Burglengenfelder Altstadt ist Fokusgebiet für Wärmenetz – SWB sind als Betreiber Favorit

24 Stunden bevor im Rathaus eine Infoveranstaltung in Sachen Kommunaler Wärmeplanung für die Allgemeinheit über die Bühne gehen sollte, bekamen die Stadträte am Mittwoch die Ergebnisse aus erster Hand präsentiert. Projektleiterin Christina Albrecht von der Bayernwerk Netz GmbH und Patrizia Pöllmann vom Institut für nachhaltige Energieversorgung warteten mit einer Fülle interessanter Neuigkeiten auf.
Die Botschaft im Kern: Die Burglengenfelder haben nun eine klare Übersicht, wo sich der Aufbau von Wärmenetzen lohnt und wo doch individuelle Lösungen zu bevorzugen sind.
Wenig überraschend kommt ein Wärmenetz in Umlandgemeinden wie Dietldorf aus wirtschaftlichen Gründen eher nicht in Betracht, wohl aber für die Altstadt. Das Zentrum ist wegen der dichten Bebauung und wegen des großen Wärmebedarfs dafür interessant.
Allerdings auch nur dann, wenn mindestens 60 Prozent der rund 110 zum Stadtkern gehörenden Gebäude angeschlossen werden. Daher mahnte BWG-Rat Gregor Glötzl an, „schnell in die Pötte zu kommen“. Je mehr Zeit verstreiche, umso mehr Hausbesitzer würden eine andere Lösung anstreben, meinte er.
Wegen Investitionskosten: Glatzl stellt Wirtschaftlichkeit infrage
Experten haben berechnet, dass für die Kernstadt 3,777 Kilometer Leitungen verlegt werden müssten. Davon ausgehend, dass ein Meter rund 2000 Euro kostet, wären unterm Strich rund 7,4 Millionen Euro aufzubringen – also 70 000 Euro pro Gebäude, so die Rechnung von CSU-Fraktionschef Michael Schaller. Hans Glatzl (BFB) stellte deshalb die Wirtschaftlichkeit infrage.
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Wärmequellen gäbe es grundsätzlich mindestens zwei: das Zementwerk und die Naab. Der Industriebetrieb sei, so beteuerte Bürgermeister Thomas Gesche (CSU), entgegen anders lautenden Meldungen als Lieferant nicht aus dem Rennen.
Gleichzeitig räumte er ein, dass zwei Faktoren eine Partnerschaft erschwerten. Bekannt ist, dass für die mehrwöchige Wartung der Anlagen des Zementwerks im Winter eine Ersatzlösung realisiert werden müsste. Außerdem könne der Konzern nur für einen Bruchteil seiner Abwärme eine dauerhafte Abgabe garantieren, sagte Gesche.
Stadtwerke haben bereits den Naabtalpark im Visier
Als „großes Plus“ bezeichnete Albrecht den Umstand, dass mit den Stadtwerken bereits ein potenzieller Netzbetreiber existiere. Tatsächlich haben die SWB bereits das zweite Fokusgebiet „Im Naabtalpark“ für ein solches Vorhaben im Visier. Gesche hielt es daher für sinnvoll, die SWB auch mit der Aufgabe zu betrauen, die Machbarkeit für das Altstadtgebiet prüfen zu lassen. Dabei könnten naheliegende größere Abnehmer, angrenzende Straßenzüge und die Vorstadt einbezogen werden. Der Vorschlag wurde mit großer Mehrheit beschlossen.
Für das vorhandene Gasnetz gibt es im Übrigen keine Rückbaupläne, versicherte Albrecht. Die Nutzung von Grüngas sei eine Option, welche die Bedingungen des Gebäudeenergiegesetzes erfülle. Siegfried Klopp (SPD) sah sich unversehens in der Zwickmühle: Ob er als „Roter“ vom „schwarzen“ Ratskollegen Thomas Hofmann, der Biogas erzeugt, Energie beziehen könne? Die Vorstellung schien ihm nicht zu gefallen.