Verkauf von Kirchen und mehr: Evangelisches Dekanat Neumarkt krempelt einiges um

Die evangelische Kirche und damit das Dekanat Neumarkt haben Druck. Die Mitglieder und die Einnahmen werden weniger. Es braucht neue Strukturen, um mit weniger Geld und weniger Personal trotzdem die Kernaufgaben von Kirche zu erfüllen. Der Weg dorthin ist steinig und schmerzhaft. Er bietet aber auch Chancen, sagt Dekanin Christiane Murner.
Drei Bereiche schälen sich heraus, wenn man sich mit Murner über die anstehenden Veränderungen unterhält. Da wäre die für 2029 geplante Fusion mit den Dekanaten Altdorf und Hersbruck. Außerdem soll eine große Regionalgemeinde kommen. Und zu guter Letzt geht es darum, den Gebäudebestand im Dekanat zu reduzieren.
Etwas weniger als drei Jahre sind es, bis die drei Dekanate zu einem werden. Eine Steuerungsgruppe soll das organisieren. In dieser Woche findet ein weiteres Treffen statt, von dem Murner sich erste Entscheidungen erhofft. Es geht um den Dekanatsnamen und darum, wo es seinen Sitz haben wird.
Wird Neumarkt der Sitz des neuen, größeren Dekanats?
Ein naheliegender Name ist der bereits von der gemeinsamen Erwachsenenbildung und dem diakonischen Werk verwendete NAH, was für Neumarkt, Altdorf und Hersbruck steht, aber auch für „nah am Menschen“.

Beim Dekanatssitz dürfte es haariger werden, wie Murner sagt. Es geht um emotional aufgeladene Traditionen, regionale Befindlichkeiten, aber auch rationale Punkte, die für jeden der bisher drei Dekanatssitze sprechen. Hersbruck ist das an Mitgliedern größte Dekanat und hat noch nicht den großen Veränderungsdruck wie Neumarkt. Neumarkt wiederum ist die größte Stadt im künftigen Verbund und die evangelische Kirche hat hier ein erst kürzlich für viele Millionen modernisiertes Gebäude in der Kapuzinerstraße. Altdorf liegt geografisch in der Mitte und hat ein großes, für die Verwaltung geeignetes, aber altes Gebäude.
Die Neumarkter Dekanin favorisiert Altdorf oder Neumarkt als Sitz. Hersbruck kann sie sich nicht vorstellen aufgrund der weiten Wege, die beispielsweise Ehrenamtliche für Treffen auf sich nehmen müssten. Um die Fläche besser abzudecken schwebt Murner vor, dass es einen nominellen Sitz gibt und einen zweiten Arbeitsort, wie sie es bezeichnet.
Eine Regionalgemeinde statt sieben Kirchengemeinden im Dekanat Neumarkt
Ob sie mit ihren Argumenten durchkommt? „Wir müssen versuchen, eine friedliche, gute Lösung für alle Beteiligten zu finden“, sagt sie und ist grundsätzlich zuversichtlich: „Mental passen wir schon gut zusammen, weil wir schon sehr viel zusammen machen.“

Aus Sicht eines normalen Kirchenmitglieds stellt sich ohnehin die Frage, inwieweit es die Fusion überhaupt spüren wird? „Für normale evangelische Christen ist es relativ egal, wo ihr Dekanat sitzt“, sagt Murner. Betroffen seien vor allem Hauptamtliche und Ehrenamtliche, die in Gremien wirken.
Gleiches gilt wohl für ein weiteres Projekt. Die Landeskirche hat es zur Aufgabe gemacht, Regionalgemeinden zu bilden. Die bisher selbstständigen Kirchengemeinden sollen zu größeren Verwaltungseinheiten zusammengefasst werden. Für Neumarkt will Murner, dass alle sieben Gemeinden in einer Regionalgemeinde aufgehen.
Drei Kirchen im Landkreis Neumarkt stehen zum Verkauf
Die Folge: Die Kirchenvorstände verlören an Entscheidungsgewalt zugunsten einer Geschäftsführung. Murner sieht darin Vorteile: Die komplexen Aufgaben (Bauvorhaben, Personal, Steuern etc.) werden durch Profis erledigt. Pfarrer und Kirchenvorstände können sich stärker um ihre eigentliche Aufgabe kümmern, das geistliche Leben.
Das weniger werdende Geld ist auch für die Gebäudebedarfsplanung der Landeskirche der Auslöser. Dekanate und Kirchengemeinde mussten ihre Gebäude in drei Kategorien einordnen: Gruppe A sind wichtig fürs kirchliche Leben sind und bekommen weiter Geld von der Landeskirche. Jene in den Gruppen B und C nicht. Erstere werden vorerst weiter genutzt, die Gemeinden müssen sich aber mittelfristig überlegen, ob und wie sie die Gebäude finanzieren können oder ob sie vermieten bzw. verkaufen müssen. Bei den meist leerstehenden Gebäuden in Gruppe C muss das schnellstmöglich angegangen werden.

Ein direkter Verkaufszwang besteht zwar nicht, sagt Murner. In der Praxis werde aber die ausbleibende Unterstützung der Landeskirche doch zum Handeln zwingen.
36 Gebäude gibt es im Dekanat. Drei davon fallen in die Kategorie C: die St.-Sebastian-Kirche in Freystadt, die Marktkirche in Sulzbürg und die Friedenskirche in Dietfurt. Für sie suchten die Kirchengemeinden Abnehmer, berichtet die Dekanin. Hinzu kommen Pfarrhäuser wie jenes in Beilngries, das in die Kategorie B fällt. Es wurde inzwischen zu Wohnzwecken vermietet.
Wenn Kirchen zu Hotels, Restaurants oder Turnhallen werden
Dass Kirchen aufgegeben werden, sei inzwischen nichts Ungewöhnliches, sagt Neumarkts Dekanin Christiane Murner. Bayern sei eine der letzten Regionen in Deutschland, wo diese Entwicklung ankomme. In Deutschland haben die beiden großen Kirchen in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 1000 Kirchen „profaniert“.
In früheren Kirchen finden sich Turnhallen, Kulturzentren und Kindergärten. Murner selbst hat bereits in früheren Kirchen gespeist und übernachtet. Es stimme sie zwar traurig, wenn Kirchen ihre Funktion verlieren. Wenn diese aber einen angemessenen neuen Zweck haben, sei zumindest etwas vom ursprünglichen Geist weiter zu spüren.