Winterdienst für Radler in Regensburg: Geht das besser?

Von Juliana Ried · 6. Februar 2025 um 05:00

Regensburger Radwege werden zum Teil tagelang nicht geräumt. Ein Pilotprojekt soll eine sichere Hauptroute bringen, das haben jetzt die Grünen erfolgreich gefordert. Aber ändert sich auch im Rest der Stadt etwas?

Wer auch im Winter mit dem Rad in der Stadt unterwegs ist, stößt auf viele Hürden, wenn es glatt ist oder schneit. Mal ist geräumt oder gestreut, mal nicht, und an Kreuzungen endet der Weg auch mitunter in einem Schneehügel, den ein Räumfahrzeug dorthin geschoben hat. Viele Regensburger Radler wünschen sich, dass sie auch im Winter verlässlich und sicher ans Ziel kommen.

Aus Sicht der Stadt ist das allerdings „nicht sehr einfach“ zu erfüllen, so formulierte es am Dienstagnachmittag im Planungsausschuss des Stadtrats Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD).

Theoretisch gibt es zwar ein Winter-Radwegenetz in Regensburg, zu finden ist es im Geoportal. Dieses ist aber wenig verlässlich, weil die Stadt bei „besonderer Witterung“ vorrangig Hauptverkehrsstraßen, Buslinien, Straßenüberquerungen und Bushaltestellen winterdienstlich betreut.

„Keine moderne Planung“

Benedikt Benz, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Regensburg, sagt über das Winter-Radwegenetz: „Das ist meiner Erfahrung nach nicht zu gebrauchen.“ Er selbst habe beispielsweise auf der Nibelungenbrücke erlebt, „dass es eine Katastrophe war“. Während die Fahrbahn sofort geräumt worden sei, sei auf dem Radweg Tage später noch Schnee gelegen. „Das hat nichts mit moderner Verkehrsplanung zu tun“, sagt Benz. Immerhin würden ein Viertel aller Wege in Regensburg mit dem Rad zurückgelegt. „Das sind einfach eine Menge Menschen, die jeden Tag mit dem Rad fahren.“

Die Grünen im Stadtrat baten nun die Verwaltung darum, Maßnahmen zur Verbesserung des Winterdienstes auf Radwegen samt einem Pilotversuch zu erarbeiten. Das soll auch passieren, wie der Planungsausschuss gegen die Stimmen von CSU, FDP und AfD entschied. Das Gremium beschloss, dass die Verwaltung ein Konzept für einen priorisierten Winterdienst auf einer Fahrradhauptroute erarbeiten soll, der auch Erkenntnisse bringen soll für die ganze Stadt.

Grüne: Nebenstraße in der Priorität nach hinten schieben

Grünen-Stadtrat Michael Achmann-Denkler erklärte, bei dem Pilotversuch gehe es darum, „dass man sich auf der Route ein Konzept überlegt, wie können wir diese Route auch ganzjährig gut und sicher für den Radverkehr befahrbar halten“, möglichst für den Winter 2025/2026. Darüber hinaus wünschen sich die Grünen eine Strategie, „wie man das in Zukunft ausweiten könnte, auf andere Hauptrouten, auf andere Brücken“. Er regte an, dass die Verwaltung die eine andere Nebenstraße in der Priorität nach hinten schieben könnte, um das gewonnene Budget für Winterdienst auf Radwegen zu nutzen. „Wie kann man mit der Einsatzpriorität arbeiten, dass Radwege oder Fahrradstraßen vielleicht nicht erst Tage nach dem ersten Schneefall geräumt werden?“, fragte er.

Die OB entgegnete, das Problem sei „nicht einfach durch Umschichtungen zu lösen, also kostenneutral“. Die Verwaltung könne aber einen Pilotversuch für eine „organisatorisch bewältigbare“ Route erarbeiten und das mit einem „Preisschild“ versehen. Annegret Wolfseher, die Chefin des Fuhramts, erklärte dazu: Das bayerische Straßen- und Wegegesetz schreibe vor, dass verkehrswichtige und gefährliche Stellen und Fußwege Priorität hätten. „Dass wir eine Radroute on top betreuen, können wir mit den derzeitigen personellen und maschinellen Ressourcen nicht leisten.“ Die OB sagte, es würden auch nicht alle Autorouten sofort geräumt, es gebe verschiedene Kategorien, und bei schlechter Witterung müssten sich auch Radler anpassen. „Man muss halt die Straße nehmen, wenn man sieht, dass es auf dem Radweg zu gefährlich ist.“ Gabriele Opitz (FDP) pflichtete ihr bei. „Ich kann auch mal bei extrem schlechtem Wetter zu Fuß gehen.“

Thema seit Jahren bekannt

Benedikt Suttner (ÖDP) und Florian Rottke (Brücke) pochten dagegen auf mehr Tempo beim Winterdienst für Radler. Das Thema sei seit Jahren ein Dauerbrenner, sagte Suttner. „Was ich nicht gelten lassen kann, dass gesagt wird, wir können das so schnell nicht umsetzen.“ Rottke betonte, dass der erfolgreiche Radentscheid für ganzjährig befahrbare Hauptrouten bereits 2019 war. „Wir wollen die Verkehrswende, wir wollen mehr Radfahrer. Außer es schneit. Dann wollen wir das alles nicht. Das ist doch Quatsch.“

Benedikt Benz ist Kreisvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs.