Bürgermeister ohne Bewerbung: In Eschlkam wird der Amtsinhaber zum „inoffiziellen Kandidaten“

In den 13 Kommunen des Altlandkreises Kötzting gibt es nur drei, in denen zwei Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin auf dem Wahlzettel stehen. Auch im Markt Eschlkam (Landkreis Cham) wird sich nur ein Name für den Rathauschef bei der Wahl am 8. März finden, und doch gibt es einen „inoffiziellen“ zweiten Kandidaten – und das ist ausgerechnet der Amtsinhaber.
Es wirkt schon etwas kurios, was sich in den vergangenen Wochen und Monaten in der Marktgemeinde abgespielt hat. Florian Adam war erst vor sechs Jahren ins Amt gewählt worden, weil sein Amtsvorgänger Sepp Kammermeier nicht mehr angetreten war. Noch im Spätsommer hatte Adam angekündigt, zur Wiederwahl bereitzustehen, nur, um wenige Wochen später anzukündigen, dass er nicht mehr zur Verfügung stehe.
Der Amtsvorgänger stellt sich wieder zur Wahl
Daraufhin warf sein Vorgänger als einziger Kandidat seinen Hut für die CSU in den Ring. Das ließ an sich schon aufhorchen. Doch als Adam bei der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates ankündigte, dass er die Wahl annehmen würde, wenn die Mehrheit der Bürger für ihn stimmen sollte, bekam der Ort den vielleicht einzigen „inoffiziellen Kandidaten“ für das Bürgermeisteramt im Landkreis Cham.
Im Gespräch mit der Mittelbayerischen erklärt Florian Adam, wie es dazu gekommen ist. Im Markt stünden aktuell Kandidaten auf sechs Listen zur Wahl. Die meisten davon seien Listen der Ortsteile, und natürlich die der CSU, auf der Sepp Kammermeier wieder antritt. Für seine eigene ortsübergreifende Liste habe sich die Suche nach Kandidaten im Laufe des Jahres so schwierig gestaltet, die Stimmen die gesagt hätten, „der muss weg“ seien in seinen Ohren immer häufiger geworden, so dass er sich schließlich gesagt habe: „Ich muss das ja nicht machen.“ Auch, weil ihm gesagt worden sei, dass die CSU sicher einen Kandidaten ins Rennen schicken würde, habe er sich schließlich entschieden, nicht mehr zu kandidieren und die Liste ruhen zu lassen. Doch daraufhin hätten sich die Stimmen gemehrt, die in etwa so etwas gesagt hätten wie „Du, wenn ich Deinen Namen auf den Wahlzettel schreibe und Du wirst es, dann musst auch weitermachen.“
Gut einen Monat vor der Wahl hat der Amtsinhaber ohne Kandidatur und ohne Liste darum öffentlich gemacht, dass er die Wahl annehmen würde, sollte die Mehrheit der rund 2700 Wahlberechtigten für ihn stimmen. Dass er dann Gemeindeoberhaupt ohne einen einzigen Parteikollegen im Marktrat wäre, störe ihn ebenso wenig wie die Tatsache, dass er die Kandidatur eigentlich schon abgelehnt hatte: „Beides sehe ich auch als Chance für die Demokratie und als gutes Signal für die Bürger, dass eben nicht alles immer schon vor der Wahl abgekartet ist“, sagt er.
„Wie kommt man dazu, von einem Ast zum andern zu hüpfen?“, fragt sich der weiterhin einzige offiziell zur Wahl stehende Kandidat Sepp Kammermeier. „Wenn ich was sage, dann muss das auch gelten“, das sei Grundvoraussetzung in der Kommunikation allgemein und in der Politik im Speziellen. Das Vorgehen Adams sei für ihn nicht nur „politischer, sondern auch Unverstand in der Kommunikation.“
Sepp Kammermeier kündigt engagierten Wahlkampf an
Wie die Wahl ausgehen werde, das sei natürlich offen. Doch auch er sei mit Bekanntgabe seiner Kandidatur von vielen Bürgern angesprochen worden, deren Stimme ihm sicher sei. Das liege auch daran, dass Adams Vorgehen in den vergangenen Jahren auch auf Ablehnung gestoßen sei, sagt Kammermeier.
Damit zeichnet sich ein engagierter Wahlkampf ab. Sechs Wahlversammlungen hat Kammermeier schon gehalten, drei stehen noch aus. „Ich wollte Florian Adam eigentlich schonen, aber jetzt ist klar, dass ich rein sachlich etwas ändern muss“, sagt Sepp Kammermeier. „Ich will, dass es wieder läuft in der Gemeinde.“
Florian Adam plant keine eigenen Wahlversammlungen, wird aber die besuchen, zu denen er eingeladen ist. Er vertraut drauf, „dass man ja auch die Leistung der vergangenen sechs Jahre zur Wahl stellen kann“, sagt er.