Vom Gericht in die Goldwerkstatt: Chammünsterin findet im Schmuckdesign ihre Leidenschaft

Von Theresa Baumann · 24. Januar 2026 um 15:01

Ob im Einzelhandel, als Einlasskontrolleurin am Amtsgericht oder als Kaufhausdetektivin: Ihre wahre Berufung fand Melanie Lemberger lange nicht – bis sie ein Geschenk bekam. Heute hat die Chammünsterin (Cham) gleichzeitig einen Voll- und einen Teilzeitjob in zwei verschiedenen Branchen.

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Eine davon ist die Schmuckherstellung. In Lembergers Wohnung hängen im Gang neben der Werkstatt mehrere Whiteboards. Darauf geschrieben sind die Jahres-, Monats- und Wochenziele der Schmuckdesignerin. 80 Prozent davon versucht sie zu erreichen. Erst dann ist sie zufrieden. Als Nächstes auf der Agenda stehen Herrenringe. Der Markt bietet viele, aber nur wenig schöne, findet Lemberger. „Ich will, dass ein Herrenring mal nicht oval und mit Platte in der Mitte ist.“ Am Wochenende wollen sie und ihre Mutter eine erste Produktion starten. „Meine Mama steht voll hinter mir und möchte immer mit dabei sein.“

Andere Job passten nicht zu der Chammünsterin

Zunächst arbeitete Lemberger allerdings in einer ganz anderen Branche. Sie erzählt: „Ich bin in einer Generation groß geworden, in der die Eltern noch über den Beruf entschieden haben.“ So kam Lemberger zu ihrem Job im Einzelhandel.

Ihr gefiel der Kontakt mit den Kunden, doch langfristig war dieser Beruf nichts für sie. Nach einer Umschulung zur kaufmännischen Assistentin stellte sie fest: „Das ist mir eigentlich zu langweilig, weil man da so viel rumsitzt.“

Da hast du viele Auseinandersetzungen – auch körperliche. Das ist mir einfach zu gefährlich geworden.Lemberger über ihre Zeit als Kaufhausdetektivin

Als Kaufhausdetektivin war Lemberger gerne unterwegs – doch immer alleine im Dienst. „Da hast du viele Auseinandersetzungen – auch körperliche. Das ist mir einfach zu gefährlich geworden“, erklärt Lemberger. Schließlich bildete sie sich zur geprüften Schutz- und Sicherheitskraft weiter. Heute arbeitet die Chammünsterin in Vollzeit am Chamer Amtsgericht und achtet darauf, dass keine verbotenen Gegenstände ins Gerichtsgebäude gelangen.

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Den fertigen Schmuck gibt es nicht nur online zu kaufen. - Foto: Theresa Baumann

Fernstudium neben einem Vollzeitjob abgeschlossen

Nebenbei wurde Lemberger zur Schmuckdesignerin. Als sie von ihrer Oma ein Granatketterl geschenkt bekam, schwebte ihr vor, dieses umzugestalten. „Mir war die Kette zu unmodern, aber auch zu schade, um sie einzuschmelzen.“ Lemberger hatte Blut geleckt. Über „alle möglichen Quellen“ kaufte sie alten Schmuck, den sie entweder einschmolz oder wieder aufbereitete. Mit wenig Werkzeug konnte sie kleine Reparaturen durchführen sowie Schmuckstücke reinigen und polieren.

Heute stapelt sich in Lembergers Arbeitszimmer in ihrer Wohnung das Werkzeug bis unter die Decke. 25 000 Euro hat sie bisher in Hilfsmittel investiert, schätzt sie. Auf dem Gelände des alten Bauernhof ihrer Mutter in Plattling befindet sich außerdem eine Gießstraße. Die Kosten konnte Lemberger mit ihrer Schmuckmarke Leloop bereits decken. Ihre Einnahmen gehen inzwischen über die eines Kleingewerbes hinaus.

Wenn ich anfangen würde, darüber nachzudenken, wie viel Arbeit das ist, würde ich das nicht machen. Deswegen denke ich nicht nach – ich arbeite einfach.Melanie Lemberger

Melanie Lemberger hofft, irgendwann hauptberuflich als Schmuckdesignerin arbeiten zu können. Sie sagt: „Ich möchte davon leben können, weil es über ein Hobby hinausgeht.“ Die Arbeitsstunden für ihre Schmuckmarke, die sie in ihrer Freizeit, vor allem an den Wochenenden, leiste, seien mit einem Teilzeitjob vergleichbar. „Wenn ich anfangen würde, darüber nachzudenken, wie viel Arbeit das ist, würde ich das nicht machen. Deswegen denke ich nicht nach – ich arbeite einfach.“ Lembergers Wissbegierde ist deshalb aber noch lange nicht gestillt. Die meisten Handgriffe des Handwerks hat sie sich selbst mittels Youtube, KI und Büchern beigebracht. Neben ihrem Job am Amtsgericht absolvierte sie außerdem ein zweieinhalbjähriges Fernstudium mit der Note 1,2.

„Das wäre schon immer mein Beruf gewesen.“

Lembergers neueste Errungenschaft ist ein 3-D-Drucker, mit dem sie künftig ihre Wachsmodelle anfertigen will. Mehrere dicke Handbücher warten darauf, von ihr am Feierabend gelesen zu werden. „Ich habe schon damit angefangen, aber zu Beginn habe ich kein Wort verstanden“, erzählt Lemberger.

Unterkriegen lässt sie sich dennoch nicht. Sie ist überzeugt, nun ihre Berufung gefunden zu haben, auch wenn sie eine „Spätzünderin“ sei. Nun ist sie der Meinung: „Das wäre schon immer mein Beruf gewesen.“

Wie sie auf manche ihrer Ideen kommt, kann sie oft selbst nicht sagen. Am Ende sei sie allerdings jedes Mal aufs Neue stolz. Wenn sie ihre Ringe, Ketten und Ohrringe in der Hand hält, denkt sie: „Wow, das habe ich gemacht.“