Wahl-Wackersdorfer hat App-Hit gelandet: Über eine Million Menschen zocken Island Empire

Mehr als 1,3 Millionen Spieler weltweit, knapp 19.000 Rezensionen und eine Gesamtbewertung von 4,7 von fünf möglichen Sternen im Google Play Store. Die Zahlen, die der Wahl-Wackersdorfer Michael Haberzeth präsentieren kann, sind beeindruckend. Mit Island Empire hat er ein kostenloses Handy-Spiel auf den Markt gebracht, das durch die Decke ging.
Doch wie kam es überhaupt dazu? „Es war ein Projekt neben der Arbeit“, erinnert sich der 38-Jährige im Gespräch mit der MZ. Seine Muße sei das Video-Strategie-Spiel Slay gewesen, das 1995 veröffentlicht wurde. Die Herausforderung: Inseln erobern. „Das fand ich früher super“, sagt Haberzeth, der schon immer ein Fan von Strategiespielen ist. Slay habe aber nie ein modernes Gewand bekommen. Es gebe zwar mittlerweile eine Handy-Version des Klassikers, doch die sei grafisch „einfach nicht so schön“.
Dann hat er schließlich das Heft selbst in die Hand genommen und ein eigenes Spiel programmiert, dass der Vorlage Slay sehr nahe kommt, aber doch noch die ein oder andere Raffinesse beinhaltet – nicht nur in Sachen Grafik, sondern auch vom Spielprinzip her. Als studierter Wirtschaftsinformatiker und Webentwickler beherrscht Michael Haberzeth das Programmieren natürlich. In die Spielentwicklung hat er sich aber erst reinfuchsen müssen. Knapp zweieinhalb Jahre lang hat der Oberpfälzer an seinem Projekt getüftelt, im August 2020 ging Island Empire online.
Age of Empires, Schach und ein Hauch von Super Mario
Dabei handelt es sich um ein Strategiespiel in Pixel-Grafik. Angesiedelt ist es irgendwo zwischen Age of Empires und Schach. Das Menü und auch die Geschichte erinnern dagegen an die legendäre Super-Mario-Reihe. „König Ragur hat unser Königreich angegriffen. Unsere Nation ist in Gefahr und Prinzessin Sironia ist im Schloss gefangen. Kämpfe dich zum Schloss vor und rette sie.“ Dieser Satz ist gleich zum Start des Spiels zu lesen.
40 Level sind in der kostenfreien Version verfügbar. Wer Geld in die Hand nimmt, kann weitere Inseln freischalten. Ziel ist es, in jedem Level die gegnerische Stadt zu zerstören – und so den Gegner immer weiter zurückzudrängen. Der Spieler muss dabei mit seinen Goldmünzen gut haushalten, genau schauen, wo er seine Einheiten platziert und wohin er sie bewegt. Aber auch die eigene Verteidigung darf nicht vergessen werden. „Rundenbasiertes Strategiespiel – einfach zu lernen, schwer zu meistern“, schreibt der Entwickler dazu.



Worte, die nicht passender hätten gewählt werden können. Denn der Selbsttest zeigt: Wer sich auf Island Empire einlässt, kommt zwar schnell hinter das Spielprinzip, doch die Level werden ebenso schnell deutlich anspruchsvoller. Und so benötigt man ordentlich Hirnschmalz, um voranzukommen. „Bis zu einer halben, dreiviertel Stunde kann ein Level schon mal dauern“, sagt Michael Haberzeth. Gespielt wird normalerweise gegen den Computer, seit geraumer Zeit können aber auch Spieler in einem Online-Modus gegeneinander antreten.
Viel Lob für Island Empire
Und das Prinzip scheint zu gefallen. Bis heute wurde die App vor allem im Google-Play-Store (für Android-Geräte) heruntergeladen – und das mehr als 1,3 Millionen Mal. Im App Store, quasi das Apple-Pendant, kommt das Spiel dagegen auf rund 50.000 Downloads.
Der Start im August 2020 verlief schleppend, doch ab 2021 nahm Island Empire mit teils mehr als 10.000 Downloads pro Tag richtig an Fahrt auf. Michael Haberzeth machte sich daraufhin selbstständig und kündigte seinen Job. Werbeeinnahmen und In-App-Käufe machten das möglich. 2023 knackte das Spiel die Millionen-Marke. Kurzzeitig war Island Empire in der Kategorie Strategie-Spiel auf Platz 13 der weltweiten Charts zu finden.

Und in den Kommentarspalten geraten die Nutzer bis heute nur so ins Schwärmen. „Klare Empfehlung. Nettes, kleines Strategiespiel“, heißt es unter anderem im Rezensionsbereich. Nicht wenige bezeichnen Island Empire als „genial“, „süchtig machend“ und gar als „eines der besten Spiele seit langem“.
Eine Nachricht aus der kriegsgebeutelten Ukraine ging dem Entwickler besonders nahe. „Mir hat jemand von dort aus geschrieben, dass ihm das Spiel dabei hilft, sich vom grausamen Alltag abzulenken“, erzählt Haberzeth. In der Ukraine ist Island Empire kostenlos in der Vollversion mit allen Leveln erhältlich. „Einfach, um ein bisschen Solidarität zu zeigen.“
Eine überraschte und zeitgleich stolze Freundin
Zu den Fans, wie könnte es anders sein, zählt mittlerweile auch seine Freundin Sarah Schwager (29) aus Wackersdorf. „Island Empire macht echt Spaß, auch wenn ich nicht die beste Spielerin bin“, sagt sie und lacht. Beide sind erst seit ein paar Monaten zusammen. Und so kommt es auch, dass Michael Haberzeth, der eigentlich gebürtig aus Roding (Landkreis Cham) stammt und in Regensburg wohnt, mittlerweile einen großen Teil seiner Zeit in Wackersdorf verbringt.
Natürlich sei das Spiel in der Kennenlernphase Thema gewesen. „Er hat nebenbei erwähnt, dass er eine App programmiert hat“, erinnert sich Sarah Schwager. Sie habe dann im Play Store nachgeschaut und sei ob der Zahl an Downloads überrascht gewesen. „Und ich hätte auch nicht gedacht, dass man davon leben kann“, sagt sie.

Heute ist der Hype um Island Empire etwas abgeflacht. Eine treue Gemeinschaft an Spielern gibt es zwar immer noch, zum Leben reichen die Einnahmen aber nicht mehr. Deshalb arbeitet der Wahl-Wackersdorfer inzwischen wieder nebenbei als Webentwickler. Und recht viel Neues wird bei Island Empire auch nicht mehr dazukommen. „Sonst kann es sein, dass man das Spiel irgendwann kaputt macht“, befürchtet Haberzeth.
Doch für alle Fans hat er auch eine gute Nachricht parat. Er tüftelt bereits an einer Fortsetzung, die dann unter dem Namen Island Empire 2 erscheinen soll. „Die neue Version soll viel komplexer werden, mit mehr Einheiten und mehr Gebäuden“, verrät der 38-Jährige. Ein bisschen Geduld sei aber gefragt. „Das Projekt steckt aktuell noch in den Kinderschuhen.“
Doch eines Tages wird es so weit sein. Und wer weiß, vielleicht kann Island Empire 2 den Vorgänger in Sachen Downloads sogar noch toppen.