Baugebiete, Nachverdichtung, Sozialwohungen: Wo sollen die Neumarkter künftig leben?

Am 8. März wählen die Neumarkter einen neuen Stadtrat. Bewerber von acht Listen stellen sich zur Wahl. Was haben sie vor rund um das Thema Wohnen? Die Positionen zu sozialem Wohnungsbau, neuen Wohngebieten und Nachverdichtung.
■ Soll die Stadt noch weiterwachsen, neue Baugebiete an den Rändern entstehen? Oder ist Nachverdichtung der Königsweg?
Die CSU sieht Wachstum grundsätzlich positiv und will weiterhin Baugebiete für Familien ausweisen, betont aber, dass es keinen einheitlichen Königsweg gebe. Die SPD argumentiert ähnlich, solange das Wachstum „in einem gesunden Rahmen bleibt“, und verweist auf steigende Geburtenzahlen sowie Einheimischenmodelle.
UPW und Grüne setzen klar auf Innenentwicklung. Rita Großhauser (UPW) sagt: „Unser Fokus sollte klar auf Nachverdichtung und der besseren Nutzung bestehender Flächen liegen.“ Neue Baugebiete an den Rändern sollen nur sehr maßvoll entstehen. Die Grünen verlangen klare ökologische Vorgaben, wenn neue Baugebiete entstehen.
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Die FDP warnt dagegen vor den Nebenwirkungen zu starker Nachverdichtung, die Bodenpreise steigen lasse und Einfamilienhäuser verdränge. Es werde sich niemand mehr leisten können, ein kleines Haus auf viel Grund zu bauen befürchtet Ira Hörndler.
Die Linke plädiert ebenfalls für Nachverdichtung als „sinnvollen, ersten Schritt“. Man knüpft diese aber an den Erhalt und Ausbau der sozialen Infrastruktur, Klimaschutz und Lebensqualität.
Die ÖDP spricht sich für verlangsamtes Wachstum aus.
■ Die Mieten in Neumarkt werden langsam auch für Normalverdiener zur Herausforderung. Was könnte die Stadt dagegen tun?
Über das Problem herrscht Einigkeit – nicht aber über die Rolle der Stadt. Die CSU verweist auf strukturelle Maßnahmen: Die städtische Wohnbau GmbH solle den Bestand effizient verwalten und neue Gebäude schneller nutzbar machen.
Deutlich offensiver formuliert die UPW ihre Erwartungen. Rita Großhauser fordert gezielte Förderung und schnelle Umsetzung: „Die Stadt muss aktiv gegensteuern, indem sie bezahlbaren und sozialen Wohnraum gezielt fördert“ und dort Verantwortung übernimmt, „wo der Markt allein keine Lösungen bietet“. Sie findet: „Wohnen darf kein Luxus werden.“
Auch die Grünen finden, die Stadt müsse „deutlich aktiver werden“, eigene Flächen für sozialen Wohnungsbau ausschreiben und selbst stärker als Bauherr auftreten. Zusätzlich solle ein kommunales Quartiersmanagement soziale Durchmischung sichern. Günther Stagat (SPD) setzt auf mehr Neubau, flankiert von Bundesprogrammen wie dem Bau-Turbo und einer Wiederbelebung des Baukindergelds. Gleichzeitig warnt er vor volkswirtschaftlichen Folgekosten hoher Mieten, weil Kaufkraft im Handel und in der Gastronomie verloren gehe.
Einen grundlegend anderen Akzent setzt die FDP. Sie betont die rechtlichen Grenzen kommunaler Eingriffe. Listenführerin Ira Hörndler erklärt: „Die Miethöhe im freifinanzierten Wohnungsbau kann die Stadt nicht regulieren.“ Die Vorstellung, die Stadt könne günstiger bauen und vermieten als Private, bezeichnet sie als naiv. Stattdessen fordert sie, leerstehende städtische Immobilien endlich dem Markt zuzuführen.
Die Linke geht deutlich weiter. Für Normalverdiener sei Wohnen in Neumarkt „längst zur akuten Belastung geworden“. Um dagegen vorzugehen, fordert Listenführer Marco Winkler eine Zweckentfremdungssatzung, mit der leerstehende Wohnungen systematisch erfasst und bekämpft werden könnten, denn: „Wohnungen dürfen nicht leer stehen oder als reine Anlageobjekte dienen, während Menschen verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum suchen.“
Die ÖDP findet bei der begrenzten Fläche Appelle an Vermieter nicht ausreichend. Vielmehr müsse die Stadt eingreifen, wo sie Einfluss nehmen kann, etwa über „sozial gestaffelte Kontingente an Mietwohnungen“. Gleichzeitig setzt sie auf bessere ÖPNV-Anbindung an die Umlandgemeinden, um Druck vom Neumarkter Wohnungsmarkt zu nehmen.
■ Wie könnte, abgesehen vom BayernHeim-Projekt, mehr sozialer Wohnraum entstehen?
Die CSU setzt auf Anreize für private Eigentümer sowie auf den Bau-Turbo und Einheimischenmodelle, damit mehr sozialer Wohnraum in Neumarkt entsteht und auch weniger begüterte Menschen eine Chance haben, eine eigene Immobilie zu erwerben.
Auch Sebastian Schauer (UPW) erwartet stärkere kommunale Initiativen. Neben städtischen Flächen müssten auch bestehende Wohnungen saniert und barrierefrei weiterentwickelt werden. Er kann sich vorstellen, zusammen mit Bauträgern innovative Wohnformen zu entwickeln. Die Grünen nennen ein breites Instrumentarium: Sozialquoten bei Neubauten, Erbbaurecht, Umnutzung bestehender Gebäude, die Aktivierung von Leerständen und alternative Wohnformen wie Mehrgenerationen-Wohnen oder Tiny Houses.
Die SPD fordert eine aktivere Rolle der Stadt: selbst bauen und Bauträger zu einem Anteil an bezahlbarem Wohnraum an Projekten verpflichten. Auch über Supermärkten könne man eine Wohnetage schaffen.
Die FDP verweist auf die aus ihrer Sicht gut funktionierende Wohnraumförderung des Freistaats, warnt aber vor zusätzlichen kommunalen Programmen, die weiteren Zuzug aus teureren Regionen anziehen könnten.
Die Linke fordert, dass die Stadt selbst Sozialwohnungen baut und Bestandsgebäude kauft, um diese sozial zu vermieten. „Kommunaler Wohnungsbau ist kein Auslaufmodell, sondern eines der wirksamsten Instrumente gegen steigende Mieten“, findet Marco Winkler. Auch er fordert eine verbindliche Sozialwohnraumquote.
Die ÖDP benennt konkrete Standorte für sozialen Wohnungsbau – darunter das Stettner-Areal, die alte Feuerwache und das Flugfeld. Zudem solle die Stadt gezielt soziale Bauträger ansprechen.
■ Alte Feuerwache, das große Fabrikgebäude in der Eggenstraße, Stettner-Areal: Was soll aus Neumarkts großen Leerständen bzw. besser nutzbaren Gebäuden in bester Lage werden?
Die CSU plädiert bei der alten Feuerwache weiterhin für Abriss und Neubau. UPW und Grüne sehen große Chancen in einer Mischnutzung aus Wohnen, Arbeiten, Kultur und Begegnung. Die Grünen wünschen sich eine „Kulturwache“. Auch andere Gebäude müssten aktiv entwickelt werden, „notfalls mit der Stadt als treibender Kraft“.
Die SPD bringt Wohnraum, ein Ärztehaus oder ein Mehrgenerationenhaus für die Alte Feuerwache ins Spiel. Die FDP warnt vor vorschnellem Abriss und will zunächst Nutzungskonzepte finden. Das Stettner-Areal wäre ein ideales, neues Wohngebiet, ebenso das Gelände an der Eggenstraße und das Städtler-Areal.
Als „große Chance für Neumarkt“ betrachten auch die Linken diese Flächen, sofern man sie als Gemeingut begreife. Sozialer Wohnungsbau, Kultur und Mehrgenerationen-Wohnen solle man hier in den Fokus nehmen. Auch die ÖDP sieht hier Potenzial für Sozialen Wohnungsbau.
Hinweis der Redaktion: Die AfD hat sich zu den Fragen der Redaktion trotz mehrfacher Nachfrage nicht geäußert.