Influenza schlägt im Kreis Schwandorf zu: Notarzt spricht von „aufwendiger Herbergssuche“

Husten, Schnupfen, Fieber, Gliederschmerzen: Die Grippe-Welle hat auch den Landkreis Schwandorf längst erreicht. Krankenhäuser im Umkreis melden derzeit erhöhte Zahlen an Influenza-Patienten, ein erfahrener Notarzt erzählt von einer teils schwierigen Suche nach Betten.
Dr. Wolfgang Schreiber hat schon viele Grippewellen erlebt, und er weiß auch, wie sehr diese die Krankenhäuser in der Region beschäftigen können. Heuer seien viele Menschen schon im Dezember teils schwer an Influenza erkrankt – und damit vier bis sechs Wochen früher als sonst.
„Hier erkrankten zunächst viele Kinder und Jugendliche an hohem Fieber um 40 Grad. Das hielt teilweise bis zu einer Woche an“, sagt Schreiber, der seit mehr als 20 Jahren neben seinem Praxisalltag als Allgemeinmediziner in Burglengenfeld regelmäßig als Notarzt ausrückt. Seit 2008 ist der Mediziner sogar Leitender Notarzt.
Schwere Verläufe auch bei sonst gesunden Menschen
In diesem Winter scheint das Virus besonders hartnäckig zu sein. Auch bei sonst gesunden Patienten hätten er und seine Kollegen Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Fieberkrämpfe bei Kindern gesehen. Die Infektionswelle scheint auch nicht abzuebben. Aktuell seien vor allem Pflegeeinrichtungen betroffen, schildert Schreiber: „ Hier sehen wir aktuell bei hochbetagten und vorerkrankten Patienten viele schwere Verläufe, die einer stationären Krankenhausbehandlung bedürfen.“
Dies führt laut dem erfahrenen Mediziner zu einem aktuell spürbaren Mangel an Klinikkapazitäten und auch Intensivbetten in der Region. „Es ist aber tatsächlich nicht alles Influenza. In den Abstrichen finden sich auch andere Erreger für Lungenentzündungen wie Pneumokokken und RS-Viren, und auch Covid spielt weiterhin eine Rolle bei immungeschwächten Personen“, so Schreiber.
Da es sich bei den stationären Infektpatienten oft um vorerkrankte oder immungeschwächte Menschen handelt, sei hier eine stationäre Therapiedauer von über einer Woche durchaus möglich. Dies und ein erhöhter Hygieneaufwand führten zu einem weiteren Bettenmangel auf den Stationen. Aktuell sei es oft schwierig, gerade für ungeplante Notfallpatienten, ein Klinikbett zu bekommen.
Teils längere Anfahrten für Rettungsdienst und Patienten
Als Beweis hat Wolfgang Schreiber in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ein Foto auf Facebook hochgeladen. Auf diesem sind drei Rettungswagen verschiedener Hilfsorganisationen vor dem Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf zu sehen. Der Mediziner schreibt dazu: „Aktuell sind aufgrund der Influenzawelle die Aufnahmekapazitäten und Intensivbetten vieler Kliniken am Limit. Das bedeutet für uns teils auch nachts weite, oft landkreisübergreifende Wege mit kritisch kranken Patienten bei schlechten Straßenverhältnissen, Nebel und überfrierender Nässe.“

Parallel zur Stabilisierung des Patienten würde sich aktuell bereits am Notfallort meist ein Sanitäter zusammen mit der Integrierten Leitstelle um die „Herbergssuche" in Form eines passenden Klinikbettes kümmern. „Danke an alle, die sich mit mir heute die Nacht um die Ohren schlagen“, schreibt Notarzt Schreiber. Aktuell sei die Situation nur im Teamwork zu bewältigen – mit den Leitstellen, Notärzten, Rettungsdiensten, Kliniken und Hausärzten.
Im Schwandorfer Krankenhaus St. Barbara sind laut Pressesprecher Michael Vogl Stand Mittwochmorgen 18 Influenza-Patienten stationär untergebracht. Dabei handelt es sich vor allem um Menschen, bei denen es im Verlauf zu schweren Symptomen oder Komplikationen gekommen ist. Dazu zählen beispielsweise Atemnot, Lungenentzündungen, Kreislaufprobleme oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands.
Auch andere Atemwegsinfekte führen ins Krankenhaus
Die Patienten kommen vorwiegend aus der Stadt und dem Landkreis Schwandorf. „Wir versorgen natürlich auch Patientinnen und Patienten aus anderen Teilen der Oberpfalz, beispielsweise im Rahmen von Verlegungen“, so Vogl.
Die Grippesaison sei für alle Kliniken natürlich eine zusätzliche Belastung. „Neben Influenza werden parallel auch andere akute Atemwegsinfekte sowie Notfälle versorgt. Herausforderungen ergeben sich dabei vor allem durch den erhöhten Bedarf an Isolationsmaßnahmen, eine teils hohe Auslastung einzelner Bereiche und die Sicherstellung ausreichender personeller Ressourcen“, erklärt Vogl.
Die Situation hat sich zuletzt sogar ganz leicht entspannt, sodass wir weiterhin eine sichere Aufnahme und Versorgung von Patientinnen und Patienten gewährleisten können.Michael Vogl, Pressesprecher des Krankenhauses St. Barbara
Grundsätzlich sei man aber auf saisonale Infektionswellen vorbereitet. Abläufe und Kapazitäten würden bei Bedarf angepasst, um die Versorgung weiterer Patienten sicherzustellen. Aktuell gebe es im Krankenhaus St. Barbara keinen Aufnahmestopp. Eine solche Maßnahme sei laut Vogl derzeit auch nicht absehbar – im Gegenteil: „Die Situation hat sich zuletzt sogar ganz leicht entspannt, sodass wir weiterhin eine sichere Aufnahme und Versorgung von Patientinnen und Patienten gewährleisten können.“
Ähnliches berichtet auch Dr. Ramona König, Ärztliche Direktorin des Klinikums St. Marien in Amberg. Auch dort habe sich die Situation in den vergangenen beiden Tagen etwas beruhigt. Natürlich sei derzeit saisonbedingt ein erhöhtes Aufkommen an Influenza-Patienten zu verzeichnen. Diese könnten größtenteils aber ambulant weiter betreut werden.
Die höchste Anzahl an stationären Grippe-Patienten verzeichnete das Amberger Klinikum bisher in der ersten Januarwoche. Damals mussten mehr als 50 Menschen mit Influenza stationär behandelt werden, zum Teil aber auch als Nebenbefund. Stand Mittwoch beläuft sich die Zahl der in Amberg stationär behandelten Grippe-Patienten auf 35. „Die Intensivstationen sind aktuell ausgelastet, aber nicht wegen der Influenza“, sagt König.
Bisher herrscht keine Krisenstimmung
Bei der Asklepios Klinik im Städtedreieck werden derzeit im Schnitt etwa fünf Influenza-Fälle täglich stationär aufgenommen. Das Infektionsgeschehen sei entsprechend der Jahreszeit natürlich erhöht. „Wir sind aber noch weit von einer Krise entfernt, wir haben die Situation gut im Griff“, schildert Dr. Josef Zäch, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Innere Medizin der Klinik, auf Nachfrage der MZ. Bisher mussten beispielsweise noch keine Operationen abgesagt werden. Die Versorgung der stationären Patienten sei ungehindert sichergestellt.
Es habe bisher auch noch keinen Aufnahmestopp für Influenza-Patienten gegeben. „Wir mussten uns allerdings in den letzten Tagen ein paar Mal wegen Vollbelegung bei der Rettungsleitstelle temporär begrenzt abmelden“, schildert Zäch. Intensivbetten seien derzeit noch frei.