Stefan Haas (Grüne) will Landrat werden: Was macht den Fußball-Fan als Politiker aus?

Von Wolfgang Endlein · 19. Januar 2026 um 15:00

In der Kreisliga hat Stefan Haas gekickt, nun will er in der politisch höchsten Liga im Landkreis das Spiel vorantreiben: als Landrat. Der Grüne aus Berg kandidiert bei der Wahl im März für das Amt. Für den 42-Jährigen steht fest: Dem Landkreis geht es gut, aber er wird sich verändern müssen, damit es so bleibt. Für diese Haltung sind Haas’ berufliche Erfahrungen und private Überzeugungen entscheidend.

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Die größte Veränderung, an die wir uns alle anpassen müssen, war für Haas der Grund schlechthin, sich zum einen politisch zu engagieren und zum anderen bei den Grünen: der Klimawandel. Nicht zuletzt wegen seiner zwei Kinder und deren Zukunft.

Nach der Entscheidung für die Grünen ging es schneller in ein politisches Mandat, als es Haas erwartet hätte. 2020 wählten ihn die Berger als ersten Grünen in den Gemeinderat. Seither hat sich das politische Engagement verfestigt als Kreissprecher der Grünen und Kreisrat. Die Kandidatur für den Landrat ist ein logischer Schritt in dieser Entwicklung.

Warum Stefan Haas in Berg in die Politik ging

Im Gemeinderat habe er politisch Blut geleckt, sagt Haas. „Weil man in den Kommunalparlamenten merkt, dass man auch als Einzelner viel bewegen kann.“ Als Landrat hätte er noch mehr Möglichkeiten.

Dass der Chef des Landratsamts aber ein Rädchen in einem größeren Mechanismus ist, gesteht Haas zu. Gerade die an die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinden gekoppelten Einnahmen des Landkreises kann der Landrat nur bedingt beeinflussen. Wirtschaftlicher Erfolg hat viele Väter und Mütter. Dass es ihn aber dringend braucht, betont der Grünen-Politiker: „Nur mit einer starken Wirtschaft können wir das leisten, was der Landkreis als Ganzes jetzt leistet.“

In diese Aussage stecken zwei Elemente mit Blick auf die kommenden Jahre: die Herausforderungen im Landkreis und seine Stärke. „Uns geht es sehr gut“, sagt Haas und summiert darunter den Wohlstand, die schöne Natur und das funktionierende Gemeinwesen. Aber: „Die goldenen Jahre sind vorbei.“ Der Landkreis werde in Zukunft sparen müssen – und trotzdem einige Herausforderungen angehen müssen.

Zur Person: Stefan Haas

• Herkunft: Stefan Haas ist 42 Jahre alt. Er stammt aus einem Nebenerwerbsbauernhof in Unterrieden, einem Ortsteil der fränkischen Stadt Altdorf. Inzwischen lebt Haas seit Jahren mit seiner Familie im Berger Ortsteil Unterwall, aus dem seine Frau stammt. Er hat zwei Kinder im Alter von zehn und acht Jahren.

• Beruf: Haas hat in Nürnberg Informatik studiert und arbeitet für ein Nürnberger Software-Unternehmen. Dort beschäftigt er sich insbesondere mit dem Thema KI.

• Hobby: Haas ist langjähriger Fan des 1. FC Nürnberg und selbst aktiver Fußballer. Bis zur Kreisliga hoch war Haas selbst am Ball aktiv. Zunächst kickte er beim SV Rasch, dann beim DJK-SV Berg, in dessen AH-Mannschaft er nach wie vor spielt.

• Politik: Der 42-Jährige ist Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen und schaffte 2020 als erster seiner Partei den Sprung in den Berger Gemeinderat. Er sitzt zudem im Kreistag in Neumarkt. Im Kreisverband der Grünen ist er einer von zwei Sprechern.

Den Klimawandel allen voran, den Haas als Querschnittsaufgabe ansieht, die sich durch alle Aufgabenfelder vom Verkehr übers Bauen bis hin zur Wirtschaftsförderung zieht. Der Arbeitskräftemangel und die alternde Gesellschaft sind weitere Herausforderungen, die der 42-Jährige benennt.

Im Umgang mit diesen kann der Landkreis nach Ansicht von Haas auf eine Stärke bauen: Der zwischenmenschliche Zusammenhalt beispielsweise in Vereinen und dem Ehrenamt sei in den vielen kleinen Orten nach wie vor besonders stark ausgeprägt, sagt Haas. Er selbst erlebt und lebt das unter anderem im Fußballverein.

Das ist für Stefan Haas eine Schwäche im Landkreis Neumarkt

Vor dem Hintergrund der Herausforderungen und dem Umgang damit hat Haas aber auch eine Schwäche im Landkreis ausgemacht. „Wenn man hier mal eingefahren ist, dann ist man eingefahren“, sagt der Grüne. Man müsse künftig stärker ums Eck denken und nicht nach Schema F verfahren, wie man es schon seit 30, 40 Jahren mache. Haas plädiert beispielsweise für mehr Zusammenarbeit unter den Kommunen und weniger Konkurrenz etwa bei Gewerbegebieten.

Sich verändern zu müssen und ein dazu passendes Denken zu kultivieren, kennt Haas aus dem Beruf. Er ist Informatiker. Die KI bestimmt inzwischen sein Berufsleben mehr und mehr. Bei einem Nürnberger IT-Unternehmen entwickelt er unter anderem KI-Anwendungen für Kunden. Das Landratsamt bietet sich seiner Meinung nach auch dringend für solche Lösungen an.

Die Digitalisierung ist für Haas ein Beispiel dafür, dass in den Herausforderungen Chancen stecken. Mit einer gelungenen Digitalisierung könne die Verwaltung effizienter werden und zugänglicher für die Bürger. Auch sich an den Klimawandel anpassen zu müssen, birgt seiner Ansicht nach Chancen. Beispielsweise, wenn die Energie vor Ort gewonnen wird und damit die Wertschöpfung in der Region bleibt. So könne die Anpassung an den Klimawandel wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben.

Seine persönliche Entwicklung will Haas an der Spitze des Landratsamts fortsetzen. Die Chancen dafür schätzt er realistisch ein, aber „ich bin Sportler“. Heißt: Dabei sein allein reicht Haas nicht. Er will sein Bestes geben und schauen, wozu das bei der Wahl reicht.