Vor 20 Jahren wurden auch im Landkreis Cham die Dächer abgekehrt

Aktuell freuen sich die Menschen nicht nur auf den Bergen darüber, dass es kräftig schneit. Mitte Februar 2006 sorgten Schneefälle allerdings für Sorgen auf den Gesichtern vieler und für viel Arbeit, auch für die Mitglieder der Blaulicht-Familie. Als „Schneechaos“ blieben die fünf Tage vom 8. bis zum 13. Februar im Landkreis Cham in Erinnerung.
Noch am Mittwoch, 8. Februar, war die Stimmung im Landkreis gelassen: „Alles, was Beine hat, ist unterwegs“, hieß es bei den Straßenmeistereien. Einen Tag später ächzten die ersten Dächer bereits unter der Schneelast, allerdings mehr in den Landkreisen Passau, Deggendorf und auch Regen.
Wie würde sich die Situation am Wochenende entwickeln?
Als das Wochenende nahte, erinnerte der damalige Innenminister Günther Beckstein die Bürger daran, dass sie selbst dafür verantwortlich seien, ihre Gebäude „ordnungsgemäß zu unterhalten“. Bereits am 9. Februar hatte Brauereibesitzer August Späth in Lohberg die Feuerwehr allarmiert – gut 200 Kilogramm Schnee lagen auf dem Dach – pro Quadratmeter. Bis Mitternacht war die kritische Masse abgeräumt, „nur, um dem Neuschnee Platz zu machen, der anschließend reichlich vom Himmel fiel“, wie es in einem Bericht von damals heißt.
Ein Stadl und ein größeres Hotel in Lam stehen seit Donnerstag bei der Feuerwehr in der Priorität ganz oben, danach folgt ein Ferienzentrum in Lambach am Fuße des Großen Ossers. In Lam werden außerdem die Dächer einer Reithalle und zweier Betriebe abgekehrt. Immerhin: Weder wurde von größeren Unfällen berichtet, noch kam der Bahnverkehr zum Erliegen in der Region – die Ausrufung des Katastrophenfalles blieb aus. In den östlichen Landkreis wurden allerdings zusätzlich Feuerwehren beordert.
Bilanz: Eine Halle und zwei Scheunen beschädigt
Als das Wochenende vorbei war, fiel die Bilanz der Schneechaos-Tage im Vergleich mit anderen Regionen relativ positiv aus: Lediglich eine Werkhalle stürzte auf einer Fläche von 30 mal 15 Metern ein – allerdings nicht im Lamer Winkel, sondern in der Gemeinde Blaibach. Doch auch Hallen in Wald, in Furth im Wald, in Treffelstein sowie das Schullandheim bei Gleißenberg finden sich in den Einsatzbüchern der Feuerwehren und übrigens auch der Bergwachtbereitschaften. Eingestürzt sind damals allerdings nur noch zwei Scheunen in Pienzing und Furth im Wald.

In der Berichterstattung von vor 20 Jahren hat ein Kollege eine Woche nach Beginn des Schneechaos von 2006 eine ganz andere Frage gestellt: Was haben die Medienberichte über die Region bewirkt? Im Lamer Winkel und im Hohenbogenwinkel hatten Touristiker durchaus von positiven Effekten zu berichten: Da das wirkliche Chaos ausgeblieben sei, hätten viele ihre Freizeit genutzt und die Region besucht. Auf dem Marktplatz von Lam wurden Fotos mit Schneebergen gemacht, auch wenn die natürlich vom Winterdienst aufgetürmt worden waren. Heute wären die Sozialen Medien wahrscheinlich voll mit Fotos dieser Art. Im Jahr 2006 wanderten die noch als Erinnerung in die privaten Alben.
Chronologie
■ 8. Februar: Stark einsetzende Schneefälle und die Perspektive, dass diese anhalten sollten, sorgen auch im Landkreis Cham – und nicht zuletzt im östlichen Teil – für Bedenken. Erst einen Monat zuvor war die Eislaufhalle in Bad Reichenhall aufgrund hoher Schneelast und (wie sich erst später herausstellte) baulicher Mängel eingestürzt.
■ 14. Februar: Nachdem 1300 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren 139 Einsätze und insgesamt fast 10 000 Arbeitsstunden geleistet hatten, zogen die Verantwortlichen eine positive Bilanz. Größter Schaden war der Einsturz der Halle einer Schreinerei im Gemeindegebiet von Blaibach.
■ Folgen: In den folgenden Wochen mahnten Experten, dass Dächer, auch ohne eingestürzt zu sein, Schaden genommen haben könnten. Die Kommunen mahnten die hohen Winterdienstkosten an, auf denen sie sitzenbleiben könnten, und schon im April schlugen erste Förster Alarm, dass die Borkenkäfergefahr in diesem Jahr besonders hoch sei. wf