des Bundeslands bei der angestrebten Energiewende. Für ihn kommen diese Zahlen gerade rechtzeitig von einer internationalen Fachtagung über smarte E-Mobilität von 24. bis 27. Februar in Wels, die den Auftakt zur traditionellen Energiesparmesse von 27. Februar bis 1. März in Oberösterreichs zweitgrößter Stadt bildet.
Jedes dritte neue Auto in Rohrbach ist ein E-Fahrzeug
Rohrbach im Mühlviertel ist ein Pendler-Bezirk. Viele Beschäftigte, die in der Region keinen Arbeitsplatz finden, müssen notgedrungen zur Arbeit fahren, zum Beispiel in die Landeshauptstadt Linz oder auch über die Grenze nach Bayern. Mit einem Anteil von 32,3 Prozent an E-Autos bei den neuzugelassenen privaten Pkw ist der Anteil fast doppelt so hoch wie im gesamtösterreichischen Schnitt, der bei 17,2 Prozent bei den im Vorjahr neu angeschafften Autos liegt.
In der Rangliste der fünf oberösterreichischen Bezirke folgt mit einigem Respektabstand zu Rohrbach Grieskirchen mit einem Anteil von 28,4 Prozent neuen Elektro-Autos. Auf den weiteren Plätzen liegen Steyr-Land an der Grenze zu Niederösterreich mit 27,8 Prozent sowie Urfahr-Umgebung im Mühlviertel nördlich von Linz sowie Ried, wo gut jeder vierte neuzugelassene Pkw über einen reinen Antrieb verfügte.
Von den beiden Fachtagungen in Wels erwartet das Land Oberösterreich weitere Impulse auf dem Weg zu mehr Klimafreundlichkeit im Verkehr. So wird bei der Energiesparmesse in Wels von führenden Herstellern die gesamte Bandbreite moderner Elektomobilität gezeigt. Dazu kommen als weiterer Schwerpunkt E-Lkw und elektrische Lösungen für die Fahrzeugflotten von Unternehmen.
Förderung in Deutschland und Österreich - ein Vergleich
■ In Österreich steht 2026 bei Privatpersonen die finanzielle Unterstützung für die Infrastruktur von E-Ladestationen im Vordergrund. Kaufprämien für E-Autos laufen weitestgehend aus. Bezuschusst werden kommunikationsfähige Wallboxen oder intelligente Ladekabel. Bei Einzel-Wallboxen sind das pauschal 400 Euro. Unter bestimmten Voraussetzungen können zusätzlich Installationskosten gefördert werden. Gemeinschaftsladestationen in Häusern mit mehren Haushalten können bis zu 50 Prozent für die Errichtung der Basisinfrastruktur erhalten.
Insgesamt sind 2025 österreichweit um gut zwölf Prozent mehr Pkw neu zugelassen worden – nämlich knapp 285 000. Die Zahl der von Privatpersonen neu zugelassen E-Fahrzeuge ist laut Statistik Austria um 71,5 Prozent gegenüber 2024 gestiegen. In absoluten Zahlen: 60 651 rein elektrisch betriebene Pkw wurden insgesamt neu zugelassen, gut ein Drittel auf Privatpersonen, zwei Drittel auf Firmen und öffentliche Institutionen. Ende 2025 waren in der Alpenrepublik rund 7,51 Millionen Fahrzeuge zum Verkehr zugelassen.
■ In Deutschland gibt es seit Anfang 2026 wieder eine Förderung beim Kauf eines E-Fahrzeugs – je nach Einkommen, Haushaltsgröße und Fahrzeugtyp sind zwischen 1500 und 6000 Euro zu erwarten. Die Antragstellung soll laut ADAC ab Mai möglich sein.
Insgesamt wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt mit Sitz in Flensburg 2025 in Deutschland 2,85 Millionen Pkw neu zugelassen, davon knapp 1,7 Millionen hatten alternative Antriebe unter der Motorhaube (Hybrid, Plug-in, Brennstoffzelle, Gas, Wasserstoff). Der Anteil betrug somit bereits 59 Prozent. Besonders gefragt waren auch im förderfreien Jahr 2025 die vollelektrischen Fahrzeuge mit mehr als 545 000 neu zugelassener Autos – ein Plus von 43,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch der Gesamtanteil ist auf 19,1 Prozent gestiegen. Allerdings betrifft das nur die Neuzulassungen.
Auch der Deutschlandatlas des Bundesbauministeriums zeigt den deutlichen Anstieg der reinen E-Autos: Innerhalb von vier Jahren habe sich deren Anzahl mehr als verfünffacht. Insgesamt liegt der Anteil am Pkw-Bestand aber noch bei erst 3,3 Prozent.
■ In Niederbayern waren laut Kraftfahrt-Bundesamt zum 1. Januar 2025 insgesamt 857 603 Fahrzeuge zugelassen, davon 28 800 reine E-Autos. E-Spitzenreiter nach Anzahl ist der Landkreis Passau mit 4638 E-Autos vor den Landkreisen Landshut mit 4606, Rottal-Inn (2822) und Dingolfing-Landau (2804). Eine regionale Statistik über die Neuzulassungen liegt nicht vor.
In der Oberpfalz sind von insgesamt 750 981 Autos gesamt etwas über 25 000 rein elektrisch betrieben. E-Spitzenreiter sind Landkreis (4979) und Stadt (3865) Regensburg.
In Oberbayern sind knapp 3 Millionen Autos zugelassen. Davon haben 131 931 einen E-Antrieb. Zahlenmäßig unerreichbar sind München Stadt und Landkreis mit über 40 000 bzw. 16 000 E-Fahrzeugen. Elektro-stärkste Regionen sind die Stadt Ingolstadt (7535) vor dem Landkreis Rosenheim (6833). Vorne mit dabei ist auch Traunstein (4637). Altötting (2715) und Mühldorf (2778) liegen im Mittelfeld.