Die Plakat-Outfits der Regensburger Politiker: Viele Sakkos, aber nur eine Krawatte

Horst Meierhofer schaut von der Litfaßsäule an der Friedenstraße herab. Arme verschränkt, die Augen geradeaus. Hunderte Menschen gehen an ihm jeden Tag vorbei. Hunderte Menschen, deren Stimme er will. Viele davon werden nur einen kurzen Blick auf den FDP-Politiker werfen, und dann schon ihr Urteil fällen. Es muss also alles stimmen. Und vor allem die Kleidung. Meierhofer hat sich für dunkles Sakko und hellblaues Hemd, oberster Knopf offen, entschieden.
Kleider machen Leute. Und deswegen gewinnen – oder verlieren – Kleider auch Wahlen. Eine Studie hat schon vor Jahren zutage gefördert, dass Menschen beim Betrachten von Bildern oft blitzschnell entscheiden, wie sie die gezeigte Person einschätzen. Und häufig auch kein zweites Mal mehr hinschauen. Politiker wissen das natürlich. Und tüfteln aufwendig und lange, teils auch mit Beratern, am Outfit für den Wahlkampf. In Regensburg gab es dabei nun bereits einen großen Verlierer: die Krawatte.
Nur die Partei setzt weiter auf den Schlips
Wahlkampf 2014. Beim Foto mit dem amtierenden Oberbürgermeister Hans Schaidinger trägt der damalige CSU-Kandidat Christian Schlegl einen klassischen Anzug und dazu einen dunkelblau-weiß gestreiften Binder. Schaidinger eine rot-weiß-gestreifte Krawatte, Anzug sowieso. Dieses Komplettset ist nun im Wahlkampf 2026 nicht bloß nur noch selten, nein, es ist überhaupt nicht mehr zu finden. Der einzige Kandidat, der Krawatte trägt ist, bitte anschnallen, Ingo Frank von der Satire-Truppe Die Partei. Ansonsten setzen die Regensburger Politiker beim Schlips aus.
Sakko tragen indes aber wiederum sehr viele. Selbst Benedikt Suttner von den „Ökos“ der ÖDP ist auf dem Wahlkampfplakat im gepflegten Business-Casual-Look zu sehen. Das Sakko, so steht es im Einmaleins der Mode-Pyschologie, verkörpert Kompetenz, Seriosität und Professionalität. Eigenschaften, die im Wahlkampf Gold wert sein können. Auch Helene Sigloch zeigt sich nicht etwa in einem Grünen-Fundis-Wollpullover, sondern ganz im Gegenteil klassisch-seriös: hoch geschlossene Bluse plus – durch Querstreifen aufgepepptes – Sakko. Thomas Thurow (Brücke) und Christian Janele (CSB) haben sich bei ihren Jacketts derweil für helle Farben entschieden und versprühen damit mitten im nebligen Winterwahlkampf sommerliches Flair.
Zukunft: Modisch weht der „Frische Wind“ noch nicht
Wie stark die Kombination aus hellem Hemd und dunklem Sakko mit klassischen Werten verknüpft ist, zeigt sich auch am Plakat der Kandidaten der „Zukunft“. Die geraten etwas in Konflikt mit dem eigenen Slogan. Mit dem seriösen Schick, auf den auch sie setzen, könnten sie zwar durchaus punkten, ein „Frischer Wind für den Stadtrat“, wie es über ihnen heißt, kündigt sich zumindest modisch damit aber nicht an.
Die Lücke, die der Abschied der Krawatte hinterlässt, scheint derweil eine kleine Anstecknadel zu nutzen. Thomas Burger von der SPD setzt ebenfalls auf gepflegtes Sakko und Hemd, kombiniert dieses nun aber – vermutlich sehr bewusst – mit dem Wappen der Stadt Regensburg. Ein Accessoire, das die Verbundenheit zur Kommune symbolisiert, und auf das auch Thomas Thurow und Christian Janele setzen. Und sind es vielleicht noch mehr? Bei Benedikt Suttner etwa bleibt es offen, ob die Regensburg-Nadel dabei ist. Ganz einfach, weil bei ihm der Schriftzug des Plakats in Brusthöhe prangt und somit den gängigen Ansteckplatz überdeckt.
Hier finden Sie einen Überblick über die Social-Media-Aktivitäten der Kandidaten: Regensburger Politiker geben im Netz alles
Ohne Jackett, dafür mit hochgekrempelten Ärmeln präsentiert sich Michael Schien von den Freien Wählern. Nackter Unterarm, das steht für Tatendrang, Sportlichkeit, Energie – kann nach dem Fotoshooting wegen der entstandenen Falten aber lästiges Nachbügeln erfordern. Robuster hält es da der einzige Krawattenträger, Ingo Frank von der Partei. Der ist nämlich auch der einzige, der auf den Wahlplakaten in Jeans zu sehen ist. Ausschlaggebend dürfte bei dieser Entscheidung aber in großem Maß der bekannte Dress-Code der Partei, der an eine Schul-Uniform erinnert, gewesen sein.
Sebastian Wanner versprüht mit einem Linken-Schal, den er über seiner dunklen Jacke umgehängt hat, derweil gewisse Fan-Ästhetik. Und voll auf eine Farbe, und zwar die der eigenen Partei, setzt die AfD. Thomas Straub trägt Hemd und Sakko in unterschiedlichen Blau-Tönen, und das alles vor einem Hintergrund mit hellblauem Himmel und tiefblauer Donau.
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In Sachen Farbpsychologie etwas überraschend tritt Lisa Brenner von Volt auf. Grautöne, wie die ihres metallic-glänzenden Hemdkleides, werden gemeinhin mit Zurückhaltung oder Bescheidenheit in Verbindung gebracht. Assoziationen, die Politiker im Wahlkampf eher meiden. Allerdings sorgt der starke Kontrast zum satten Volt-Lila im Hintergrund wiederum für einen beachtlichen visuellen Effekt.
Astrid Freudenstein setzt auf eine bewährte Farbkombination
Einen beigefarbenen Herbstmantel über schwarzem Oberteil trägt CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein auf einem ihrer Plakate. Mode-psychologisch eine gern genutzte Farbkombination für den Wahlkampf: das Schwarz wird oft mit Kraft und Autorität verknüpft, der helle Ton der Jacke mit Klarheit.
Doch stoßen Mode-Deuter zumindest bei der Ribisl-Partie an ihre Grenzen? Nun, keineswegs. Dies ist zwar die einzige Gruppe, die ohne reale Bilder in den Regensburger Plakatwahlkampf zieht. Sie setzt dafür auf fiktive Kunterbunt-Figuren. Eine Farbwahl, die im Sinne des „Dopamin-Dressings“, bei dem durch optische Reize Glückshormone aktiviert werden sollen, vor allem für eines steht: Gute Laune.