So kurios war die Kommunalwahl 2020 in den Orten rund um Bad Kötzting

Von Stefan Weber · 20. Januar 2026 um 05:00

Dass die Wahl in vielen Gemeinden des Altlandkreises schon darum dieses Jahr etwas Besonderes sein wird, weil es in den wenigsten Kommunen mehr als einen Kandidaten gibt, das steht jetzt schon fest. 2020 war das in weniger als einem Drittel der 13 Orte in und um Bad Kötzting der Fall. Gerade darum fehlte es nicht an kleinen und großen Besonderheiten, auf die ein Rückblick lohnt.

So gab es zum Beispiel eine echte Abwahl eines Amtsinhabers: Mit 57,2 Prozent setzte sich bei der Wahl am 15. März 2020 Gerhard Mühlbauer in Arrach als Herausforderer im ersten Versuch gegen Amtsinhaber Sepp Schmid (CSU/PWG „Einigkeit“/FB) durch. Damit war er in der Region nach 2014 bereits der zweite Freie-Wähler-Kandidat, der sich gegen einen Amtsinhaber von der CSU durchsetzte. Sechs Jahre zuvor war derselbe Erfolg Markus Hofmann (FW) in Bad Kötzting gelungen.

Zweimal wurde neu gewählt

Überhaupt hat sich der Altlandkreis als „gutes Pflaster“ für die Freien Wähler an sich entwickelt. Nicht nur in Bad Kötzting und Arrach, auch in Blaibach und Grafenwiesen haben aktuell Mitglieder dieser Partei das Sagen. Wobei die beiden Gemeinden noch eine weitere Besonderheit mit Blick auf die Wahl aufweisen: Beide – Monika Bergmann und Sabine Steinlechner – standen bei der Kommunalwahl 2020 nicht als Kandidaten für das Amt auf den Wahlzetteln.

Bergmann war erst am 13. Februar 2022 mit 52,1 Prozent zur Bürgermeisterin von Blaibach gewählt worden, nachdem ihr Vorgänger Wolfgang Eckl (CSU/Freie Bürger) am 28. Oktober 2021 gestorben war; Sabine Steinlechner ist erst seit März 2023 Bürgermeisterin von Grafenwiesen. Ihr Amtsvorgänger Josef Häring war 2020 mit 64 Prozent gewählt worden, trat zum Jahreswechsel 2022/23 aus gesundheitlichen Gründen zurück. Kurios bei der zweiten Wahl: Steinlechner hatte zwar keinen Gegenkandidaten, allerdings wurden im Vorfeld Gerüchte laut, dass dazu aufgerufen worden sein sollte, ihren Vor-Vorgänger Josef Dachs auf den Wahlzettel zu schreiben

. Ein Recht, das auf einem eigens vorgesehenen Platz auf dem Wahlzettel auch die Bürger jener zehn Gemeinden im Altlandkreis haben werden, in denen es nur einen Kandidaten gibt. In Summe machten knapp 30 Prozent der Bürger in Grafenwiesen davon Gebrauch, wobei die meisten dieser Stimmen (87 bei der Briefwahl und 104 an den Wahlurnen) eben an Josef Dachs gegangen waren. Steinlechner hatte deutlich über 500 Stimmen erhalten.

Dass ein ehemaliger Amtsinhaber wohl nach sechs Jahren Pause wieder im Chefsessel im Rathaus sitzt, danach sieht es im Markt Eschlkam aus. Hier war Sepp Kammermeier 2020 nicht mehr angetreten, ihm folgte mit fast 80 Prozent der Stimmen Florian Adam nach – der wird nach sechs Jahren nicht mehr zur Wahl stehen, sein Vorgänger von der CSU-FWG ist mit 73 Jahren der einzige Kandidat.

Nicht weniger aufregend wird die Wahl im Nachbar-Markt Neukirchen b. Hl. Blut: Hier tritt Markus Müller nach zwölf Jahren nicht mehr an. Eine Chance, die Dr. Johannes Müller nutzen möchte. Er war bereits 2014 und 2020 der Gegenkandidat von Markus Müller, war diesem aber mit jeweils gut 20 Prozent der Stimmen immer klar unterlegen. Dieses Mal ist er der einzige Kandidat für das Bürgermeisteramt und hat damit eine sehr hohe Chance, doch noch Bürgermeister von Neukirchen b. Hl. Blut zu werden.

Mit AfD Ergebnis fast halbiert

2020 war die Wahl außerdem auch in der Gemeinde Lohberg sehr bemerkenswert: Hier trat zum zweiten Mal hintereinander Lothar Köppl gegen Amtsinhaber Franz Müller an. Köppl hatte 2014 für die SPD kandidiert, fuhr zehn Prozent der Stimmen ein, die allerdings nicht einmal für einen Sitz im Gemeinderat gereicht hatten. 2020 war er der einzige Bürgermeisterkandidat für die AfD im gesamten Landkreis Cham und halbierte mit 5,8 Prozent der Stimmen sein Ergebnis von 2014 fast. Damit bescherte er Müller ein Traumergebnis von 93,95 Prozent, verfehlte damit aber doch knapp den Rekord für die höchste Zustimmung im Altlandkreis. Den sicherte sich bei der vorangegangenen Kommunalwahl Stefan Baumgartner in Chamerau mit 94,2 Prozent aller Stimmen für seine dritte Amtszeit.

Klar zu sehen war aber auch, dass die Wahlbeteiligung in Orten ohne Gegenkandidaten wesentlich niedriger lag als mit: In Hohenwarth, wo Xaver Gmach für seine letzte Amtszeit antrat, gingen 59,5 Prozent der Bürger zur Wahl. In Arrach waren es 81,5 Prozent.