Breitband auf Rekordkurs: Der Landkreis Cham gräbt sich weiter durch

Von Johannes Schiedermeier · 6. August 2025 um 19:00

Wenn Landrat Franz Löffler darstellen will, wie gut sein Landkreis Cham dasteht, dann greift er bevorzugt zu einer Pressekonferenz über den Breitbandausbau. Wenn hier die Zahlen auf den Tisch kommen, dann fallen seit Jahren die Vokabeln „Spitze“, „Rekord“, „außergewöhnlich in der Republik“ und „Kabel bis nach Sizilien“.

Dabei hatte es ganz am Anfang eigentlich nach einem Reinfall ausgesehen, als der Privatanbieter sich erst verkalkuliert hatte und am Ende sogar Millionen bezahlte, um wieder aussteigen zu dürfen. Daraufhin gründete der Landkreis den Eigenbetrieb Digitale Infrastruktur.

Dort, wo keiner im Landkreis Cham graben wollte

Seitdem läuft es. In 70 EU-weiten Ausschreibungen vergräbt der Eigenbetrieb seit 2019 für die 19 Cluster in den sechs Projektgebieten 240 Millionen Euro Fördergelder quer durch den Landkreis, und zwar dort, wo keiner graben wollte – bis zur letzten Einöde.

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Der Landkreis hat damit ein leistungsfähiges Rückgrat-Netz geschaffen, das alle private Anbieter nutzen müssen, wenn sie an die lukrativeren Teile in den Kerngebieten heran wollen. Über diese Nutzungsentgelte sichert der Landkreis auch die Einlage von zehn Prozent, die von seinen Gemeinden kommt. Landrat Löffler ist aber vorsichtig, wenn die Frage nach der Rentabilität auftaucht: „Es wird wirtschaftlich sein. Aber es geht darum, dieses Netz auch zukunfts- und leistungsfähig zu halten und den Landkreis so zu versorgen, dass es zu jedem Zeitpunkt angepasst ist.“

Der Geschäftsführer des Eigenbetriebs, Klaus Schedl-bauer, legt nach: „Wir haben dafür gesorgt, dass wir jeden Haushalt mit zwei Gigabit versorgen könnten. Es liegt mehr im Boden, als benötigt wird. Wir kennen jeden Millimeter Kabel und können ihn zielsicher orten. Und über unsere 1600 Schächte ist jederzeit eine leichte Wartung möglich.“

Die lange Leitung reicht nicht

„Es reicht nicht, eine lange Leitung zu bauen“, sagt der Landrat. Man muss von Anfang an wissen, was hinten am Ende dranhängen soll. Und Löffler fügt an: „Wir sind nach einer Wartezeit jetzt wieder voll dabei.“

Damit spricht er einen wunden Punkt an, den Rolf-Peter Scharfe aufgreift. Er ist für Vodafone Leiter für Glasfaserkooperationen. Kurz hat es geholpert beim Rekord-Projekt, das Scharfe als „außergewöhnlich in der Republik“ bezeichnet. Denn Vodafone hat eine neue Software eingeführt, die Probleme gemacht und Anschlussverträge bis zu einem halben Jahr hinausgezögert hat. „Jetzt passt es wieder. Wir sind wieder bei drei Monaten“, sagt der Landrat.

Und Scharfe bestätigt auch, was Löffler sagt: „Für das, was wir gemacht haben, gab es keine Blaupause. Und wie wir das gemacht haben, das findet man nicht so leicht. Wir haben mit dem Ausbau gleich die nachhaltige Bewirtschaftung sichergestellt.“ Außerdem sei die Sache durch eine Verlegung vor jede Haustüre „enkelsicher“, falls die Großeltern den Vertrag gerade nicht wollen, sagt Scharfe.

Störungsfrei und erschwinglich für alle Chamer

„Am Ende geht es dabei um eine störungsfreie Funktion zu erschwinglichen Preisen. Das gewährleisten wir“, verspricht Löffler. Scharfe bestätigt: „Dieses Projekt wirkt weit über den Landkreis Cham hinaus. Wir werden in ganz Deutschland immer wieder darauf angesprochen.“ Der reibungslose Ablauf sei eine besondere Sache, schließlich sperre der Eigenbetrieb Straßen und bohre Löcher in die Häuser, so Scharfe mit Blick auf Schedlbauer.

Zahlen, Daten und Fakten

• Der Landkreis Cham baut seit 2019 in sechs Projektgebieten und neun Clustern Breitband aus.

• 19 000 Hausanschlüsse sind auf 2300 Kilometern verlegt, um die weißen Flecken von der Landkarte zu bringen. Wenn auch die grauen Flecken in den nächsten drei Jahren verschwunden sind, sind 30 000 Häuser angeschlossen.

• 370 Millionen Euro werden am Ende investiert sein. Der Bund bezuschusst mit 50 Prozent, das Land mit 40 und die Kommunen im Landkreis schießen zehn Prozent zu.

• 2000 Schaltungen sind alleine in den letzten fünf Monaten durchgeführt worden. Die Anschlussquote liegt bei 90 Prozent. 50 Prozent der Hausbesitzer haben einen Vertrag. Das ist bundesweit Spitze, sagt Vodafone.

• Der Landkreis wird 2300 Kilometer Trassen bauen, setzt 1600 Schächte und bläst bis 2029 rund 3400 Kilometer Glasfaserkabel ein.