Vorstoß: Soll Stolper-Pflaster in der Regensburger Altstadt abgeschliffen werden?

So kann man sich auch den Weg in das Rathaus ebnen: Der Planungsausschuss des Regensburger Stadtrates wird sich am Dienstag mit dem Pflaster rund um den Haidplatz beschäftigen.
Der Vorschlag kommt von den FDP-Stadträten Horst Meierhofer und Gabriele Opitz. Überschrieben ist der Antrag mit „Barrierefreiheit von Kohlenmarkt bis Haidplatz“. Die Liberalen betonen, dass gerade das Kopfsteinpflaster in der Altstadt für mobilitätseingeschränkte Personen eine Herausforderung sei. „Nicht nur Rollstuhlfahrende, Personen mit Krücken, Stock, Rollatoren, oder auch einfach Familien mit Kinderwägen kämpfen oft mit dem unebenen Untergrund.“ Zumindest die Erreichbarkeit von städtischen Einrichtungen wie der VHS und der Bibliothek sollte besser sein. Gerade das Thon-Dittmer-Palais haben die beiden Stadträte im Blick. „Die Kontaktgruppe Behinderter und Nichtbehinderter e.V. (KBN) hat sogar ein Büro am Haidplatz.“
Vorbild Nürnberger: Glatteres Pflaster für Fußgänger und Radfahrer in Regensburg
Die Forderung: Die Stadt solle mindestens vom Kohlenmarkt bis zur Ludwigstraße eine Wegverbindung ohne Pflastersteine schaffen, die mit einer ebenen Oberfläche auch eingeschränkten Personen eine gute Erreichbarkeit der dortigen Einrichtungen bietet. In Nürnberg sei eine solche Spur bereits 2019 errichtet worden.
Die Liberalen spinnen die Idee noch weiter. Man könne überprüfen, ob durch einen breiteren Weg sogar eine Spur für Radfahrer errichtet werden könnte – das würde auch Fußgänger auf dieser Platzfolge entlasten.
Herausforderungen im Verkehr in Regensburg
Meierhofer sagt auf MZ-Nachfrage, dass er durch Bekannte auf die Problematik aufmerksam gemacht wurde. Auch durch ein Abschleifen des Pflasters auf der Platzfolge sei ein grundsätzliches Problem noch nicht gelöst. Die Altstadt sei für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oft ein Hindernis. Der Bus schaffe Abhilfe. Aber, sagt Meierhofer: „Man muss ja erstmal zur Haltestelle kommen.“ Dabei profitierten nicht nur Eingeschränkte von der Idee, betont Meierhofer. „Das betrifft viele, das geht bis hin zu Menschen, die mit Stöckelschuhen unterwegs sind.“
Bei der im Antrag erwähnten Kontaktgruppe Behinderter und Nichtbehinderter findet die Idee Anklang. Chef Julian Knott sagt, dass immer wieder Menschen über das Stolper-Pflaster klagen. Die KBN hat zahlreiche inklusive Angebote im Programm. Sie sollen ein Gefühl von Gemeinschaft schaffen – der springende Punkt dabei: Um Gemeinschaft zu erleben, muss man zusammenkommen. Das sei durch das Pflaster mitunter schwierig. „Gerade die Situation vor dem Thon-Dittmer-Palais ist extrem“, sagt Knott. Bis auf wenige Ausnahmen sei allerdings die gesamte Altstadt herausfordernd.
Stadt: Nur zwei Beschwerden pro Halbjahr wegen Barrierefreiheit am Haidplatz in Regensburg
Es gebe allerdings auch Positiv-Beispiele, sagt Knott. Die Wahlenstraße etwa, oder die Steinerne Brücke. Dort sei flaches Pflaster verlegt worden. Er hofft durchaus auf eine Besserung, sagt der KBN-Leiter. Dazu werde man allerdings wohl Stück für Stück die Altstadt sanieren müssen.
Eine Stadtsprecherin sagt auf Anfrage, dass den Inklusionsbeauftragten immer wieder Beschwerden zum Thema Barrierefreiheit rund um den Haidplatz erreichen. Es handele sich allerdings nur um etwa zwei im Halbjahr.