ÖPNV, Fahrrad, Kampf gegen Raser: So positionieren sich die Parteien zum Verkehr

Von Petra Schlierf · 11. Februar 2026 um 05:00

Am 8. März wählen die Neumarkter einen neuen Stadtrat. Bewerber von acht Listen stellen sich zur Wahl. Was haben sie vor rund um das Thema Verkehr? Die Standpunkte zu den Themen Radverkehr, Stadtbusse und vielem mehr.

■ Über die Radwege in Neumarkt wird häufig geklagt. Sind sie wirklich so schlecht? Was wäre hier wirklich wichtig?

Beim Zustand der Radwege sind sich alle Fraktionen einig, dass es Verbesserungsbedarf gibt – wie gravierend dieser ist, bewerten sie jedoch unterschiedlich. Die CSU verweist darauf, dass Neumarkt als „fahrradfreundliche Kommune“ alle Verkehrsteilnehmer im Blick habe und kontinuierlich an Verbesserungen arbeite. Auch Peter Grewe (UPW) sieht „deutlich Luft nach oben“ und fordert vor allem die konsequente Umsetzung des bestehenden Radverkehrskonzepts.

Grüne und Linke üben grundsätzliche Kritik. Radwege seien oft Stückwerk, nicht durchgängig und an vielen Stellen unsicher. Beide fordern ein zukunftsfähiges, zusammenhängendes Radwegenetz mit klarer Trennung vom Autoverkehr, ergänzt um Fahrradstraßen, Tempo-30-Zonen und sichere Abstellanlagen.

Günther Stagat (SPD) hält die Radwege insgesamt für besser als ihren Ruf, kritisiert aber konkrete Fehlentwicklungen wie ebenerdige Radwege, die zugeparkt oder im Winter zugeschoben werden. Problemstellen wie die Lammsbräu-Kreuzung oder die Kreuzung an der neuen Feuerwache bezeichnet er als zwar regelkonform, aber gefährlich. Es komme dort immer wieder zu schweren Unfällen.

Ira Hörndler (FDP) warnt vor pauschaler Kritik und vor teuren Fehlplanungen, etwa Radwegen an ungeeigneten Stellen. Stattdessen fordert sie eine sorgfältige Priorisierung.

Die ÖDP bemängelt fehlende Anschlüsse, abrupt endende Radwege und Konflikte am Oberen und Unteren Markt, wo sich Rad- und Autofahrer „den Verkehrsraum auf grobem Kopfsteinpflaster teilen“ müssen. Durch Pilotprojekte, etwa mit Einbahnstraßen, könnten neue Radwege entstehen.

■ Jeder fordert ÖPNV, aber oft sind die Stadtbusse ziemlich leer. Wie könnte man den Busverkehr attraktiver machen?

Alle Fraktionen wollen den öffentlichen Nahverkehr stärken.

Die CSU kann sich vorstellen, das über neue Verbindungen wie einen Pendelbus zwischen Volksfestplatz und Ärztehaus zu erreichen. Im Übrigen verweist man auf den Nahverkehrsplan von vergangenem Jahr.

Jakob Bierschneider (UPW) sieht den ÖPNV als Schlüssel, um den Autoverkehr zu reduzieren, und fordert bessere Ampelschaltungen für Busse, barrierefreie Haltestellen, digitale Fahrpläne sowie Anreize für Neubürger. Man könnte „Freikarten für etwa vier Wochen ausgeben“, schlägt Bierschneider vor.

Die Grünen sehen die Ursache leerer Busse in zu geringer Taktung, unverständlichen Tarifen und schlechter Verknüpfung mit dem Rad- und Fußverkehr. Bessere Ampelschaltungen könnten außerdem die Pünktlichkeit erhöhen.

SPD: Fahrermangel begrenzt Wachstum beim ÖPNV

Günther Stagat (SPD) verweist auf das neue Buskonzept mit mehr Haltestellen, sieht aber Fahrermangel als zentrales Problem und fordert kostenfreie Busse für Kinder, Jugendliche und Senioren.

Ira Hörndler (FDP) kritisiert vor allem die fehlende zeitliche Verzahnung mit dem Bahnverkehr und mangelnde Zuverlässigkeit. Bedarfsorientierte „On-Demand“-Lösungen für die Ortsteile könnten aus ihrer Sicht Abhilfe schaffen.

Die Linke fordert ein grundlegend anderes System, unter anderem mit einer Ringlinie, die wichtige Stadtteile und Knotenpunkte miteinander verbindet. Flexible Kleinbusse sowie Nacht- und Wochenendangebote wären außerdem wichtig.

„Den Takt erhöhen, auch wenn das Geld kostet“, lautet die Devise der ÖDP. Darüber hinaus brauche es ein gutes und günstiges Rufbus-Konzept.

■ Die Sanierung der Obi-Kreuzung bringt das Verkehrssystem der Stadt gerade täglich an ihre Grenzen. Wo gibt es neuralgische Punkte im Straßensystem, an denen gehandelt werden müsste?

Die Sanierung der Obi-Kreuzung verteidigen CSU und UPW als notwendige, wenn auch belastende Maßnahme. Weitere Prioritäten sieht die CSU bei der Bahnhofstraße, die UPW bei den Kreuzungen am Oberen Tor und Kurt-Romstöck-Ring/Ringstraße.

Die SPD will zuerst die Kreuzung an der Rittershofer Straße angehen und wünscht sich Kreisverkehre an den Umgehungsstraßen sowie eine bessere Ampelschaltung an der Pfleiderer-Kreuzung. Die Lammsbräu-Kreuzung und die Kreuzung am Finanzamt findet Ira Hörndler (FDP) „verbesserungswürdig“. Auch sie wünscht sich bessere Ampelschaltungen. Die gleichen Problemstellen wie SPD und FDP macht auch die ÖDP aus.

FDP fordert Entlastung vom Verkehr durch Spange zur Autobahn

Die FDP tritt außerdem für eine Spange von der Autobahn zum Kreisverkehr am Blomenhof ein, um Durchgangsverkehr aus der Stadt zu verbannen.

Die Grünen und vor allem die Linke sehen die Ursachen tiefer: Das Verkehrssystem sei insgesamt zu stark auf das Auto ausgerichtet. Punktuelle Eingriffe reichten nicht aus, vielmehr brauche es eine konsequente Stärkung von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr.

■ Viele Neumarkter klagen über Raser. Aktuell ist die Amberger Straße ein großes Problem. Was kann die Stadt, abgesehen von Blitzaktionen des Zweckverbands, noch tun? Wären baulichen Maßnahmen sinnvoll?

Beim Umgang mit Rasern setzt die CSU auf Verkehrsüberwachung und flexible Maßnahmen wie mobile Blitzer, die in den Straßen zum Einsatz kommen, wo die Verkehrsüberwachung auffällig hohe Werte liefert. Die SPD appelliert stärker an Vernunft und gegenseitige Rücksichtnahme im Verkehr.

Grüne und Linke halten bauliche Maßnahmen für wirksamer als reine Kontrollen, etwa durch Verengungen, Mittelinseln und Tempo-30-Zonen.

ÖDP: Videoüberwachung gegen Raser

Die FDP sieht Entlastung vor allem durch strukturelle Maßnahmen wie eine Verkehrsspange und bessere Ampelschaltungen, bezweifelt aber die Wirkung baulicher Eingriffe bei extremen Verstößen.

Die ÖDP fordert Videoüberwachung an neuralgischen Punkten sowie permanente Radarkontrollen.

Die AfD hat sich zu den Fragen der Redaktion trotz mehrfacher Nachfrage nicht geäußert.