Richter wird Richterin: 34-Jährige ist neues Gesicht im Zivil- und Nachlassrecht am Amtsgericht Cham

Regensburg, Schwandorf, Cham – so lauten die bisherigen Stationen von Christina Richter. Die 34-Jährige arbeitet seit Anfang Dezember am Amtsgericht Cham. Am Mittwoch stellte Thomas Strauß, Direktor des Amtsgerichts, die gebürtige Chamerin offiziell vor.
Ihr neues Arbeitsfeld umfasst das Zivil- und das Nachlassrecht – zwei sehr unterschiedliche Rechtsgebiete. Während sich Juristen im Zivilrecht mit nahezu allen Belangen des täglichen Lebens befassen, geht es im Nachlassrecht um rechtliche Fragen nach dem Tod. Besonders reizt Richter das aktuelle Geschehen: „Das Zivilrecht ist unglaublich breit gefächert. Es reicht von Mietsachen über Verkehrsunfälle bis hin zu Rechtsschutzversicherungen“, sagt die Juristin.
Mit 19 Jahren begann die gebürtige Chamerin 2011 ihr Jurastudium in Regensburg. Der Grund war banal. „Ich wollte als Kind immer Grundschullehrerin werden. Mit 17 Jahren hat mir dann jemand gesagt, dass ich wie eine Juristin ausschaue“, schmunzelt Richter.
Name nichts zur Berufswahl beigetragen
An ihrem Nachnamen machte die 34-Jährige ihre Berufswahl hingegen nicht fest. „Der kam erst nachher.“ Ihre Laufbahn, vor allem während des Studiums, ist beeindruckend. „Frau Richter hat im März 2015 ihr erstes Examen gemacht. Das in acht Semestern zu schaffen, ist sehr schnell“, lobt Thomas Strauß.
Nach dem ersten Staatsexamen absolvierte Richter ihr Rechtsreferendariat. Bereits in dieser Zeit lernte sie Strauß kennen, der damals als Ausbilder und Arbeitsgemeinschaftsleiter tätig war. Schon früh erkannte er ihr Potenzial. „Ich war damals schon sehr beeindruckt. Ich habe schon damit gerechnet, dass sie es in den Staatsdienst schafft“, sagt der Direktor des Amtsgerichts.
Ihre praktische Ausbildung absolvierte die 34-Jährige bereits in Cham. Aber auch bei der Staatsanwaltschaft Regensburg, bei der Regierung der Oberpfalz und beim Verwaltungsgericht in Regensburg war Richter im Dienst. Im Herbst 2017 schloss sie ihr zweites Examen ab.
Auch in Weiden schon im Einsatz
Den für junge Juristen üblichen Einstieg über die Staatsanwaltschaft absolvierte die gebürtige Chamerin in Weiden. Seit November 2020 war sie schließlich Richterin am Amtsgericht in Schwandorf. Seit Anfang Dezember ist sie Richterin in Cham.
Ich bin ein Dorfkind und bin Dorfkind geblieben.Christina Richter, Richterin am Amtsgericht Cham
Ihre Heimat spielte für sie immer eine große Rolle. In der Stadt vermisste sie das Grün. Nun wohnt sie wieder im Landkreis Cham. „Hier aufwachsen ist einfach etwas anderes, als in der Stadt zu leben. Ich bin ein Dorfkind und bin Dorfkind geblieben“, sagt sie.
In Cham tritt die 34-Jährige die Nachfolge des früheren Familienrichters Stefan Simeth an. Dieser war zum stellvertretenden Direktor in Straubing befördert worden. „Normalerweise entsteht dann immer eine gewisse Vakanz. Durch glückliche Umstände war es aber so, dass Herr Simeth am Freitag gegangen ist und Frau Richter am Montag angefangen hat“, sagt Strauß.
Langfristig in der Heimat?
Ein Umstand, von dem nicht nur die 34-Jährige profitierte. „Frau Richter ist noch nicht lange da. Doch schon jetzt haben wir erkannt, dass wir sehr glücklich sind, dass wir sie hier haben“, sagt Strauß.
Ob die gebürtige Chamerin bis zum Ruhestand in ihrer Heimat arbeiten wird, steht in den Sternen. Strauß sieht bei ihr Entwicklungsmöglichkeiten nach oben, die in Cham allerdings begrenzt seien. Vorerst setze er jedoch auf ihre Verbundenheit zur Heimat – und auf ihre Vorliebe für das Grün vor der Haustür.