2029 will der Landkreis Cham Glasfaser für alle seine Bürger haben

Von Johannes Schiedermeier · 18. Juli 2025 um 15:00

Landrat Franz Löffler hat im Werkausschuss einen Überblick über den Stand der Dinge beim Breitbandausbau gegeben und den Eigenbetrieb „Digitale Infrastruktur“ gelobt: „Ob es ein Erfolgsmodell ist, müssen die Menschen entscheiden. Aber es ist das größte Projekt, das der Landkreis je gestartet hat.“

Nachdem der ursprüngliche Startschuss für Breitband im Landkreis Cham 2029 will in ein Fiasko gemündet hatte, hat der Landkreis selbst einen Eigenbetrieb gegründet und den Ausbau in die Hand genommen. Die Bilanz wurde nun dem zuständigen Werkausschuss vorgestellt: 2026 sind alle weißen Flecken – fast 20 000 Anwesen – mit Breitband erschlossen. Kosten: knapp 240 Millionen Euro. Weitere 250 Millionen sind bereits verbaut, wobei Förderung von Bund und Land gut läuft, sagt Löffler.

Bis nach Palermo

2130 Kilometer Trasse sind gebaut, 2300 Kilometer werden es am Ende sein, so der Landrat. Eine Strecke von Cham bis Palermo, rechnet er vor. 2900 Kilometer Glasfaser wurden in den Leitungen eingeblasen.

Fünf Gebiete sind komplett fertig, und die Nutzerquote liegt bei 40 Prozent. Deutschlandweit, so vergleicht der Landrat, sind es 15. „Darüber wundert sich Vodafone jedes Mal“, so Löffler. Insgesamt hat der Landkreis 49 000 Anwesen. Davon sind derzeit 19 600 Gebäude erschlossen.

Am Ende 370 Millionen investiert

In den grauen Gebieten werden noch einmal 150 Millionen investiert, so dass am Ende eine Investitionssumme von 370 Millionen steht, so Löffler: „Wir machen das gründlich. Deswegen haben wir einen Eigenbetrieb gegründet. Schließlich werden wir dieses ganze Netz ja auch in Zukunft behalten.“

Werkleiter Klaus Schedlbauer setzt noch weitere Schwerpunkte. Es sei viel Digitalisierung nötig, um das Personal nicht ausufern zu lassen und Geschwindigkeit vorzulegen. Ende 2024 seien neun Kommunen voll angeschlossen gewesen: Rimbach, Hohenwarth, Neukirchen beim Hl. Blut, Treffelstein, Eschlkam, Gleißenberg, Blaibach, Hohenwarth und Lohberg. Es haben dort alle Gebäude Glasfaser, die mit den Versorgern Verträge abgeschlossen haben.

9900 graue Flecken

Parallel hat der Eigenbetrieb einen Antrag zum gesamten Ausbau aller 9900 hell- und dunkelgrauen Flecken eingereicht. Der vorläufige Förderbescheid liegt seit März 2024 vor. Damit, so der Werkleiter, erschließt der Eigenbetrieb 29 000 Adressen. Die Telekommunikationsunternehmen erschließen weitere 20 000. „Damit würden 2029 alle Bürger im Landkreis einen Glasfaseranschluss haben. Das erreichen in Deutschland sicher bis zu diesem Zeitpunkt nur wenige Regionen“, so Schedlbauer. Allerdings seien in einigen Bereichen die Unternehmen mit ihren eigenwirtschaftlichen Ausbauten etwas im Rückstand.

Der Freistaat werde den Ausbau der grauen Flecken erneut mit 55 Millionen und der Bund mit 68 Millionen kofinanzieren. Das sei ein Investitionsvolumen von weiteren 137 Millionen Euro. Weiding, Dalking und Schorndorf sollen in den Ausbau mit aufgenommen werden. Es werde derzeit versucht, dort eine Förderung zu erreichen, indem man unbewohnte Gebäude gegenrechnet, die von den Gemeinden gemeldet und aus der Erschließung genommen worden sind.

Mietfrei verlegt

Nur acht Prozent von 631 Vertragsnehmern haben für die notwendige Durchleitung durch Grundstücke zur Erschließung von Hinterliegern Geld verlangt. „Wir durften fast überall mietfrei durchgraben“, schildert Schedlbauer.

Schedlbauer legt auch den Jahresabschluss 2023 für den Eigenbetrieb vor. Er weist einen Gewinn von 123 000 Euro aus. Der Abschluss ist bereits beschlossen, der Kreistag muss jedoch die Werkleitung noch entlasten. „Das Anlagevermögen ist auf 129 Millionen gestiegen. Das Eigenkapital wächst leicht an auf 31 Millionen“, rechnet Schedlbauer vor.

45 Bau-Millionen für 2025

Für 2025 gibt der Werkleiter einen Zwischenbericht über das erste Halbjahr 2025 und die Investitionen bis 31. Mai. 555 000 Euro sind für den Personaleinsatz abgerechnet. 1,75 Millionen sind für das Jahr angesetzt. 725 452 Euro werden durch Umsatzerlöse bei Vodafone erreicht. Damit wird der Eigenbetrieb das Jahresziel von 1,84 Millionen Euro vermutlich überschreiten. 4,7 Millionen Euro sind bereits jetzt in den Bau der Leitungen investiert worden. 40 Millionen sind bis zum Jahresende angepeilt.

Unter Wünsche und Anträge bemängelte Grünen-Kreisrat Michael Doblinger, dass bei der Absicherung von Baustellen Luft nach oben sei. Da werde oft auf Staats- und Bundesstraßen schlecht gesichert mit Fahrzeugen gearbeitet. Der Eigenbetrieb versprach, ein Auge darauf zu haben.