Neumarkt vor der Wahl: Was die Parteien zu Kitas, Schulen und Jugendarbeit planen

Von Petra Schlierf · 16. Februar 2026 um 05:00

Am 8. März wählen die Neumarkter einen neuen Stadtrat. Bewerber von acht Listen stellen sich zur Wahl. Wie sehen deren Pläne aus in den Bereichen Bildung, Kinderbetreuung, Jugendarbeit und Integration?

■ Kinderbetreuung: Ist das, was in Neumarkt gerade passiert, das richtige Maß? Und wie steht es um den Ausbau der Ganztagsbetreuung in den Schulen?

Die CSU betont, der Ausbau gehe „kontinuierlich voran – stets mit Blick auf den zu erwartenden Bedarf“. Als Beispiele nennt sie neue Kitas und Übergangslösungen wie Container an der Grundschule Holzheim. Auch die UPW hält den Kurs für richtig. Planung und Umsetzung müssten sich laut Sebastian Schauer konsequent am tatsächlichen Bedarf orientieren. Ab 2026 können alle Erstklässler bis 16 Uhr betreut werden – „ein wichtiger Meilenstein für viele Familien“.

Die Grünen sehen die Stadt auf einem guten Weg, fordern aber weiteren, qualitativ hochwertigen Ausbau. „Jeder investierte Euro in eine gute Kinderbetreuung zahlt sich mehrfach aus“, betont Dr. Franziska Hutzler.

Die SPD erklärt, man werde bei den Kita-Plätzen „vor der Welle sein“, wenn alle Maßnahmen abgeschlossen sind. Wichtig seien wohnortnahe Angebote in den Stadtteilen und eine verlässliche Ferienbetreuung.

Deutlich skeptischer ist die FDP. Dr. Ira Hörndler fragt sich, „ob wir nicht über den Bedarf hinaus bauen“. Sie verweist auf sinkende Kinderzahlen und kritisiert, dass alternative Konzepte wie Wald- oder Bauernhofkindergärten nicht auf die kommunale Bedarfsplanung angerechnet werden. Bei der Ganztagsbetreuung stört sie, dass diese häufig mit „Mensa“ gleichgesetzt werde. Es brauche kreativere Lösungen.

Die Linke plädiert für bewusst eingeplante Reserven und nähme eine kurzzeitige Unterbelegung von Kitas in Kauf. Die ÖDP setzt Akzente bei Qualität, Früh- und Sprachförderung sowie verlässlichen Mahlzeiten.

■ Muss die Stadt mehr für die Jugend tun? Wo gibt es Handlungsbedarf? Wie könnten Lösungen aussehen?

CSU, UPW, FDP und SPD verweisen auf eine breite Angebotslandschaft. Für die CSU ist „die Kommunikation mit den Jugendlichen das A und O“. Beteiligungsprojekte wie der Dirt-Park in der Hasenheide oder der Jugendplatz an der Mistelbacher Allee seien beispielhaft.

Die UPW sieht Handlungsbedarf vor allem bei ganzjährigen Angeboten. Die Eislauffläche auf dem Volksfestplatz ließe sich zum Beispiel durch eine Überdachung länger nutzbar machen.

Ira Hörndler (FDP) schlägt neue Aufenthaltsorte vor, etwa am Kanalhafen – mit Sitzgelegenheiten und Streetfood-Angeboten. Wichtig seien zudem nachhaltige Dialogformate, ergänzt Tetiana Aristarkhova.

Grüne und Linke wollen mehr Angebote für die Jugend

Auch Günther Stagat (SPD) betont: „Man muss der Jugend zuhören und nicht an der Jugend vorbei planen.“ Ein Skillpark solle zeitnah beschlossen werden. Heinz Stengel (ÖDP) bringt die Idee eines Jugendrats oder einer Jugendversammlung ins Spiel, um Beteiligung institutionell zu stärken.

Grüne und Linke sehen stärkeren Handlungsbedarf bei der Jugendarbeit. Franziska Hutzler (Grüne) fordert „mehr Angebote“, konsumfreie Räume und echte Beteiligungsmöglichkeiten. Leerstände könnten zu Treffpunkten werden.

Britta Dirrigl (Linke) betont, es fehle weniger an Ideen als an Ressourcen. Jugendpolitik funktioniere nur mit „mehr Personal, verlässlicher Finanzierung und Räumen, die flexibel genutzt werden können“.

In der Hasenheide entstand ein Dirtpark, der bei Jugendlichen gut ankommt. - Foto: David-N. Schmidt

■ Der Neubau der Grundschule Woffenbach ist beschlossene Sache. Doch auch an anderen Schulen in Neumarkt besteht Handlungsbedarf. Wie soll es weitergehen?

Beim Schulbau herrscht Einigkeit über den Handlungsbedarf. CSU und SPD verweisen auf laufende Maßnahmen und eine schrittweise Modernisierung. Günther Stagat (SPD) fordert eine transparente Prioritätenliste für kommende Projekte, damit für den Bürger deutlich wird, wann zum Beispiel an den Schulen in Holzheim, Pölling oder Hasenheide etwas passiert.

Die UPW betont die Notwendigkeit moderner Technik und digitaler Infrastruktur. Die Grünen verlangen eine systematische Bestandsaufnahme der Mängel und priorisierte Sanierung – auch unter Klimaschutzaspekten. Die FDP legt besonderen Wert auf energetische Ertüchtigung.

Die Linke fordert eine verbindliche Schulentwicklungsplanung mit klarer Haushaltsverankerung: Schulen dürften „nicht länger auf Verschleiß gefahren werden“, so Marco Winkler. Die ÖDP plädiert für nachhaltige Renovierung und die Förderung alternativer Konzepte wie Montessori.

■ Die Hochschule ist fertig, der Studienbetrieb in der Innenstadt nimmt langsam Fahrt auf. Was kann die Stadt tun, um die Hochschule florieren zu lassen?

Hier sind sich alle einig, dass die Stadt vor allem Rahmenbedingungen setzen kann, etwa bezahlbaren Wohnraum schaffen. Die UPW mahnt eine stärkere emotionale Bindung der Studierenden an die Stadt an, die es bisher kaum gebe, weil viele pendeln. Die Grünen sehen in der Hochschule einen „zentralen Impulsgeber“ für Innovation und Innenstadtbelebung und wünscht sich eine bessere Vernetzung zur lokalen Wirtschaft. FDP und ÖDP setzen auf zusätzliche Studiengänge und gezielte Werbung für die Hochschule im Landkreis.

■ Stichwort Fachkräftemangel: Was muss die Stadt tun, um junge Menschen anzulocken?

Die CSU sieht Neumarkt bereits gut aufgestellt und will „sekundäre Faktoren“ wie Wohn-, Einkaufs- und Freizeitangebote weiter stärken. Sonja Reininger (UPW) bringt es knapp auf den Punkt: „Junge Menschen bleiben, wenn sie Perspektiven sehen.“ Dazu gehörten Arbeitsplätze, bezahlbarer Wohnraum und ein lebendiges Stadtleben.

Die Grünen nennen Wohnraum, Mobilität und Kulturangebote als entscheidend und sehen die Hochschule als Schlüsselfaktor. Die Linke betont, junge Menschen müssten „ernsthaft einbezogen“ werden und Perspektiven sehen.

FDP und ÖDP setzen stärker auf Ausbildung und qualifizierte Zuwanderung. Die FDP fordert zusätzliche Studiengänge an der Hochschule und verweist auf die Bedeutung von Berufsschule und Pflegeakademie. Die ÖDP spricht von gezielter Anwerbung aus dem Ausland, wie es manche Firmen aus der Region bereits tun.

■ Wie klappt die Integration von Zuwanderern in Neumarkt? Gibt es da noch Verbesserungsbedarf?

Integration betrachten alle Parteien und Wählergemeinschaften als Daueraufgabe. Die CSU verweist aber auf begrenzte kommunale Zuständigkeiten. Es brauche Lösungen, die sowohl Zuwanderern als auch Einheimischen gerecht werden.

Aus Sicht von Rita Großhauser (UPW) sind Sprache, Schule, Arbeit und Vereinsleben entscheidend für eine gelingende Integration. Verbesserungsbedarf gebe es bei Vernetzung und Unterstützung. Die Grünen fordern eine dauerhaft finanzierte Flüchtlingsberatung, frühe Sprachförderung und gute Zugänge zu Bildung und Arbeit. Die SPD fordert mehr bezahlbaren Wohnraum.

FDP: Anerkennung von Abschlüssen eine große Hürde

Die FDP nennt die Integration in den Arbeitsmarkt als größte Baustelle. Nicht die Unternehmen seien das Problem, sondern die hohen Hürden bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse, glaubt Tetiana Aristarkhova. Hier könne die Stadt unterstützen.

Die Linke fordert ein klares politisches Signal: Neumarkt müsse deutlich machen, „diese Stadt gehört allen Menschen, die hier leben“. Vielfalt müsse aktiv verteidigt werden.

Michael Moritz (ÖDP) betont grundsätzliche Offenheit, erwartet aber die Einhaltung gesellschaftlicher Regeln, etwa den Respekt gegenüber Frauen. Zudem regt die ÖDP eine stärkere Vernetzung von Initiativen und eine Belebung der Städtepartnerschaften an.

Die AfD hat sich zu den Fragen der Redaktion trotz mehrfacher Nachfrage nicht geäußert.