Zugbegleiter getötet: Ermittler werten Videos aus – Vater des Toten erlitt Herzinfarkt

Von Passauer Neue Presse · 5. Februar 2026 um 07:28

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter bei einer Ticketkontrolle in Rheinland-Pfalz gehen die Ermittler den offenen Fragen nach und werten Videoaufzeichnungen aus. Der Vater des Getöteten soll laut „Bild“ einen Herzinfarkt erlitten haben. Das Motiv des Tatverdächtigen ist weiter unklar. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert indes eine fehlende Aufstockung der Bundespolizei im Bahnbereich und fordert 14 Hundertschaften mehr.

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Ein 36 Jahre alter Bahnmitarbeiter hatte in einem fahrenden Regionalexpress nahe Kaiserslautern einen allein reisenden Mann kontrolliert, der kein gültiges Ticket hatte. Nach Angaben der Polizei forderte der Zugbegleiter den 26 Jahre alten Fahrgast deshalb zum Verlassen des Zuges beim nächsten Halt in Homburg auf. Den bisherigen Ermittlungen zufolge schlug der Mann daraufhin den Zugbegleiter zufolge unvermittelt und mehrmals heftig mit den Fäusten.

Täter polizeilich bislang unauffällig

Zugbegleiter Serkan C. verlor das Bewusstsein, musste reanimiert werden und starb eineinhalb Tage später in einer Klinik in Homburg. Todesursache war laut Obduktionsergebnis eine Hirnblutung als Folge von stumpfer Gewalt gegen den Kopf. Ein Messer oder andere Gegenstände seien bei der Tat nicht verwendet worden. Die „Bild“ berichtet zudem, dass der Vater des Getöteten einen Herzinfarkt erlitten haben soll, als ihm die traurige Nachricht übermittelt wurde.

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Der mutmaßliche Täter, ein Grieche, der nach eigenen Angaben seinen Wohnsitz in Luxemburg hat, wurde kurz nach der Tat in Homburg festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er der Polizei in Deutschland zuvor nicht aufgefallen, er habe keine Vorstrafen.

Die Tat löste deutschlandweit Entsetzen aus. Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, forderte einen besseren Schutz für Zugbegleiter. Sie sollten in Regionalzügen immer zu zweit unterwegs sein und nicht allein. Außerdem sollten Bahnmitarbeiter durchgehend Bodycams tragen. Das sind kleine Kameras, die am Körper angebracht werden und aufzeichnen können.

Acht Übergriffe pro Tag auf Bahnmitarbeiter

Die Deutsche Bahn teilte mit, dass es im Jahr 2025 rein rechnerisch pro Tag acht verbale oder auch körperliche Übergriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens gegeben hat. „Die Hälfte der Angriffe betrifft das Zugpersonal im Regionalverkehr. Auf Sicherheitskräfte entfällt gut ein Drittel“, sagte ein Bahnsprecher. „Auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte am Bahnhof werden Opfer von Angriffen.“ Es gebe eigens eine App, um solche Taten zu melden.

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Ein Polizist schaltet die Bodycam auf seiner Uniform ein. - Foto: Monika Skolimowska/dpa

Mehr und mehr Mitarbeitende würden daher mit Bodycams ausgerüstet, sofern diese das wünschten. Die Erfahrungen damit seien positiv. „Sie können Konflikt deeskalieren, wenn ein Angreifer sich auf dem Bildschirm sieht.“ Auch Trainings zur Deeskalation gehörten beispielsweise zur regelmäßigen Fortbildung der etwa 20.000 Bahnmitarbeiter mit Kundenkontakt. „Aber bei einer derart hemmungslosen Gewalt, wie wir sie jetzt erlebt haben, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz“, sagte der Bahnsprecher.

Kriminologe Kulhanek: „Völlig unübliche Eskalation“

Diese Einschätzung teilt auch der Kriminologe Tobias Kulhanek von der Leibniz Universität Hannover. Solche Taten seien auch mit mehr Sicherheitsmaßnahmen nicht zu verhindern. „Wie sollten die auch aussehen?“, fragte er. Es könne schlicht nicht in jedem Zugwaggon in Deutschland noch ein Sicherheitsbediensteter sein. Wenn etwa Gewerkschaften nun mehr Sicherheit für Beschäftigte fordern, könne er das nachvollziehen. „Es würde diese Tat aber nicht verhindern, diese Ehrlichkeit gehört auch in die Debatte.“

Eine solche Tat komme selten vor, sie sei von außen betrachtet nicht nachvollziehbar. „Das, was wir hier haben, ist eine völlig unübliche Eskalation einer Fahrkartenkontrolle“, sagte Kulhanek der Deutschen Presse-Agentur.

Polizeigewerkschaft fordert 14 Hundertschaften zusätzlich

„Die Bundespolizei ist rechtlich im Bahnpolizeibereich zuständig, wartet aber seit Monaten auf Verstärkung“, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Jochen Kopelke den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstagsausgaben). „Die Bundespolizei ist in Grenzkontrollen und anderen Aufgaben stark gebunden und die Landespolizeibehörden können ebenfalls kaum unterstützen und aushelfen.“

Kopelke forderte sowohl Bund als auch Länder auf, ihre Polizeikontingente aufzustocken. „Mit Blick auf die Sorgen bei Bahnpersonal, Reisenden und Polizei muss die Bundesregierung gemeinsam mit Innenministerkonferenz und Verkehrsministerkonferenz umgehend sofort Maßnahmen beraten und beschließen“, sagte er den Funke-Medien. Der GdP-Chef forderte dabei ein „Sofortprogramm für alle Polizeibehörden“ mit zusätzlich „14 Hundertschaften in der Bereitschaftspolizei der Länder und des Bundes“, um „effektiv, schlagkräftig und flexibel überall in der Bundesrepublik mehr Sicherheit“ zu gewähren.