Wählergemeinschaft Grenzfahne will wieder für Furth im Wald in den Kreistag

Bei der Wahl zum Kreistag am 8. März stellt sich auch die Liste „Grenzfahne“ zur Wahl. Was das genau ist, wie sie entstanden ist und warum es für konservative Further Wähler „Pflicht“ sein sollte, die Kreuzchen dort zu machen, wissen die beiden Listenführer Sandro Bauer und Toni Lauerer.
Es war wohl eine illustre Runde, die Anfang der 1960er Jahre die Grenzfahne ins Leben gerufen hat. Lauerer zählt auf, wer zu den Gründervätern gehörte: Josef Mühlbauer von der gleichnamigen Arnschwanger Brauerei, Grundschulleiter Hans Löffelmann sowie Notar Peter Saueressig und Josef Pohmer. Letztere „zwei echte CSU-Urgesteine“, so Lauerer.
Keine Stimme verschenken
Saueressig hatte schon vor der Gründung der Organisierten Wählergruppe, so die offizielle Bezeichnung der „Grenzfahne“, erfolgreich für Einigkeit geworben. Er wies darauf hin, dass Further Bürger auch Further Kandidaten wählen sollten, und zwar über alle Listen, die sich zur Wahl stellen. Das gilt bis heute, sagt Bürgermeister Sandro Bauer: „Auch wer die konservativen Wahlvorschläge nicht unterstützt, sollte sein Kreuz auf den entsprechenden Listen bei einem Drachenstädter machen.“
Was bei der Gründung vor rund sechs Jahrzehnten galt, hat bis heute Bestand: „Bei der letzten Wahl sind 30 000 Stimmen auf der CSU-Liste gelandet, auf der kein einziger Further vertreten war“, bedauert Bauer. Weil für den Kreistag jeder Wähler 60 Stimmen hat, ergibt das laut Listenführer Bauer bei einer angenommenen Wahlbeteiligung von 60 bis 65 Prozent rund 200 000 für Furth im Wald. Lauerer rechnet: „Das wäre mindestens ein Kandidat mehr für uns. Möglicherweise sogar zwei.“ Aufgrund des deutschen Wahlrechts bringen die 30 000 Stimmen der wesentlich stärkeren CSU-Liste keinen wirklichen Vorteil. „Die bräuchten wesentlich mehr Stimmen für einen weiteren Kandidaten.“ Im Moment sitzen mit Bauer, Lauerer und Michael Mühlbauer von den Freien Wählern drei Grenzfahnen im Kreistag. „Da möchten wir wieder hin“, sagt Lauerer und schiebt einen Wunsch hinterher: „Ein vierter Mitstreiter wäre schön.“
Noch mehr Gewicht hatte die Grenzfahne nach seiner Gründung. Gleich beim ersten Mal waren es fünf oder sechs Kandidaten, sagt Lauerer. Damals waren auch Eschlkam, Neukirchen beim Heiligen Blut und anfangs auch Arnschwang dabei. Als es Mitte der 1990er-Jahre zu Streitigkeiten rund um Bestand oder Abschaffung des Further Krankenhauses ging, gründete sich die Liste Hohenbogenwinkel. Furth im Wald hält seitdem die Grenzfahne hoch. Auch die Trennung konnte die Idee des überparteilichen Zusammenhalts nicht stoppen, im Gegenteil: Beide Listen sind zusammen mit zehn Kandidaten in den Kreistag eingezogen.
Bauer kann der Aussage zustimmen, dass Wählergruppen, die sich überparteilich bilden, Demokratie in Reinkultur abbilden. Sollte ein Mitglied einer anderen demokratisch gewählten Partei bei der Grenzfahne mitmachen wollen, ist das jederzeit möglich. „Wir sind laut Satzung sogar dazu verpflichtet“, sagt Lauerer. In der Satzung steht auch, dass die Grenzfahne die Interessen der Further Bürger zu vertreten hat. Damit ist auch der tiefere Sinn einer Wählervereinigung klar. Bauer und Lauerer betonen, dass natürlich alle Kreistagsmitglieder die Interessen des gesamten Landkreises im Sinn haben. Klar ist aber auch, dass ein Rodinger oder Chamer Abgeordneter darüber hinaus die Interessen seiner Stadt im Hinterkopf hat.
An Stellschrauben drehen
Medizinische Grundversorgung vor Ort sicher stellen, Kulturförderung, Radwege- und Straßenbau, oder Ausbau des Glasfasernetzes, sind nur einige Beispiele, wo je nach Abgeordnetenstärke an den Stellschrauben gedreht werden kann. Inzwischen sind die politischen Turbulenzen des Krankenhausstreits längst vergessen. Grenzfahne, Hohenbogenliste, CSU, Wählergemeinschaft Waldmünchen Land und Junge Liste bilden einen Block. Im Vordergrund steht das Miteinander.