Präsenz statt Bespaßen: Wie eine Kötztingerin Eltern und Kind mit dem FenKid-Konzept achtsam begleitet

Musikalische Früherziehung, Kinderturnen, Eltern-Kind-Yoga: Für Familien mit Kleinkindern scheint die Anzahl an Kursangeboten schier unendlich. Das FenKid-Konzept ist nur eines von vielen. Für die Kötztingerin Tina Bunk war es in ihrer Mutterschaft genau das passende Angebot. Noch während der Elternzeit hat sich die Krankenschwester selbst zur Kursleiterin ausbilden lassen.
Als die offene Spielzeit der 75-minütigen Kurseinheit beginnt, stürmen manche der Kinder sofort auf die ausgelegte Spiellandschaft mit glitzernden Bällen, Puzzles und Bausteinen los. Manche bleiben einfach bei ihren Müttern sitzen, deren Aufgabe es ist, ihre Kinder nur zu beobachten und sie nicht aktiv zu bespielen.
„Ich muss nicht ständig mit der Rassel vor dem Gesicht meines Babys rumwedeln. Oft reicht es einfach präsent zu sein und die Kinder ihre Neugierde ausleben lassen“, erklärt Bunk. Eltern lernten bei der stillen Beobachtung mehr über die Bewegungs- und Persönlichkeitsentwicklung ihres Kindes.

Kinder dürfen sich in Ja-Umgeung frei entfalten
Die Kinder im Alter zwischen drei Monaten und zwei Jahren befinden sich während der Kursstunde in einer Ja-Umgebung, wie sie Bunk nennt. „Hier dürfen sich die Kinder frei entfalten und ihre Umgebung erkunden.“ Nach einer gewissen Zeit kommen sie meist selbst zu ihren Eltern zurück, weil das „ein sicherer Hafen“ ist. Dort tanken die Kinder auf und können wieder rausgehen zum Spielen, erklärt Bunk. „Wir müssen unsere Kinder gar nicht immer bespaßen. Meist brauchen sie nur jemanden, der zusieht.“
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Das offene Spielen ist aber nur ein fester Bestandteil der sechs Kurseinheiten. Es wird auch zusammen gesungen, um die Sprachentwicklung und das Körpergefühl der Kinder und Babys zu stärken. Während der Spielphase stehen außerdem die Eltern im Mittelpunkt.
Hilfsmittel für Mütter und Väter im stressigen Alltag
Bunk wird Hilfsmittel an die Hand geben, die die Erwachsenen im Alltag einbauen können, um sich selbst wieder mehr zu spüren, wie etwa mit Meditationen oder Handmassagen. Zudem gibt es in jeder Kurseinheit ein zentrales Gesprächsthema, das die Mütter derzeit beschäftigt, wie etwa Stillen, Zahnen oder Beikost.
„Ich will die Eltern auch mental abholen, ihren Problemen Raum geben und sie nicht einfach unter den Teppich kehren“, erklärt die Kursleiterin. Es gehe nicht nur darum, passende Ratschläge zu liefern. Manchmal wollen sich die Mütter einfach gehört fühlen.
Gerade dieser geleitete Austausch habe Bunk, als sie selbst an den Kursen teilnahm, begeistert. Die zweifache Mutter sagt: „Man kommt in den Gruppenraum und merkt, man ist mit den ganzen Themen rund um die Babyzeit nicht alleine. Das war super bereichernd.“
Für mich gab es nicht dieses große: Mir passt jetzt was nicht mehr, ich will unbedingt was umkrempeln, sondern es war eher eine natürliche Entscheidung.Tina Bunk über ihren Berufswechsel
Wie dieser Kurs ihr Leben nachhaltig beeinflusste, ahnte Bunk damals nicht. Begeistert vom FenKid-Konzept startete Bunk noch während ihrer Elternzeit mit der Ausbildung zur Kursleiterin. Sie kehrte ihrem Beruf als Fachkrankenschwester für Intensivmedizin und Anästhesiepflege den Rücken – wenn auch nicht bewusst: „Für mich gab es nicht dieses große: Mir passt jetzt was nicht mehr, ich will unbedingt was umkrempeln, sondern es war eher eine natürliche Entscheidung.“
Ihr sei es darum gegangen, das weiterzugeben, was sie in ihrer Mutterschaft durch die Kurse selbst vermittelt bekommen habe: „Ich lehne mich zurück, ich darf einfach sein, das ist ein geschützter Raum, der für jedes Thema offen ist. Das war auch mein Wunsch, da weiter anzuknüpfen.“ Dazu absolvierte Bunk eine sechstägige Schulung in München und besuchte weitere Fachtage.
Was machen Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder falsch?
Inzwischen ist Bunk seit 2022 freiberuflich als Leiterin der FenKid-Kurse tätig. Seit einem Jahr finden die Einheiten nun in den Räumen des Ulrichshofs in Rimbach statt. Sie finde es beachtlich, wie Eltern es zunehmend schafften, alte Erziehungsmuster abzulegen, und lernten, umzudenken. Eine Floskel hört sie von den Eltern aber dennoch immer wieder: „Ich weiß nicht, was ich falsch mache.“ Es sei aber falsch, so zu denken, findet Bunk. „Man macht nichts falsch. Man versucht sein Bestes. Ein Kind großzuziehen ist eine Riesenaufgabe. Man ist ja selber auch nur ein Mensch.“
Ihren Berufswechsel hat die Kötztingerin aber noch nicht bereut. „Durch meine erste Mutterschaft habe ich einfach einen neuen Blickwinkel bekommen. Das ist nun mein Herzensprojekt geworden.“ Ihrer Meinung nach gebe es nichts Schöneres, als mit anderen Müttern in den Austausch zu kommen.
Das Konzept
Begleiten: In den FenKid-Kursen bekommen Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder feinfühlig in deren Bewegungs- und Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten, ohne sie dabei ständig aktiv zu bespielen.
Pädagogik: Das Konzept basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Bindungs- und Entwicklungspsychologie sowie pädagogischen Ansätzen von Maria Montessori („Hilf mir, es selbst zu tun“), Emmi Pikler („Lass mir Zeit“) und Jesper Juul („Beziehung statt Erziehung“).
Lizenz: Die Leitgedanken wurden von der Münchner Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein e. V. entwickelt. Sie sind deutschlandweit verfügbar. Um Kursleiterin zu werden, hat Tina Bunk eine Lizenz im Rahmen einer Ausbildung in München erworben. Bis 2022 arbeitete sie als Gesundheits- und Krankenpflegerin.