Ostbayerischer Faschingszug: So lief die große Party in Schwandorf ab

Ganz Schwandorf im Faschingsfieber: 17.000 Menschen feierten am Sonntag gemeinsam beim Ostbayerischen Faschingszug. Eine Reportage zur Mega-Sause.
Die Uhr schlägt gerade 12, als die ersten Teilnehmer ihre Position einnehmen. An der Beer-Kreuzung machen sich die Faschingsgesellschaft (FG) Nabburg und die FG Lindania Schwandorf bereit. In gut einer Stunde werden sie den Ostbayerischen Faschingszug, der heuer in Schwandorf Station macht, als Veranstalter anführen. Die Stimmung ist bestens. „Wir freuen uns riesig und nun kommt auch die Sonne raus“, sagt Lindania-Prinzessin Alex. I. und stößt mit einem Klopfer an. Wenige Meter weiter trommelt sich die Percussion-Gruppe Sarara aus Regensburg warm.

Alles ist angerichtet für die Großveranstaltung, der eine lange Planung vorausging. Bereits im Mai vergangenen Jahres wurde bekannt, dass der Ostbayerische Faschingszug nach 13 Jahren wieder in Schwandorf stattfindet. Die FG Nabburg hatte sich federführend als Organisatorin bereiterklärt und sich mit der FG Lindania als Lokalmatadorin Unterstützung mit ins Boot geholt. Für die beiden Veranstalter bedeutete das natürlich jede Menge Aufwand. Vieles musste organisiert werden: von der Sponsorensuche über die Verpflegung bis hin zum Sicherheitskonzept.
Gruppen aus allen Ecken der Oberpfalz und sogar aus Niederbayern
Am Sonntag können es alle kaum erwarten, die Früchte der harten Arbeit zu ernten. Die Aufstellung schreitet fort, der Gaudiwurm wird von Minute zu Minute länger. Gruppen aus allen Ecken der Oberpfalz und sogar aus Niederbayern haben ihren Weg nach Schwandorf gefunden. Der Tross reicht von der Beer-Kreuzung bis zur Esso-Tankstelle. Und weil nicht alle Teilnehmer hintereinander passen, müssen einige von ihnen mit ihren Wagen auf die Amberger- und die Krondorfer Straße ausweichen.
Aus den Boxen der liebevoll gestalteten Wagen dröhnt laute Musik. Mittendrin, an Platz vier, steht die inklusive Basketball-Gruppe der Schwandorf Tigers – standesgemäß im Basketball-Outfit. Einige Mitglieder tragen die vereinseigenen Trikots, andere sind als Basketball verkleidet. Und auch Maskottchen Sammy, ein Tiger, ist mit dabei. „Wir wollen zeigen, dass auch Menschen mit Handicap mitmachen können“, sagt eine Betreuerin auf Nachfrage der MZ. Man wolle „einfach Spaß haben“.

Dieses Motto haben sich an diesem Sonntag offenbar viele auf die Fahnen geschrieben. Egal wo man hin sieht, es herrscht ausgelassene Stimmung. Footballer feiern mit Astronauten, eine Delegation aus Hogwarts, dem Internat von Harry Potter, prostet Dalmatinern zu. Generell zeigen die 66 Gruppen, die am Faschingszug teilnehmen, bei ihren Wagen und Kostümen viel Fantasie.
Das trifft auch auf Pfarrer Markus Meier und seine Ministranten der Pfarreiengemeinschaft Klardorf-Wiefelsdorf zu. Sie stehen an Platz 26 und haben sich den Videospiel-Klassiker Super Mario zum Vorbild genommen. Mehr als 70 kleine und große Marios, Luigis und auch Prinzessin Peach stehen auf und vor dem Wagen. Dieser wurde von den Minis selbst bemalt und mit Luftballons behangen. „Wir haben jedes Jahr ein neues Motto“, erklärt Pfarrer Meier. In den vergangenen Jahren sei man schon als Schlümpfe, Biene Maja oder 101 Dalmatiner unterwegs gewesen – nun eben als Super Mario. „Wir freuen uns, wenn es gleich los geht“, sagt der Geistliche.

Ähnlich gut ist die Stimmung ein paar Meter weiter. An Position 30 macht sich die karnevalistische Tanzsportgruppe Schwandoria Schwarz-Gelb bereit. „Bee me up, Schwandoria“, lautet ihr Motto an diesem Tag. Etwa 60 Bienen, Außerirdische und Astronauten geben sich die Klinke in die Hand. „Wir wollen einfach Spaß haben und Leute kennenlernen“, sagt Präsidentin Daniela Wopperer. Während sich die Mitglieder noch für ein kurzes Gruppenfoto aufstellen, setzt sich die Spitze des Faschingszuges in Bewegung – jedoch mit einer Minute Verspätung. Es ist 13.14 Uhr.

Vom Marktplatz geht es auf der 3,2 Kilometer langen Strecke über die Friedrich-Ebert-Straße, die Wackersdorfer Straße, die Hoher-Bogen-Straße und die Schwimmbadstraße bis zur Oberpfalzhalle. Auf dem Weg sind immer wieder kleine Verpflegungsstationen aufgebaut, die von örtlichen Vereinen und Unternehmen betrieben werden. Und so schlängelt sich der Gaudiwurm recht gemächlich durch die Straßen Schwandorfs. Während die ersten nach etwa eineinhalb Stunden ankommen, stehen einige Gruppen noch in den Startlöchern.
Geklaute Ortsschilder gaben Vorlage für den Burschenverein Büchelkühn
Viel Geduld braucht an diesem Tag zum Beispiel der Burschenverein aus Büchelkühn. An Position 55 gesetzt, müssen die etwa 40 Mitglieder lange auf den Abmarsch warten. Der Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Als Häftlinge und Polizisten verkleidet feiern sie derweil am Ende der Krondorfer Straße. Auch mehrere Gefängnisseelsorger mischen sich unters Partyvolk der „JVA Büchelkühn“.

Das Motto kommt nicht von irgendwo her. Denn im Schwandorfer Ortsteil wurden in den vergangenen Monaten immer wieder die Ortsschilder geklaut. Wahrscheinlich deshalb, weil Schlager-Rapper Tream, der aus Büchelkühn stammt, einen riesen Hype um das Dorf ausgelöst hat. „So entstand die Idee für den Wagen und die Outfits“, erklärt Vereinsvorsitzender David Schindler.
Hier können Sie den Ostbayerischen Faschingszug noch einmal im Liveticker nachlesen.
Gegen 15 Uhr ist es dann endlich auch für die Büchelkühner Burschen so weit. Zusammen mit den letzten elf verbliebenen Teilnehmern machen sie sich auf den Weg Richtung Oberpfalzhalle. Um etwa 16.30 Uhr, und damit rund eine Stunde später als eigentlich geplant, kommt auch die letzte Gruppe am Ziel an. Und während drinnen und draußen weiter gefeiert wird, sorgen die fleißigen Helfer des Bauhofs dafür, dass am Montag nichts mehr an den Ostbayerischen Faschingszug in Schwandorf erinnert.