Die Evangelische Kurkirche steht weiter leer

Seit der ehemalige Neustädter Pfarrer Michael Murrmann-Kahl, der die evangelische Kurseelsorge mitbetreut hat, in Pension gegangen ist, schwebte das Damoklesschwert über der evangelischen Kurkirche in Bad Gögging. Seit einigen Monaten finden dort wie berichtet endgültig keine Gottesdienste mehr statt. Ob es für das Gebäude eine Zukunft gibt, ist mehr denn je unsicher.
Der ehemalige stellvertretende Dekan Uwe Biedermann hatte bereits vor Monaten im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt, oftmals würde man in einem Fall wie dem in Bad Gögging, bei dem ein Gotteshaus für Gottesdienste nicht mehr benötigt wird, an die jeweilige Kommune mit dem Angebot für einen Kauf herantreten. Bürgermeister Thomas Memmel hatte im Sommer erklärt, dass dies für Neustadt a. d. Donau aus finanziellen Gründen nicht infrage komme - und das vor wenigen Tagen im Gespräch noch einmal bekräftigt.
Jedoch könne er sich nach wie vor städtische Veranstaltungen in den Kirchenräumen vorstellen, denn die seien ja von der Gestalt her nicht typisch für ein Gotteshaus. Jemand, der die Verhältnisse in Neustadt gut kennt, sprach vor geraumer Zeit von einer Wohnzimmer-Atmosphäre, die dort herrsche. Ein erster Versuch, die Räume sinnvoll zu nutzen, war aber nicht von Erfolg gekrönt, so dass sie weiterhin leerstehen.
Stadt kümmert sich um die Grünanlage
Wie berichtet wollte die Kommune dort Volkshochschul-Kurse abhalten lassen - hatte dazu sogar schon eine Vereinbarung mit den Gebäude-Eigentümer, dem Dekanat, geschlossen. Die Neustädter hätten die Kirche dafür aber nicht angenommen. „Es haben sich nicht genügend angemeldet“, bedauert der Bürgermeister. Weitere Versuche seitens der Kommune gebe es derzeit nicht, Leben in die Räume zu bekommen. Allerdings habe man schon ein Auge auf das Gelände rund um die Kirche. Memmel berichtet, dass er etwa den Bauhof beauftragt hat, sich um die Grünanlage rund um das Kirchlein zu kümmern, damit das da nicht verwildert.
„Das Dekanat sucht nun nach einem Käufer oder Pächter bzw. Mieter für die Kurkirche“, ist von Dekan Jörg Breu auf Nachfrage zu hören. Das tat man wie berichtet schon im Sommer - bisher ohne Erfolgsmeldung. Memmel weiß, dass es schon Interessenten gegeben habe, letztendlich habe aber keiner zugeschlagen.
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Aufgrund ihrer Lage bietet sich nach Breus Worten eine Nutzung an, die mit den Angeboten in Bad Gögging korrespondiert. „Die Kirche ist aus unserer Sicht mit ihrem Raumprogramm ebenso geeignet, zu einer Tagesstätte umfunktioniert zu werden, wie auch zu einer ärztlichen oder physiotherapeutischen Praxis, einer Kindertagesstätte oder ähnliches.“ Selbst ein Umbau zu einer Wohnimmobilie wäre letztlich denkbar.
Erscheinung der Kurkirche in Bad Gögging soll erhalten bleiben
Wichtig sei dem Dekanat zu diesem Zeitpunkt, die Erscheinung der Kirche in der derzeitigen Form nach Möglichkeit weitgehend zu erhalten. Ein Abriss steht derzeit also nicht zur Debatte. „Wir suchen daher auf verschiedenen Wegen nach Interessenten.“ Eine sehr konkrete Perspektive eines privaten Trägers, der Interesse daran gehabt habe, eine Tagesstätte für Senioren zu errichten und zu betreiben, werde leider derzeit von diesem Träger nicht mehr aktiv verfolgt. „Eine sozialraumorientierte Nutzung des Gebäudes, die dem Gemeinwohl, also den Menschen vor Ort dient, ist das, was wir uns wünschen.“
Breu bezweifelt, dass es seinerzeit überhaupt einen Grund gegeben hat, das Gotteshaus zu errichten: „Die Kurkirche ist ein typisches Produkt des Finanzüberschusses der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts und des damit verbundenen kirchlichen Baubooms.“ Die mit ihrer Errichtung verbundene Erwartungen einer großen gottesdienstlichen Nachfrage hätten sich in seinen Augen nie erfüllt. Er betont, dass sich die evangelische Kirche in Deutschland in den kommenden Jahren von 50 Prozent ihres Immobilienbesitzes trennen wolle. Und für die Krankenhausseelsorge, die es nach seinen Worten weiterhin im Kurort geben soll, sei das Gotteshaus in Bad Gögging nicht notwendig, da es sich dabei im Wesentlichen um aufsuchende Arbeit handle.
Personalien rund um die evangelische Kirche
Seit dem Ausscheiden von Michael Murmann-Kahl aus dem Dienst ist in der evangelischen Pfarrei Abensberg-Neustadt eine Stelle unbesetzt. Die Stelle ist ausgeschrieben. Allerdings muss wie berichtet der oder die Neue kein Pfarrer sein. Gesucht wird eine religionspädagogische Fachkraft, die der mittlerweile geltende Stellenplan vorsieht. Und das könne letztendlich jede Person sein, die Theologie studiert hat. Die Aufteilung der Aufgaben soll erst dann erfolgen, wenn die Stelle besetzt ist. Und man die Qualifikation der neue Kraft kenne.
Mittlerweile ist laut Stellenplan nicht mehr vorgesehen, dass die Kurseelsorge über die Neustädter Pfarrei erfolgt. Inzwischen betreibt laut Dekan Jörg Breu das Dekanat den Standort Bad Gögging über das eigene Team für Krankenhausseelsorge. „Wir werden die Patientinnen und Patienten weiterhin verlässlich seelsorgerlich betreuen und freuen uns, dass wir keine personelle Kürzung vornehmen mussten, sondern die Pfarrstelle zeitnah wieder besetzen konnten.“ Schwerpunkt, so war die Stelle ausgeschrieben, sei die Seelsorge an Rehakliniken am Standort. Der Auftrag schließt die Seelsorge an den Mitarbeitende ausdrücklich mit ein. „Wir sind froh, dass wir mit Pfarrerin Jutta Jarasch eine Krankenhausseelsorgerin gefunden haben, die seit Oktober 2025 diesen Auftrag in vorbildlicher Weise erfüllt.“