Tierhilfe Weiding schenkt geschundenen Kaninchen neues Glück und artgerechtes Leben

Viel zu dick, ungeimpft, ungepflegt, Bisswunden und kaputte Zähne, der Zustand, in dem Kaninchen oft zu ihnen gebracht werden, bezeichnet man bei der Tierhilfe Weiding als bemitleidenswert. Dort gibt es jetzt den „Ninchen-Garten“, in dem die putzigen Gesellen im wahrsten Sinne des Wortes ins Glück hoppeln dürfen.
In einem ehemaligen Freilauf für Hunde ist ein großer Bereich für Kaninchen eingerichtet. 13 Stück toben dort im Moment durchs Gehege, mümmeln an Salatblättern oder verstecken sich in den Unterschlupfen und Häuschen. „Niedliche Hasen“, sage ich und offenbare gleich mal meine Ahnungslosigkeit. „Das sind Kaninchen“, sagt Antje Weichmann, die eine Pflegestelle für die Hoppler hat.
Käfighaltung ist in Deutschland verboten
Dort kommen abgegebene Tiere erst einmal in Quarantäne. Ebenfalls solche, die ihren Besitzern weggenommen wurden. Wie Gustl, der in einem erbärmlichen Zustand aus schrecklicher Haltung nach Weiding kam.
„Oh, da ist ja ein Meerschweinchen“, stelle ich ein zweites Mal meine Ahnungslosigkeit zur Schau. Hat da etwa Catrin Röhricht, Leiterin der Tierhilfe Weiding die Augen verdreht? „Nein, das ist auch ein Kaninchen“, sagt sie.
Aber Spaß beiseite, genau das ist generell das Problem, die Menschen haben keine Ahnung von den Bedürfnissen und der Haltung der Tiere. Stichwort Meerschweinchen. Viele halten sie zusammen mit Kaninchen. Das, so Weichmann geht nur, wenn es jeweils zwei sind. „Meerschweinchen plappern den ganzen Tag“, das geht den Langohren natürlich auf die Nerven.
Zweites Problem: Käfighaltung: Die ist in Deutschland generell verboten. Warum werden die denn dann verkauft?, wird Weichmann häufig gefragt: „Ich kann ja auch Gift kaufen, umbringen darf ich trotzdem niemanden“, gibt sie die logische Antwort. Sechs Quadratmeter Freilauf ist für Kaninchen gesetzlich vorgeschrieben. Für jedes weitere Tier müssen es jeweils 20 Prozent mehr sein.
Weichmann hat für ihre beiden Schützlinge 16 Quadratmeter und schon ein schlechtes Gewissen. Pärchenhaltung ist übrigens zwingend notwendig, da die Fellknäuel sehr sozial sind und Kontakt brauchen. Wenn sie keinen Platz haben und zu eng aufeinander hocken, kann das aber auch in Aggression umschlagen. Weichmann und Röhricht berichten von Pärchen, die mit üblen Bisswunden, die sie sich gegenseitig zugefügt haben, bei ihnen angekommen sind. „Wer ein Kaninchen kauft, muss sich darüber im Klaren sein, was er sich nach Hause holt“, so die beiden Tierschützerinnen. 40 bis 50 Euro müsse man pro Tier und Woche rechnen.
Ideal ist es, sie nur mit frischen Bittersalaten, wie Chicorée, mit Weißkohl, Wirsing und ähnlichen Gemüsesorten zu füttern. Semmeln oder Brot sind Gift für die Zähne, weil Kaninchen, einfach ausgedrückt, das Futter nicht beißen, sondern mahlen. Das komplizierte Kauwerkzeug erfährt bei falscher Fütterung schnell schmerzhafte Deformationen, die behandelt werden müssen. Auch Trockenfutter empfehlen Röhricht und Weichmann nicht. Vor allem nicht bei gleichzeitiger Gabe mit Kohl.
Das Trockenfutter quillt im Magen auf, der Kohl tut ein übrigens. Im Magen bläht sich die Mixtur auf und drückt zum Beispiel die inneren Organe ab. Weichmann weiß von einigen Fällen, wo die Besitzer beklagen, dass ihre Lieblinge über Nacht gestorben sind. „Kaninchen haben einen sehr sensiblen Magen-Darm-Trakt.“ Futter ist überhaupt ein Dauerthema. In Weiding sind schon einige Hoppler angekommen, die im wahrsten Sinne des Wortes so dick waren, dass sie sich kaum noch bewegen konnten. „Gut gemeint, doch schlecht gemacht“, sagt Röhricht dazu.
Das Problem mit den Kaninchen ist ganz generell, dass sie auf Internetportalen und anderswo viel zu billig verkauft werden. Schon ab fünf Euro kann man da ein lebendiges Geburtstagsgeschenk kaufen, an dem der Mensch häufig nach kurzer Zeit das Interesse verliert.
Dabei brauchen Gustl, Klecksi und Co. viel Aufmerksamkeit und Pflege. Regelmäßiges Krallen schneiden gehört dazu. Und sie sind Kostenintensiv. Die Impfung kostet 50 Euro. Auch Kastration ist teuer aber notwendig: Rund 70 Euro für die Männchen, 230 bei den Weibchen. Wohnungshaltung ist laut Röhricht und Weichmann übrigens kein Problem. Allerdings sollte ein Zimmer mit rund zwölf Quadratmetern zur Verfügung stehen und zusätzlich Freigang in der Wohnung möglich sein. Wer all das bedenkt und sich daran hält, der kann zehn bis zwölf Jahre Freude an seinem Liebling haben. Die Vermittlung ihrer Schützlinge ist bei so vielem, was man beachten muss, natürlich schwierig. Im Umkreis ist das bisher noch nicht gelungen. Nach Nürnberg und München sind zwei Weidinger Hoppler verzogen.
Eine Patenschaft für ein glückliches Leben
Ich habe an diesem Tag viel über die liebenswerten kleinen Gesellen gelernt. Die Haltung würde ich mir trotzdem nicht zutrauen. Aber ich habe mich spontan in Klecksi verliebt und eine Patenschaft für ihn übernommen. Man gibt so viel Geld für unnützes Zeug aus, da sind 20 Euro im Monat für ein glückliches Kaninchenleben nicht zu viel. Röhricht und Weichmann freut es, alle Vierbeiner, die zu ihnen gebracht werden, sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen.
