Max Schierer ist 90 – Warum beim Geburtstag des Chamer Unternehmers nicht geredet wurde

Von Johannes Schiedermeier · 12. Januar 2026 um 17:00

Stell dir vor, du hast 90. Geburtstag und keiner sagt was. Das ist Max Schierer am Montag in Cham passiert. Die schönste Begründung dafür hat Regierungspräsident Walter Jonas geliefert: „Wenn man über so einen Menschen an seinem 90. Geburtstag etwas sagen würde, dann müsste man wirklich gut aufpassen, dass man ihm gerecht wird.“ Und so wird es an diesem Tag das, was sich der renommierte Baustoffhändler Max Schierer gewünscht hat: ein Kommen und Gehen – ohne große Worte.

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Landrat Franz Löffler erzählt die Geschichte, wie er mit 15 Jahren aus der Maristenschule ins Unternehmen Schierer gegangen ist und dort ein Vorstellungsgespräch mit Max und Ludwig Schierer gehabt hatte. „Die haben gesagt: Den nehmen wir, wenn der mit 15 einfach alleine hierherkommt und sich bewirbt.“ Wie man heute weiß, ist es anders gekommen.

Bäckermeister Fritz Berg bringt seinem Freund Max Schierer eine vielsagende Torte – mit Bayerwald, Mauerwerk, Heli-Skiing, Tennisschläger und dem FC Bayern. - Foto:

Auch Bürgermeister Martin Stoiber schaut vorbei und hat kein Problem damit, keine Rede zu halten: „Es spricht einfach für sich, wenn jemand in so schweren Zeiten ein derart erfolgreiches Familienunternehmen hochgezogen hat.“ Freunde aus Politik und Wirtschaft kommen an diesem Tag ins Stilhaus, und auch die Mitarbeiter gratulieren dem Seniorchef.

Mit Lady Di in der Sauna

Am Buffet erzählt Schierer Geschichten aus seinem bewegten Leben. Im Hotel in Lech in Österreich war er mit einer fremden Dame in der Sauna. Als die später am Buffet wieder neben ihm steht, fragt er den Ober: „Die kenn ich doch..?“ Und der Ober raunt ihm ins Ohr: „Das ist die Lady Di!“ Das war einer der wenigen Momente, in denen auch Max Schierer sprachlos war. Sein Erfolgsgeheimnis verrät er bei einer Tasse Kaffee: „Lächeln“, sagt er. Beim Skifahren in Kanada hat Weltmeister Aksel Lund Svindal beim Abschied gesagt: „Mit 70 möchte ich auch noch so Skifahren können wie der Max Schierer.“ Und der Max hat ihn verbessert: „Mit 73!“

Und Schierer erzählt, wie er mit seiner Belegschaft 2002 gegen das Hochwasser gekämpft hat, das einen halben Meter hoch schon im Vorraum stand. Und er verrät ganz nebenbei ein weiteres Erfolgsgeheimnis: „Nie aufgeben!“

Und wer an diesem Tag doch noch wissen wollte, welche Auszeichnungen der Max Schierer schon hat, der konnte sich an einer rundum beklebten Palette mit Heidelberger Zement informieren. Wir verraten es: Es waren viele. Sehr viele.

Max Pongratz ist 50 Jahre in der Firma, fährt heute noch ab und zu im Lager den Stapler und bringt seinem Chef ein Glas Preiselbeermarmelade. Selbst gepflückt – Ehrensache. - Foto:

Die besondere Geschichte

Von Johannes Schiedermeier

Der Schierer Max, der Buchberg und das Ei

Weißt Du, hat der Schierer Max vor einem Jahr zu mir gesagt, irgendwann gehe ich vielleicht nur noch rund um den Satzdorfer See. Mit seinem 90 Jahren klettert er nämlich jeden Tag noch über den Buchberg und parkt vor meiner Haustüre. Mit den Jahren wurden die Berge kleiner: Arber, Kaitersberg, Lamberg – jetzt Buchberg. Jeden Nachmittag kommt der Schierer Max. So sicher, wie die Uhr tickt. Bei Wind und Wetter, bei Regen, Frost oder 30 Grad im Schatten.

Irgendwann fährt das Firmenauto vor und er steigt aus – mit nackten Wadeln, Kniebundhose, Outdoorjacke und seinen zwei Walking-Stöcken. Dann stapft er den Buchberg hinauf und wieder hinunter. Nach einer Stunde ist er wieder da. Wenn man ihn mit seinen 90 Jahren dafür bewundert, dann sagt er nur: „A geh – mit Stecka!“ Als könnte das jeder.

Er hat für alle einen Gruß oder ein freundliches Wort. Die Leute mögen ihn. Weil er ein Mensch ist. All der Erfolg und das Geld sind ihm nie zu Kopf gestiegen.

Die beste Ehefrau von allen hat gerade ein ganz frisches Ei aus dem Legenest unserer Hennen geholt. Da steigt der Schierer Max aus dem Auto und greift sich die Wanderstöcke. Sie hat ihn gefragt, ob er das noch legewarme Ei haben will. Und dann steht er dort vor dem Gartenzaun, der Chamer Unternehmer, der schon alle Auszeichnungen in seinem Leben erhalten hat, hält dieses Hühnerei in der Hand und strahlt: „Oh mei, kriag i des wirklich?“

Der Schierer Max hat es mit heim genommen und gegessen. Und heute noch behauptet er glaubwürdig, es sei das beste Ei seines Lebens gewesen.

Jedes Mal, wenn wir zuhause sind, dann schauen wir, ob der Schierer Max nach einer Stunde wieder bei seinem Auto ist. Und beim Eintrag in sein Geburtstagsbuch habe ich ihm gewünscht, dass er noch viele Jahre bei uns wandern möge. Und was sagt der Schierer Max an seinem 90., umringt von etlichen Gästen? „Pfiad di – bis heut’ Nachmittag!“ Und ich traue ihm das zu.