Angst vor dem Further Drachen? So geht es dem Pferd in der Arena wirklich

Alle jubeln beim Drachenstich in Furth im Wald (Landkreis Cham) dem Ritterpaar und allen andern Spielern zu. Großartig ist aber auch die Leistung der Pferde, allen voran dem, das den Ritter zum Drachenkampf tragen muss. Da lohnt eine Nachfrage, wie es den beeindruckenden Tieren dabei geht.
Informiert haben uns die Familie Pongratz, die den Ritter in Zukunft trainiert, und Dr. Stefan von Bieberstein, der in Cham eine Pferdeklinik betreibt.
Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass ein Pferd den Menschen sieben mal größer sieht, als er tatsächlich ist. Das würde gleichzeitig bedeuten, dass es seine komplette Umwelt sieben mal größer wahrnimmt und sich wohl in seiner Umgebung überhaupt nicht mehr zurecht finden würde. Bieberstein kann das daher nicht bestätigen. Fakt sei aber, dass Pferde anders sehen als Menschen.
Die Pferde sehen nicht gestochen scharf
Während wir einen Blickwinkel von 90 Grad haben, bevor wir den Kopf drehen müssen, ist der bei Pferden wesentlich größer. Als Fluchttiere können sie so Gefahren deutlich schneller wahrnehmen. Auf eine bunte Blumenwiese blicken die Tiere allerdings sicher nicht so begeistert wie wir Zweibeiner. „Pferde sehen nicht komplett farbig, so wird Rot in Grautönen dargestellt“, sagt der Klinikleiter. Außerdem sehen sie nicht gestochen scharf.
Bürgermeister Sandro Bauer, der beim Pressegespräch zur Vorstellung der Familie Pongratz als neue Rittertrainer anwesend war, sagte: „Ein Pferd, das Angst hat, hat in der Arena keine Chance.“ 1990 war er selbst Ritter und ist passionierter Reiter.
Ein Pferd, das Angst hat, hat in der Arena keine Chance.Sandro Bauer, Bürgermeister und Ex-Ritter
Bieberstein gibt ihm Recht: „Es gibt welche, die geeignet sind und welche, die es nicht sind.“ Er vergleicht das durchaus mit Verhaltensweisen von Menschen. So gebe es eben solche, die abends ängstlich absperren, und andere, die es locker angehen. Doch die Situation in der Arena ist ungewohnt, daher müssen die Tiere Vertrauen haben und auf einen Reiter treffen, der Erfahrung hat.

Familie Pongratz verfolgt genau dieses Ziel. Seniorchef Josef: Der Reiter brauche Fitness, eine Grundausbildung im englischen Reiten müsse passen und gelernt werden, wie man sich auf unvorhergesehen Situationen vorbereitet.
Die Chemie zwischen Ross und Reiter muss stimmen
Alexander Pongratz, Ritter im Jahr 2023, der wie sein Bruder Dominik eine Reitlehrerausbildung gemacht hat, sagt, dass zu zwei Dritteln die soziale Komponente stimmen muss, also die Chemie zwischen Ross und Reiter. Erfahrung soll der Ritter bei der Familie Pongratz auch sammeln, in dem er auf möglichst vielen Pferden reitet, lernt, wie man auf sie zu geht und die Körpersprache versteht. „Das Ritterpferd ist immer das, bei dem ich an diesem Tag das beste Gefühl habe“, sagt Alexander.
Geeignete Tiere sollen übrigens vielleicht auch im Rahmen eines Castings im März gefunden werden. Jeder, der glaubt, ein Pferd mit einer stabilen Psyche zu haben, kann sich bei Familie Pongratz anmelden und dann seinen Liebling vorstellen.
Hat der Ritter genug Zeit?
Erfahrung kommt mit der Zeit. Reicht die, damit der Ritter sie erlangt? Immerhin geht es Anfang August schon los mit dem Festspiel. „Wenn der Reiter regelmäßig trainiert, über verschiedene Situationen Vertrauen aufbaut, dann halte ich das durchaus für möglich“, sagt der Veterinärmediziner.
Gift sei dagegen, etwas mit Gewalt erzwingen zu wollen. „Als Reiter ist man in der Führungsposition. Pferde, gerade auch junge, orientieren sich am Menschen.“ In der Arena, so die Erfahrung der Familie Pongratz, ist für das Ritterpferd der Lichtkanal zwischen Bande und Drachen wichtig. Josef Pongratz betont, wenn es in die Dunkelheit laufen müsste, könnte es sein, dass es scheut.
Souveräner Reiter sorgt für willensstarke Pferde
Der Drache dagegen sei nicht das Problem. Alexander Pongratz: „Das Pferd weiß ja nicht, dass der Drache ein Drache ist.“ Bieberstein sieht das ein wenig anders. So würde es Untersuchungen geben, dass ein LKW ein Pferd mehr ängstigt, als ein PKW. Aber er betont noch einmal, es ist eine Frage der Psyche und er verweist auf Polizeipferde, die Böller, Demonstranten und Schüsse wegstecken, wenn der, der im Sattel sitzt, souverän bleibt.