Letzter Spurt zum schnellen Kabel in Cham: Nur noch eine Unterschrift...

Von Johannes Schiedermeier · 19. Februar 2026 um 18:15

Es ist die sechste Unterschrift unter einen Vertrag. Sie soll auch den letzten Chamer Bürgern bis 2029 ein Breitbandangebot sichern. Entsprechend wird sie gefeiert und an diesem Donnerstagmittag angemessen im Rathaus in Szene gesetzt.

Noch ist nicht klar, wer diese letzten Chamer Bürger sein werden. Einerseits deswegen, weil sie sich aufteilen in Lose, für die Stadtwerke, Telekom oder die Digitale Infrastruktur des Landkreises unterschiedlich Verantwortung tragen. Andererseits deswegen, weil die Telekom und die Stadtwerke den genauen Ablauf dieses letzten Ausbauschrittes noch nicht vereinbart haben.

Ende März gibt es Post von Stadtwerken und Telekom

Es wird Mitte/Ende März, bis die Bürger sich im Voraus für einen Anschluss anmelden können. Dann aber gibt es in regelmäßigen Abständen Post von Stadtwerken und Telekom. Die Bürger werden jederzeit über den Stand des Ausbaus vor ihrer Haustüre informiert sein. Das versprechen Bürgermeister Martin Stoiber und der Konzernbeauftragte der Telekom, Stefan Krantz.

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Apropos Haustüre. Es wird ab sofort um weitere 2600 Haushalte gehen. 1800 werden von den Stadtwerken versorgt, 800 von der Telekom. 1000 weitere wird die Digitale Infrastruktur des Landkreises ausbauen. Dann sollen alle rund 10 500 Haushalte der Stadt eine Anschlussmöglichkeit haben.

Hausanschlüsse bleiben ein Sorgenkind

Und genau das ist es, was den Verantwortlichen noch Kopfzerbrechen macht. Nur rund die Hälfte der Haushalte haben die Möglichkeit genutzt, sofort kostenlos den Anschluss an das Haus graben zu lassen. Rund 20 Prozent derer, die das getan haben, schließen auch einen Vertrag.

Letzteres können Stoiber und Krantz gerade noch verstehen. Schließlich gibt es Leute, die mit den bisherigen Werten zufrieden sind. „Wir bringen aber tatsächlich die 100 MB ins Haus. Und die Zeit spielt für uns, weil immer mehr Menschen höhere Werte brauchen werden“, sagt Krantz. Der Bürgermeister appelliert noch einmal an die Chamer, den kostenlosen Anschluss an das Haus graben zu lassen. Stoiber argumentiert damit, dass es rund 1000 Euro kostet, wenn man das später erledigt, wenn die Bagger abgezogen sind. Außerdem steige der Wert eines Hauses mit Breitband-Anschluss. Und Stoiber wiederholt das ständige Argument, dass niemand einen Vertrag abschließen muss, nur weil er einen Anschluss hätte. Und dass es dann insgesamt fünf Anbieter gibt. Nicht nur die Telekom.

Cham - ein deutsches Modellprojekt

Der Konzernbeauftragte der Telekom hat noch ein weiteres Argument: „Die Chamer Bürger unterstützen mit den Stadtwerken ein regionales Unternehmen.“ Was Krantz damit meint: Die Stadtwerke haben früh reagiert und schon vor Jahren damit begonnen, Leerrohre beim Straßen- und Leitungsbau mitzuverlegen. Heute müssen sie nur noch Breitband-Kabel einblasen und haben der Telekom dann ein Angebot zur Nutzung gemacht. Deswegen verdient nicht nur die Telekom, sondern die Stadtwerke verdienen mit.

Warum die Bürger anschließen sollten? Weil die Zeit für uns spielt. Viele sind mit ihren derzeitigen Anschluss-Leistungen zufrieden. Aber es werden viele bald höhere Werte brauchen. Und dann bringen wir tatsächlich die 100 MB ins Haus, die schon im Gehsteig liegenStefan Krantz, Konzernbeautragter der Telekom

Deswegen feiern sich die Stadt und die Telekom bei jeder dieser Gelegenheiten zurecht für ein deutsches Modellprojekt. Denn es ist erst sechs Jahre her, aber unvergessen: Die Telekom reißt nach den Ferien ein zweites Mal den Schulberg auf, weil sie dort verbaute Infrastruktur der Stadt nicht nutzen will...

Der Konzernbeauftragte Krantz erklärt das so: „Damals hat man noch mit dem Kopf der Bundespost gedacht: Wir versorgen 100 Prozent der Bevölkerung. Warum sollten wir unsere Infrastruktur teilen?“ Krantz räumt ein, dass der Umdenkprozess ein harter gewesen ist und der Bürgermeister hartnäckig. Das freut wiederum Martin Stoiber, der bestätigt: „Es war ein hartes Stück Arbeit, bis die Telekom bereit war, mit den Stadtwerken zu kooperieren und für die Nutzung unseres Netzes zu zahlen. Heute ist das ein Erfolgsprojekt.“

„2029? – Das kennen wir aus keinem anderen Landkreis!“

Dieses Erfolgsprojekt hat in Kombination mit dem Eigenbetrieb „Digitale Infrastruktur“ des Landkreises dazu geführt, dass tatsächlich 2029 alle Haushalte im Landkreis Cham Breitband nutzen können. „Das kennen wir von der Telekom sonst aus keinem weiteren Landkreis“, sagt Krantz. Und er verweist auf einen weiteren Vorteil: Die EU überlegt, bis in zehn Jahren die Kupferleitungen abschalten zu lassen. „Wenn das passiert, dann geht in keinem Haushalt im Landkreis Cham der Computer aus, weil das Breitbandkabel vor jeder Türe liegt“, sagt Krantz.