Internationaler Star-Auflauf am Theater Regensburg

Von Marianne Sperb · 15. Januar 2026 um 10:36

Cecilia Bartoli und Jürgen Rose sind nur zwei der 20 Preisträger, die im Februar am Bismarckplatz in Regensburg geehrt werden.

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Als im November bekannt wurde, dass das Theater Regensburg bestes Opernhaus des Jahres wird, wurden das Haus und seine Chefs Intendant Sebastian Ritschel und Kaufmännischer Direktor Matthias Schloderer mit Glückwünschen überschüttet. Jetzt sind erste Namen der Preisträger bekannt, die bei der Gala am 23. Februar am Bismarckplatz einen Oper! Award entgegennehmen. Es wird glanzvoll.

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Cecilia Bartoli und Jürgen Rose sind nur zwei der Künstler, die in 20 Kategorien geehrt werden. Ulrich Ruhnke, Jury- Vorsitzender der Oper! Awards, nennt am Donnerstag neun Preisträger: neben Bartoli und Rose auch Jonathan Tetelman, Barrie Kosky, Christof Loy, Ermonela Jaho, Nadezhda Karyazina, Erin Morley und Miina-Liisa Värelä. Noch nie waren so viele Musiktheaterstars in Regensburg versammelt. Das ist ein bisschen so, als wäre der SSV Jahn als Sieger in der Königsklasse der Gastgeber einer Fußball-Meisterschaft, zu der Ballkünstler wie Lionel Messi antreten.

Stilbildender Regisseur und Ausstatter: Jürgen Rose. Er bekommt den Preis für sein Lebenswerk. - Foto: Oper! Award, privat

Der Lebens- und Ehrenpreis der Oper! Awards geht an Regisseur Jürgen Rose. Das „Lebensgesamtkunstwerk“ des 88-Jährigen passt in keine Schublade, so die Jury. „Fast sämtliche Gewerke hat dieser Künstler bedient, Bühne, Kostüme und Dramaturgie mit geschaffen für mehr als 300 Opern, Schauspiele, Ballette und Operetten, auch selbst Regie geführt.“ Den Durchbruch erzielte er mit 25, mit Crankos „Romeo und Julia“ in Stuttgart. Seinen Abschied nahm er mit Wagners „Ring“ in Genf, mit 76, so Ruhnke weiter. „Stets traf er den Punkt, als Perfektionist im Team. Dafür wurde er geliebt, gefürchtet – und stilbildend für eine ganze Schülergeneration.“

Matthias Schloderer und Sebastian Ritschel (rechts), die Regensburger Theater-Chefs, strahlten im November um die Wette, als bekannt wurde, dass Regensburg das beste Opernhaus des Jahres wird. - Foto: Tino Lex

Matthias Schloderer, Finanzchef des Theaters, früher an der Staatsoper München, freut sich unbandig über die Ehrung für Jürgen Rose: „Er ist einer meiner Helden“, sagt er und erinnert sich an Roses beeindruckende Arbeiten an der Nationaloper, etwa an die Inszenierung von „Don Carlo“, die 2000 Premiere hatte und immer noch im Repertoire ist, oder an den „Rosenkavalier“ von Otto Schenk, mit der Ausstattung von Jürgen Rose. Die Produktion, die 1972 Premiere hatte, wurde zum nachhaltigen Publikumsliebling und eine Art Inventar des Hauses. „Einfach großartig, dass Jürgen Rose den Preis für sein Lebenswerk jetzt in unserem Regensburger Haus bekommt“, sagt Schloderer.

„Eine Riesenehre für uns als Haus, eine Riesenehre, diese Künstler begrüßen zu dürfen, und wunderbar, einfach gemeinsam das Genre Oper zu feiern“, sagt der Intendant über die Gala. Zu Christof Loy hat er eine spezielle Beziehung: Sebastian Ritschel war ein Teenager, 16 vielleicht, als er in Inszenierungen des Regisseurs in Düsseldorf auf der Bühne stand, unter anderem bei „Lucia di Lammermoor“ und bei „Manon“. „Seitdem kenne und bewundere ich ihn.“ Mit Barrie Kosky verbindet ihn ein ähnlicher Ansatz, wie Theater in die Gesellschaft wirken kann, und die Liebe zu sämtlichen Facetten des Musiktheaters. „Und der Ehrenpreis an den Universalkünstler Jürgen Rose ist einfach sensationell“, so Ritschel. Der Ablauf der Gala wird gerade abgestimmt. „Da gibt es viele Details, die ich noch nicht verrate.“

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Wer der vorab genannten Künstler in welcher Kategorie ausgezeichnet wird, das bleibt ansonsten noch das Geheimnis des Fachmagazins „Oper!“, das die Preise vergibt. In der Kulturszene wird heftig spekuliert. Die Trophäe als bester Sänger des Jahres dürfte wohl an Jonathan Tetelman gehen.

Die Tenor-Hoffnung: Jonathan Tetelman. Er kommt 2026 zwei Mal in die Oberpfalz; im Juli singt er bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen. - Foto: picture alliance/dpa/LEONINE Studios

Der chilenisch-amerikanische Sänger, ein hipper Star, gilt als die neue Tenor-Hoffnung. Seine weiche, bewegliche Stimme mit den strahlenden Höhen berührt. Der 38-Jährige, der als junger Typ in Manhattan DJ war und vom Flashmob bis zu social media alle Kanäle bedient, wird 2026 sogar zwei Mal in Regensburg zu Gast sein: Im Juli sorgt er mit Sopranistin Tamara Radjenovic und den Münchner Symphonikern für den Klassik-Höhepunkt der Thurn und Taxis Schlossfestspiele.

Cecilia Bartoli kommt im Februar nach Regensburg. Hier erhält sie den Polar Music Prize von König Carl XVI. Gustaf. - Foto: picture alliance / dpa

Cecilia Bartoli hat bereits so ziemlich alle Preise bekommen, die es in ihrem Fach gibt, darunter neun Echo Klassik, einen Grammy und den Polar Prize, den Nobelpreis der Klassik. Die 59-Jährige, der Kritiker „überwältigenden Schöngesang“ attestieren, leitet die Salzburger Pfingstfestspiele und die Opéra de Monaco und ist bekannt als passionierte Musikhistorikerin, die unbekannte Werke ausgräbt – auch mit der von ihr gegründeten Musikstiftung.

Barrie Kosky war lange Intendant und Chef-Regisseur an der Komischen Oper in Berlin. Welchen der Oper! Awards er in Regensburg bekommen wird, ist noch Verschlusssache der Veranstalter. - Foto: picture alliance/dpa

Nachdem Regisseur Jürgen Rose den Ehrenpreis erhält, wäre die Position als Regisseur des Jahres noch frei für Christof Loy (63) oder Barrie Kosky (58). Kosky, Deutsch-Australier, lange Intendant der Komischen Oper Berlin, jüdisch, schwul, mit vielen Auszeichnungen behängt, ist eine prägende Stimme des Musiktheaters in Deutschland. Er inszeniert mit großer Lust, hemmungslos, exzentrisch, sensibel, und meldet sich in Kulturdebatten offensiv zu Wort. Ein ganz anderer Typ: Christof Loy, gefeiert für seine psychologisch präzisen und schnörkellosen Inszenierungen und bekannt als Erneuerer des Repertoires. Drei Mal war er bereits Regisseur des Jahres beim Fachmagazin Opernwelt, zwei Mal erhielt er den International Opera Award.

Finnische Naturgewalt: Miina-Liisa Värelä (Mitte), hier mit Philip Eichhorn in „Frau ohne Schatten“ im Festspielhaus Baden-Baden - Foto: picture alliance/dpa

Ermonela Jaho (51) aus Albanien, die in Long Island und Italien lebt, erhielt bereits 2024 den Oper! Award als beste Sängerin. Auf die russisch-schweizerische Sängerin Nadezhda Karyazina (39), die ihre Stimme zwischen Mezzosopran und Alt einordnet, richten gerade die großen Häuser weltweit den Blick, wie das Magazin Oper! in der Ausgabe vom Oktober 2025 selbst betont. Zwei weitere großartige Künstlerinnen, die für eine der Auszeichnungen bei der Gala in Regensburg gelistet sind: die US-Amerikanerin Erin Morley (45), international herausragende Koloratursopranistin, und die finnische Sopranistin Miina-Liisa Värelä (49), die auf der Bühne als Naturgewalt mit viel Herz, Verve und Stimmvolumen auftritt.

Die Oper! Awards sind Deutschlands einziger öffentlich verliehener internationaler Opernpreis. Er wird jährlich im Rahmen einer Preisverleihungs-Gala an die weltweit besten Künstler und Akteure auf und hinter der Bühne vergeben. Über die Awards in insgesamt 20 Kategorien entscheidet die Jury aus Fachjournalisten. Bewertungszeitraum ist spielzeitübergreifend das Jahr 2025. Das Gewinnerhaus des vergangenen Jahres war das Brüsseler Opernhaus La Monnaie / De Munt.