Winterdienst für Regensburger Radler: 90.000 Euro für eine Route?

Wenn es schneit und glatt wird auf den Straßen wie dieser Tage, dann haben es Radler in Regensburg schwerer als Autofahrer. Während Hauptverkehrsstraßen in der Regel zügig geräumt werden, ist das auf viel frequentierten Radrouten seltener der Fall. Zumindest bei der ersten Regensburger Hauptradroute 5 von Sinzing zum Hohen Kreuz soll sich das auf zehn Kilometern bald ändern.
Die Stadt schlägt einen Pilotversuch vor, den aber eine externe Firma stemmen soll, weil der eigene Winterdienst am Anschlag sei.
Mit der Beschlussvorlage, der am Dienstag der Planungsausschuss des Stadtrats zustimmen soll, kommt sie einem Antrag der Grünen vom Januar 2025 nach. Sie beklagten: „Die bestehenden Einsatzstufen, die eine priorisierte Räumung der Radwege erst nach Abschluss anderer Aufgaben ermöglichen, führen oft zu erheblichen Verzögerungen.“ Sie baten unter anderem um den Pilotversuch, vorzugsweise auf der damals gerade fertiggestellten Route 5, möglichst ab Winter 2025/2026 – was nun nicht mehr zu schaffen ist – und um Informationen zu den Kosten einer höheren Priorität für die Radroute. Nur CSU, FDP und AfD waren damals dagegen.
Räumfahrzeuge teils „überaltert“
Nun räumt die Stadt in ihren Ausführungen zur „technischen und personellen Ausgangslage“ im Fuhramt ein: „Bereits heute kann die gesetzliche Räumfrist (werktags bis 7 Uhr, sonn- und feiertags bis 8 Uhr) oft nur mit großer Anstrengung eingehalten werden.“ Wegen aufgeschobener Beschaffungen müsse schon der reguläre Dienst „teilweise mit überalterten, unwirtschaftlichen Fahrzeugen“ erledigt werden. Müssten nun die elf dafür in Frage kommenden Kollegen die Radroute 5 betreuen, würde das bei Personalengpässen dazu führen, „dass sie im gesetzlich priorisierten Bereich für Gehweg- und Pflichtaufgaben fehlen“.
Für die Radroute wären mindestens zwei verschiedene Fahrzeuge und vier Mitarbeiter für in Summe rund 435.000 Euro im ersten Jahr notwendig, weil sie über „Flächen mit unterschiedlichen Streumittelvorgaben“ führe; in Parks ist der Umwelt zuliebe kein Salz zulässig, während auf Radwegen ein Salz-Splitt-Gemisch und auf Fahrbahnen Feuchtsalz verwendet werden darf, einem Stadtratsbeschluss von 1997 zufolge aber kein Splitt. Die Stadtverwaltung schlägt nun vor, die für einen morgendlichen Winterdienst im Pilot-Jahr nötigen Dienstleistungen für 75.000 bis 90.000 Euro an Externe zu vergeben.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club kritisiert: „Die Kosten sind hoch und es ist eigentlich Stückwerk“, so Kreischef Benedikt Benz. Trotzdem wäre es gut, „wenn mal was passiert“, weil mit zweierlei Maß gemessen werde bei Rad- und Autoverkehr. „Niemand würde anzweifeln, dass die Furtmayrstraße geräumt werden muss. Aber bei den Radrouten wird jahrzehntelang diskutiert.“ Dabei habe der Stadtrat ganzjährig nutzbare Hauptwege beschlossen.