Demokratie stand im Mittelpunkt –600 Frauen kamen zum Landfrauentag nach Nabburg

Von Jonas Neubauer · 22. Februar 2026 um 17:00

Seit mehr als 35 Jahren begehen die Landfrauen im Landkreis Schwandorf einmal jährlich gemeinsam ihren Landfrauentag – eine Tradition, die fest im Jahreskalender verankert ist. Auch heuer erwies sich die Veranstaltung in der Nordgauhalle in Nabburg als Publikumsmagnet. Weit über 600 Gäste füllten die Halle und übertrafen damit die Besucherzahl des Vorjahres. Eingeladen hatte der Bayerischer Bauernverband (BBV).

Schon vor dem offiziellen Beginn um 13 Uhr herrschte reger Betrieb. 77 Torten, Kuchen und Gebäckstücke wurden bereits ab dem späten Vormittag verkauft. An den Stehtischen wurde gelacht, diskutiert und Neuigkeiten ausgetauscht. Der Landfrauentag ist längst nicht nur eine Versammlung, sondern auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt für Frauen aus allen Teilen des Landkreises.

Verantwortung übernehmen und Projekte voranbringen

Kreisbäuerin Sabine Schindler eröffnete den Nachmittag mit sichtlicher Freude über das volle Haus. Von der Bühne aus blickte sie auf ein Meer aus Besucherinnen – und wenigen Männern – und sprach von einer beeindruckenden Gemeinschaft. „Hier ist Kraft. Hier ist Erfahrung. Hier ist Gemeinschaft“, rief sie in den Saal. 600 Frauen aus dem Landkreis – das sei mehr als eine Zahl, das sei eine Stimme mit Gewicht.

Nach der musikalischen Eröffnung durch den Landfrauenchor folgten die Grußworte. Landrat Thomas Ebeling (CSU) würdigte die Landfrauen als „ganz besondere Gemeinschaft“, die Verantwortung übernehme und Projekte mit Ausdauer voranbringe. Sabine Schindler bringe ihre Anliegen auch im Kreistag engagiert ein, betonte er, und hob die verlässliche Zusammenarbeit hervor. Auch Nabburgs Bürgermeister Frank Zeitler (CSU) betonte die Bedeutung der Landfrauen für den Landkreis. Sie stünden „für Heimat, Tradition, Kultur und Zuverlässigkeit“ – Werte, die in einer schnelllebigen Zeit wichtiger denn je seien.

Auch die Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf (CSU) betonte die Bedeutung des ländlichen Raums. Gleichwertige Lebensverhältnisse müssten täglich neu erarbeitet werden. Sie dankte den Bäuerinnen und Landfrauen für ihre Arbeit auf den Höfen, in den Familien und in den Gemeinden. Mit Blick auf das von den Vereinten Nationen ausgerufene Jahr der Landwirtin 2026 hob sie hervor, wie wichtig es sei, Frauen in Führungspositionen sichtbarer zu machen und ihre Rolle in der Landwirtschaft weiter zu stärken.

Im Mittelpunkt der Rede der Kreisbäuerin stand die bevorstehende Kommunalwahl am 8. März – ausgerechnet am Weltfrauentag. Demokratie sei „kein Wohlfühlplatz zum Zurücklehnen und Zuschauen“, sagte Schindler. Sie lebe davon, dass Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und unterschiedliche Meinungen respektieren. „Dieses Miteinander, das wir so selbstverständlich leben, das ist Demokratie.“ Gerade auf Gemeinde- und Kreisebene gehe es um Themen, die Frauen unmittelbar betreffen: Kinderbetreuung, Schulen, Pflegeangebote, Vereinsleben oder die Infrastruktur in den Dörfern.

Dieses Miteinander, das wir so selbstverständlich leben, das ist Demokratie.Sabine Schindler, Kreisbäuerin

Mit Blick auf die Geschichte erinnerte Schindler daran, dass Frauen erst seit gut 100 Jahren wählen dürfen. Dieses Recht sei hart erkämpft worden. Heute komme es darauf an, es bewusst wahrzunehmen. „Wählen heißt: Ich übernehme meinen Teil. Ich schaue hin. Ich stehe für das Gemeinwohl.“ Demokratie sei am Ende „gelebte Nächstenliebe“. Sie rief dazu auf, mit Familie, Nachbarn und insbesondere mit jungen Menschen über die Bedeutung der Wahl zu sprechen. Die Stimme jeder Einzelnen zähle – gerade im kommunalen Bereich, wo Entscheidungen unmittelbar den Alltag betreffen.

Kreisbäuerin Sabine Schindler stellte ihre Rede ganz im Zeichen von Demokratie und Verantwortung. - Foto: Jonas Neubauer

Einen besonderen Akzent setzte der einstündige Vortrag von Martina Fischer. Die Sennerin und Buchautorin nahm das Publikum mit auf eine Bilder- und Filmreise zu ihrem „Seelenort“ auf der Alm. Sie sprach über Achtsamkeit, Naturverbundenheit und Selbstversorgung – Themen, die auf große Resonanz stießen. Mit persönlichen Erfahrungen und eindrucksvollen Naturaufnahmen vermittelte sie, wie eng Lebensqualität, Landschaft und verantwortungsbewusstes Wirtschaften miteinander verknüpft sind.

Jugendgruppe „Landladys“ sucht nach Nachwuchs

Auch organisatorisch zeigte sich, wie viele Hände für eine Veranstaltung dieser Größenordnung nötig sind. Zahlreiche Helferinnen sorgten für Service, Technik und einen reibungslosen Ablauf. Mit dabei waren auch die sogenannten „Landladys“, Jugendliche im Alter von zwölf bis 15 Jahren, die regelmäßig bei Veranstaltungen mit anpacken und Verantwortung übernehmen. „Wir freuen uns auch immer auf neue Gesichter“, sagte Johanna Schindler und lud interessierte Mädchen ein, Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Der Nachwuchs sei ein wichtiger Baustein, damit die Landfrauenarbeit auch in Zukunft fest im Landkreis verankert bleibe.

Am Ende stand nicht nur ein geselliger Nachmittag, sondern ein deutliches Signal: Die Landfrauen im Landkreis Schwandorf verstehen sich als aktive Gestalterinnen ihrer Heimat. Sie verbinden Tradition mit gesellschaftlicher Verantwortung – und wollen ihre Stimme am 8. März bewusst nutzen.