„Bayern-Virus“ packt Chefarzt: Dr. Richard Wojdat leitet seit November die Gynäkologie in Cham

Von Marius Göhl · 5. Februar 2026 um 05:00

Er kommt mit großen Zielen: Dr. Richard Wojdat ist seit Anfang November Chefarzt der Gynäkologie an den Sana-Kliniken in Cham. Der 60-Jährige will Cham in Sachen gynäkologische Basisversorgung stärken und seine Expertise sowie Effizienz am Standort etablieren. Denn Wojdat hat nicht nur als Arzt Erfahrung.

Weite Wege zum Spezialisten, ständige Terminknappheit und überfüllte Wartezimmer: das ist die häufige Realität für Frauen aus der Region. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da. Dieses Angebot wurde leider viele Jahre nicht gesehen und nicht angegangen. Dadurch ist natürlich viel Arbeit und Infrastrukturaufbau notwendig“, sagt der neue Chefarzt der Gynäkologie.

Dr. Thomas Koch, Geschäftsführer der Sana Kliniken Cham, zeigt sich erfreut über das neue Gesicht in seiner Klinik. „Damit die Geburtenzahlen auf einem guten Niveau sind, brauche ich eine gewisse Anzahl an Ärzten. Damit ich junge Ärzte bekomme, brauche ich auch Leuchttürme – Chefärzte, die so attraktiv sind, dass junge Leute ihre Ausbildung hier machen wollen.“

Exzellente Basisversorgung ist das Ziel

Wojdat möchte eine exzellente Basisversorgung schaffen. Darüber hinaus will er ein Spezialangebot, das über den Versorgungsauftrag eines Grundversorgungs-Krankenhauses hinausgeht – unter anderem Dysplasie-Sprechstunden.

Generell müsse man zwischen Gynäkologie und der Geburtshilfe unterscheiden. „Das sind unterschiedliche Fachgebiete. Die Geburtshilfe ist hier schon erfolgreich, präsent und besetzt. Meine Aufgabe ist nicht, die Geburtshilfe umzukrempeln, sondern eine gynäkologische Versorgung der Patientinnen sicherzustellen“, sagt Wojdat. Es gehe vor allem um Effizienz in der Arbeit, Kommunikation im Netzwerk in der Region und patientenorientiertes statt standardorientiertes Handeln. Wojdat und die Klinikleitung haben das große Ganze im Sinn. Es solle mehr operiert werden. „Die Klinik hat sich jetzt einen Operateur ins Haus geholt, dann muss er natürlich auch die entsprechende Infrastruktur dazu bekommen“, sagt der Gynäkologe.

So steht auf Wojdats Wunschliste auch eine zügige Einführung von modernen OP-Techniken. Lasertherapie, schnittfreie Myombehandlungen oder die Teilrobotisierung von Operationen sollen künftig der Standard sein. „Die Robotisierung wollen wir beispielsweise bei der Visualisierung anwenden. Wenn ein Arzt eine Kamera hält, dann sieht man mit der heutigen Auflösung ganz leicht das Zittern. Wenn man sowas einem Roboter übergibt, dann hat man absolute Stille“, sagt Wojdat. Dadurch würde sich beispielsweise auch die Personalaufteilung während einer Operation verändern.

Der Assistent werde vom Assistenten zum Zweitoperateur, da er durch den Roboter nicht mehr die Kamera halten müsse und so eine weitere Hand frei habe. „Wenn er zwei Instrumente hat, kann er auch aktiv eingreifen. Das heißt, die Lernkurve ist auch größer“, sagt Wojdat, der sich dadurch auch eine höhere Chance auf Nachwuchsärzte erhofft. Wünschenswert wäre laut ihm, irgendwann einmal vier Oberärzte in der Abteilung zu haben. Derzeit arbeite er mit einem „tollen Team“, bestehend aus vier Assistentinnen und einer Oberärztin.

Zuvor jahrelang in Nordrhein-Westfalen tätig

Ursprünglich kommt Wojdat aus Polen. In den 70er-Jahren zieht er nach Nordrhein-Westfalen. Seine Ausbildung beginnt er in Berchtesgaden und in Prien am Chiemsee.

Über Jahre war er an einer Klinik in Herford (Nordrhein-Westfalen) tätig. Dort hat er unter anderem das Dysplasie-Zentrum geleitet. Er ist ausgewiesener Spezialist in den Bereichen Operative Gynäkologie, Endometriose, Dysplasie, Gebärmuttergesundheit, Myome, hybride- und robotische Operationstechniken sowie der gynäkologischen Onkologie.

Irgendwann habe Wojdat eine neue Herausforderung gebraucht. Er widmete sich der Betriebswirtschaft und arbeitete daran, unterschiedliche Kliniken wiederaufzubauen. Doch dann habe er das Arzt sein vermisst. Nach einer Hospitanz habe ihn das „Bayern-Virus“ gepackt. Nun kann er beide Tätigkeiten im Bayerwald vereinen. Nachdem Abteilungen wie die Neurologie oder die Notaufnahme in den Sana-Kliniken in Cham bereits gezielt verstärkt worden sind, soll Dr. Richard Wojdat die Versorgungslücke in der Gynäkologie beseitigen.