Debatten unter „Männerfreunden“ in Lappersdorf

Einen absoluten Sieger gab es nicht, einen Verlierer aber auch nicht. So könnte das Fazit aus der Vorstellung der Spitzenkandidaten für die Kommunalwahlen im Markt Lappersdorf (Landkreis Regensburg) ausfallen. Das Interesse an der von der Lebenshilfe organisierten Infoveranstaltung war auf jeden Fall groß.
Weit über 300 Besucher waren dazu ins Aurelium gekommen. Und da gibt es dann doch einen Gewinner: David Löw, Mitarbeiter der Offenen Behindertenarbeit in der Lebenshilfe, moderierte in souveräner Manier die Veranstaltung, die mit der Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden der Lebenshilfe, Fritz Weinbeck, begann. „Wir haben in unserer Organisation auch die Aufgabe, unseren Betreuten politische Bildung nahe zu bringen“, erklärte er die im Vorfeld oft gestellte Frage, warum dieser Infoabend von der Lebenshilfe veranstaltet wird.
Sechs Kandidaten auf dem Podium
Am Podium Platz genommen hatten nicht nur die vier Bürgermeisterkandidaten aus dem Markt Lappersdorf mit Christian Hammer (SPD), dem amtierenden Bürgermeister Christian Hauner (Freie Wähler), Dr. Franz Rumstadt (CSU) und Janis Wessely (Linke), sondern auch der Spitzenkandidat von der Jungen Liste, Dominik Söldner, sowie Christoph Kreis von den Grünen für die erkrankte Elisabeth Wiesner. Zum Einstieg wurden von Moderator Löw erst einmal die drei Schwerpunkte jeder Liste abgefragt, wobei sich schon erste unterschiedliche Sichtweisen herauskristallisierten.
Bei den anschließend aufgeworfenen Themenkomplexen hatten die Podiumsteilnehmer Gelegenheit, ihre Meinungen unter anderem zu „Soziales, Inklusion, Familie, Ehrenamt“ mit einem hochgehaltenen Smiley beziehungsweise mit einminütiger Zeitvorgabe über Mikrofon kundzutun. Hier waren sich die Spitzenkandidaten noch ziemlich einig, auch bei der Frage, ob die freiwilligen Leistungen für die Vereine angesichts leerer werdender Kassen im Falle eines Wahlsiegs beibehalten werden. Der Zustimmung folgte gleichzeitig die Forderung aller Parteien nach mehr Unterstützung durch den Staat für die Kommunen, insbesondere auch zur Ansiedlung von mehr Gewerbe in Lappersdorf, was allgemein befürwortet wurde.
Ähnlich fielen die Meinungen beim Thema „bezahlbares Wohnen“ aus. Hier kamen Vorschläge wie die Gründung einer kommunalen Wohnbaugesellschaft, Verbesserungen beim Einheimischen-Modell, geförderter Wohnungsbau oder alternative Wohnformen von allen Podiumsteilnehmern. Auch waren sich alle einig, dass hohe Grundstückskosten weiter ein Problem in der „Speckgürtelgemeinde“ Lappersdorf bleiben werden und Investoren schwer zu finden seien. Die Einigkeit ging manchmal so weit, dass Moderator Löw schon von „neuen Männerfreundschaften“ sprach.
Streitthema Inklusion-Kindergarten
Doch es kam auch anders, beispielsweise bei der Frage, ob Neubau oder Sanierung des Inklusions-Kindergartens in Lappersdorf. Da gingen die Meinungen bekanntermaßen schon sehr weit auseinander. Zwar waren sich alle einig, dass eine Entscheidung dafür so schnell wie möglich fallen müsse, doch das Wie und Wo blieb weiter umstritten. Noch hitziger wurde die Debatte bei dem Vorschlag zu erweiterten Rathausöffnungszeiten, wie von Rumstadt und Söldner gefordert. Während Hauner ein klares Nein äußerte, meldeten Linke, SPD und Grüne eine bedarfsorientierte Prüfung über die Notwendigkeit an.
Zum umstrittenen Thema des Abends steigerte sich die Diskussion über die Gestaltung der Ortsdurchfahrt Lappersdorf mit der „unechten Einbahnstraße“. Applaus gab es beispielsweise für die Ankündigung des amtierenden Bürgermeisters Hauner, die unechte Einbahnstraße in der Lappersdorfer Ortsdurchfahrt beizubehalten, genauso wie für das Versprechen von CSU-Kandidat Rumstadt: „An meinem ersten Amtstag wäre diese Anordnung weg.“
Die Besucher durften den Kandidaten Fragen stellen
Während Söldner (Junge Liste) die Ansicht von Rumstadt vertrat und nach Meinung von Kreis (Grüne) das Konzept aus dem Architektenwettbewerb umgesetzt werden sollte, sah Hammer (SPD) in den bisherigen Vorschlägen keine optimale Lösung, und auch für Wessely (Linke) bringt das vorliegende Konzept keine Verkehrsberuhigung.
Abschließend gab Moderator Löw noch das Mikrofon an einige Besucher frei, die Fragen äußern konnten, unter anderem, wie die Spitzenkandidaten die Notwendigkeit für eine Nordspange (Sallerner Regenbrücke) beurteilen. Am Schluss äußerten viele Besucher Zustimmung für das vorgestellte Format, aus dem sie sich wichtige Informationen für ihre Wahlentscheidung holen hätten können.