Seit 1926 in Betrieb: Wasserkraftwerk am Höllensteinsee prägt seit hundert Jahren die Region

Vor genau 100 Jahren – am 14. Januar 1926 – ging das Wasserkraftwerk am Höllensteinsee, mittig gelegen zwischen Bad Kötzting und Viechtach, in Betrieb. Das imposante Flusskraftwerk am Schwarzen Regen ist bis heute ein Symbol für technische Ingenieurskunst und nachhaltige, regionale Energiegewinnung. Die Stadtwerke Straubing als Hauptgesellschafter der Kraftwerk am Höllenstein AG planen im Sommer einen Tag der offenen Tür, um dieses Jubiläum gebührend zu feiern.
Das Kraftwerk am Höllensteinsee wurde gebaut, um den Strombedarf der wachsenden Stadt Straubing zu decken. Denn Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte ein Stromboom, den die Straubinger mit Wärmekraftstrom nicht mehr decken konnten, da Brennstoffe nach dem Ersten Weltkrieg knapp und teuer waren. Der Stadtrat von Straubing stimmte daher 1923 für den Bau eines Wasserkraftwerks – eine abenteuerliche und mutige Entscheidung, die den Grundstein für eine nachhaltige Energieversorgung legte.
Bau unter extremen Bedingungen
Die Bauarbeiten begannen im Oktober 1923 unter extrem schwierigen Bedingungen. Das Gebiet rund um den heutigen Höllensteinsee war damals unberührte, wild-schöne Natur ohne Straßen oder befestigte Zufahrtswege. Baumaterialien mussten mühsam mit Pferdefuhrwerken oder über den Wasserweg herangeschafft werden – ein wahrer Kraftakt. Erst Anfang der 1950er Jahre erhielt das Kraftwerk eine Zufahrtsstraße.
Die Staumauer, die den Schwarzen Regen auf einer Länge von 5,6 Kilometern aufstaut, war zur damaligen Zeit ein technisches Meisterwerk: Mit 74 Metern Länge und 19,2 Metern Höhe war sie die größte Talsperre Bayerns. Der erzeugte Strom wurde über eigens gebaute Hochspannungsleitungen nach Straubing transportiert – über eine Strecke von 40 Kilometern. Aber die Rechnung des Straubinger Stadtrats ging auf: Mit einer Produktion von 7,8 Millionen Kilowattstunden Strom im ersten Jahr produzierte das Kraftwerk das Dreifache des damaligen Strombedarfs der aufstrebenden Donaustadt.

Und nicht nur Straubing profitierte vom Bau des Höllenstein-Kraftwerks. Das Wasserkraftwerk versorgte auch die Region um Viechtach mit Energie und verhalf der relativ armen Gegend zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Das imposante Gebäude, eingebettet in die malerische Landschaft von Bayerisch Kanada, wurde auch schnell zu einer touristischen Attraktion, die bis heute Wanderer, Naturliebhaber und Erholungssuchende gleichermaßen anzieht.
Innovative Lösungen
Dass ein Wasserkraftwerk 100 Jahre wird, sei bei Weitem nicht selbstverständlich, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer und Vorstand der Kraftwerk am Höllenstein AG, Günter Winter. Denn Kraftwerksanlagen werden in regelmäßigen Abständen geprüft und es gibt hohe Auflagen zu erfüllen, um die Erlaubnis zum Weiterbetrieb zu erhalten. So muss eine Talsperre beispielsweise für Fische durchgängig sein. Im Kraftwerk am Höllensteinsee gibt es dafür eine Lösung, die sogar patentiert ist.

Außerdem arbeitet die Kraftwerks-Mannschaft unermüdlich und mit Weitsicht daran, die Technik zur Energieerzeugung auf dem neuesten Stand zu halten und möglichst effizient zu gestalten. „Uns kommt zugute, dass das Kraftwerk sehr umsichtig geplant worden ist und die verbauten Maschinen von einer hohen Qualität sind“, erklärt Werkleiter Stephan Neumeier. Trotzdem dürfe man sich darauf nicht ausruhen, sondern müsse stetig investieren.

„Wenn man die außergewöhnliche Leistung bedenkt, die zum Bau einer solchen Talsperre zu dieser Zeit aufgebracht werden musste und welche Bedeutung das Kraftwerk seit jeher hat, ist für mich ganz klar, dass wir diesen besonderen 100. Geburtstag feiern müssen“, betont Günter Winter stolz und gibt einen kurzen Ausblick auf die Planungen.
Am Sonntag, 14. Juni, findet von 10 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür im Kraftwerk am Höllensteinsee statt. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen, das Kraftwerk hautnah zu erleben. Führungen durch das Kraftwerk ermöglichen spannende Einblicke in die Technik, die seit einem Jahrhundert für nachhaltige Energie sorgt. Begleitet wird der Tag von einem bunten Rahmenprogramm mit Streetfood, Kinderschminken, einer Hüpfburg und weiteren Attraktionen für die ganze Familie.

Von der Gründung bis heute: Die Kraftwerk am Höllenstein AG wurde 1923 von der Stadt Straubing zusammen mit der Bayerischen Aktiengesellschaft für Energiewirtschaft Bamberg gegründet. Ziel war die Versorgung der Stadt Straubing, des Kreises Niederbayern sowie angrenzender Bezirke der Oberpfalz mit elektrischer Energie. Weiterer Gesellschafter ist die Bayernwerk AG als Rechtsnachfolger der OSTROMAG. Aufsichtsratsvorsitzender der Aktiengesellschaft ist aktuell der Oberbürgermeister der Stadt Straubing, Markus Pannermayr. Vorstand der Gesellschaft ist Günter Winter. Zusammen mit dem Kraftwerk Pulling erzeugt das Kraftwerk am Höllensteinsee jährlich durchschnittlich 19,5 Millionen Kilowattstunden Strom. Seit 1961 speisen beide Kraftwerke die erzeugte Energie komplett ins Bayernwerk- Netz ein.