Neumarkter will für die Grünen Bürgermeister in Berlin werden

Werner Graf ist vieles, woran sich die CSU und allen voran Markus Söder gerne abarbeiten. Graf ist ein Grüner. Noch dazu einer aus Berlin. Er ist sogar der Spitzenkandidat für die Wahl des Regierenden Bürgermeisters im Herbst. Dabei kam Graf 1980 in Neumarkt zur Welt, das in der politischen Farbskala traditionell eher zu Schwarz tendiert. Noch dazu in einer Familie, die CSU-Stadträte hervorgebracht hat. Auf eines dürfte sich aber selbst Söder mit Graf einigen können.
„Mein Opa war immer der Ansicht, dass sich das mit den Grünen bei mir schon noch auswächst“, sagt der 45-Jährige über seinen Großvater Wastl Graf, der einst für die CSU im Stadtrat saß. Onkel Richard Graf tut dies nach wie vor. 2017 war er sogar Bürgermeisterkandidat der CSU in Neumarkt. „Ich hatte viele tolle Gespräche mit meinem Opa“, sagt Werner Graf. „Von ihm habe ich politisches Engagement gelernt.“ Warum aber engagierte er sich dann in der aus Sicht des Großvaters falschen Partei?
Es passt zu seinem Lebensweg (Graf: „Sicher nicht 0815.“), dass er sich ausgerechnet in der katholischen Kirche auf den Weg zu den Grünen machte. In der Pfarrgemeinde sei er politisiert worden, sagt Graf. Vor allem hat das mit dem ehemaligen Pöllinger Pfarrers Michael Kneißl zu tun. „Das war ein großartiger Pfarrer, der viel gemacht und mich begeistert hat“, sagt der 45-Jährige im Rückblick. Der Einsatz für einen Eine-Welt-Laden (Schatzkammer) sei die erste politische Aktion gewesen, sagt Graf. Die Fragen der globalen Gerechtigkeit und des Klimaschutzes hätten ihn zum Bund Naturschutz, Amnesty International und schließlich zu den Grünen gebracht.
Neumarkter war einst Referent bei Grünen-Legende Claudia Roth
1997 trat er in die Partei ein, ein Jahr später begründete er die Grüne Jugend in Bayern mit. Er sammelte weitere politische Erfahrung als Sprecher der Jugendorganisation auf Bundesebene, gründete ein Magazin namens Hanf Journal und war Referent des Aushängeschilds der Grünen, Claudia Roth.
Über Bremen und kurze Auslandstationen führte der Lebensweg den studierten Politikmanagers in das Herz der deutschen Politik: Berlin. Dort schritt die politische Karriere voran. Graf war von 2016 bis 2021 Landesvorsitzender der Grünen. Seit 2021 sitzt er im Abgeordnetenhaus und ist inzwischen Fraktionschef. Nun tritt er als Spitzenkandidat der Grünen bei der Wahl des Abgeordnetenhauses an und hofft darauf, möglicherweise sogar Regierender Bürgermeister zu werden.
Berlin ist in den vergangenen Jahren ganz schön teuer geworden.Werner Graf
Wie die Chancen dafür bei der Wahl am 20. September sind? „Es wird kein Selbstläufer, aber eine Chance ist da“, sagt Graf. Er sieht ein Kopf-an-Kopf-Rennen unter gleich mehreren Parteien. Die jüngste Sonntagsfrage Mitte Januar ordnete die Grünen mit 16 Prozent an vierter Stelle ein. Hinter CDU (22 Prozent), Linke (18) und AfD (17) sowie knapp vor der SPD (14 Prozent).
Im weiteren Wahlkampf will Graf mit seinen Themen Boden gut machen. „Berlin ist in den vergangenen Jahren ganz schön teuer geworden“, sagt der Grünen-Politiker. Allen voran bezahlbares Wohnen ist daher für ihn ein zentrales Thema. Eine Politik, die die Aggression auf den Straßen in den Griff bekommt, den Klimaschutz nicht vergisst und die von rechts wie links gefährdete Demokratie stärkt, nennt Graf als weitere Schwerpunkte.
Neumarkt ist für Werner Graf „heile Welt“
Es geht nicht zuletzt um die Freiheit und Vielfalt, deretwegen Graf über Berlin sagt: „Ich habe mich in die Stadt verliebt.“Die 3,7 Millionen Einwohner große Stadt sei der krasse Kontrast zu Neumarkt mit seinen 40.000 Menschen. Einen Kontrast, den er bei Besuchen in der alten Heimat genieße. Aber, wenn er ehrlich sei, „liebe ich es, in einer großen Stadt zu leben“, sagt Graf.
Neumarkt, das ist für ihn „heile Welt“, wunderschöne Natur und „es ist so wahnsinnig sauber“. Vor allem aber verbinden ihn mit seiner Geburtsstadt die Familie, alte Freunde und das Essen. Denn bei einem kann Berlin nicht mit Neumarkt konkurrieren: Wenn es um die weltbesten Sauerbraten und Schweinebraten geht. Die macht Werner Grafs Mutter. Sagt Werner Graf.
Was uns wieder zu Markus Söder führt: Auf Sauerbraten oder Schweinebraten könnte sich wohl selbst der mit einem Grünen wie Graf einigen.