Jazzclub Abensberg: „Wohnzimmerkonzerte“ mit Wohlfühlgarantie

Von Lucia Pirkl · 9. Januar 2026 um 11:47

Der Jazzclub Abensberg stellt sein Frühjahrsprogramm vor: Warum die neue „Heimat“ dem Verein so gut gefällt.

Ein aufregendes Jahr liegt hinter dem Jazzclub. Noch Anfang 2025 wussten Anton Supritz und Michael Gottwald nicht, wie es nach der Schließung des Centers weitergehen wird. Ein Jahr später zeigt sich, dass die Sorgen unbegründet waren. „Das Stannx wird besser angenommen, als wir gedacht hatten“, sagt Gottwald, der im Verein zuständig ist für das Künstler-Booking. Neben dem Stammpublikum kämen auch neue Gäste. Und dass die neue Jazzclub-Location in der Aumühle auch barrierefrei zu erreichen ist, sei ein weiterer Pluspunkt. „Wir konnten uns ja nicht vorstellen, wie aus einer alten Kneipe so ein toller Raum wird“, gesteht Gottwald im Rückblick. Aber Uwe Brandl hatte im Rahmen der Stanglmeierstiftung, der das Gebäude gehört, umfassend renovieren und gestalten lassen, Sportheim- durch Loungeatmosphäre ersetzt.

Im Gegensatz zum Center müsse man dafür im Stanxx auf eine Bühne verzichten. Das sei aber nicht immer nur ein Nachteil. Weil es keine Barriere zwischen Künstler und Publikum gibt, sei der Rahmen nun sogar intimer, „das ist dann mehr wie ein Wohnzimmerkonzert“, so Gottwald.

Mit Echoes in Blue kommen Newcomer aus Regensburg nach Abensberg. - Foto: Susi Blattert

Newcomer und Jazzgrößen

Bei Gästen und Musikern gleichermaßen scheint das Stanxx gut anzukommen. Und so hatten Gottwald und Supritz auch für dieses Jahr keine Mühe, ein abwechslungsreiches Jazzprogramm vorzulegen. Darunter befinden sich einige Altbekannte mit Wurzeln in Abensberg, wie Clarissa Forster, die am 20. April ihr neue CD mit einem Teil der Band vorstellt, Newcomer wie „Echoes in Blue“ aus Regensburg (2. März) oder aber auch bekannte Jazzgrößen wie Alma Naidu (13. April). „Das ist eine der gefragtesten Jazzsängerinnen in der europäischen Jazzszene zur Zeit“, sagt Supritz. „Ich hab ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet das das was wird“, räumt auch Gottwald ein. Aber weil montags andernorts selten Konzerte sind, können Künstler oft auch auf dem Weg zwischen zwei Konzerten einen Gig in Abensberg einschieben.

Cordes Sauvages setzt auf Gipsy Swing und auf weltbekannte Chansons. - Foto: Arpad Vulkan

Die guten, jahrelang gepflegten Kontakte und auch, dass Musiker mit kleinem Gepäck und deshalb auch deutlich günstiger nach Abensberg reisen können (siehe Infokasten), schaden sicherlich auch nicht.

Und so freut man sich darauf, dass es nach der Winterpause am kommenden Montag, 12. Januar, mit dem Armin Jambor Quartett wieder los geht mit dem montäglichen Jazz. Nachdenkliche Melodien und ausdrucksstarken Sound hat der in Wien lebende Saxophonist, Komponist und Arrangeur im Gepäck.

Mit Maloom (19. 1.) folgt dann eine Woche später eine Band, die schon einmal in Abensberg mit ihrer Mischung aus Soul, Jazz und Modern Gospel zu Gast war.

Anton Supritz und Michael Gottwald freuen sich schon auf jede Menge toller Konzerte. - Foto: Pirkl

Les Flaneurs Du Jazz und die Weiss-Brüder (26. Januar) bringen Gipsy-Jazz auf die Bühne und führen dabei die Tradition des Trio-Gründungsmitglieds Helmut Nieberle fort.

Polnisch angehaucht, zumindest, was die Herkunft der Musiker betrifft, präsentiert sich das Michael Kornas Quartett (2. Februar). Kornas hatte in Krakau studiert und ist mittlerweile ein fester Bestandteil der örtlichen Jazzszene.

Funk, Soul, Gipsy

Funkig und soulig wird es dann mit Charles Leimer and Friends (9.2.), bevor mit dem Artur Rutkevich Quartett eine Band in Abensberg zu Gast ist, die ihre Heimat in den Jazzclubs Berlins hat.

Das Natasha Zaychenko Trio bringt moderne Klänge mit (9.3.). Bassistin Zaychenko beweist zudem, dass Jazz längst keine reine Männerdomäne mehr ist.

Mit dem Mátyás Bartha Trio feat. Scott Robinson (23.3.) geben sich dann ein zweites Mal Gäste aus Wien ein Stelldichein, selten gespielte Perlen und Eigenkompositionen inclusive. Bartha ist auch im Armin Jambor Quartett, genauso wie Danny Ziemann, der als Bassist in beiden Gruppen spielt. In der Wiener Jazzszene sind sie feste Größen.

Das Ulrike Goebel Quartett (27. 4.) aus Nürnberg verbindet unbändige Spielfreude und Lust an der Improvisation – eine Musik voller Gegensätze

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Bei Cordes Sauvages (4. 5.) sitzt schließlich Gottwald selbst am Schlagzeug. Die Band, die seit 40 Jahren in wechselnder Besetzung existiert, widmet sich dem französischen Gipsy Swing, erweitert um ein großes Repertoire an weltbekannten Chansons, Jazzstandards oder lateinamerikanischen Hits.

Mit neu interpretiertem New-Orleans-Jazz samt einem Schuss Sixties-Pop schließen John Q Irritated am 11. Mai das Frühjahrsprogramm des Jazzclubs ab.

Förderungen und Auszeichnungen helfen dem Verein enorm

Jazzclub: Konzerte sind immer montags um 20.15 Uhr im Stanxx, Aumühlstraße 1 in Abensberg. Der Eintritt beträgt 12 Euro, für Mitglieder des Jazzclubs 6 Euro.

Förderung: Mit Hilfe einer Förderung vom Bayerischen Jazzverband konnte ein digitales Mischpult angeschafft werden, um den Klang im Raum optimal zu steuern.

Ein Schlagzeug, ein Keyboard, verschiedene Verstärker konnten durch eine weitere Förderung von der Raiffeisenbank Bayern Mitte gekauft werden. Weil Reisekosten hoch sind, lassen Bands sperriges Equipment gerne auch mal zuhause und reisen lieber mit „leichtem Gepäck“.

Auszeichnung: Der Jazzclub Abensberg wurde zum vierten Mal in Folge für sein hervorragendes Programm vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet (wir berichteten). „Die Auszeichnung ist eine Ehre für unseren kleinen Jazzclub Abensberg – und zeigt, dass wir uns mit Engagement, Herzblut und Herzlichkeit einen Namen in der deutschen und europäischen Jazzszene gemacht haben. Auszeichnungen wie diese helfen natürlich, unseren Club als erstklassige Spielstätte bei den Musikerinnen und Musikern noch bekannter und zu einem ,must go and play there‘-Ort für die Musikerinnen und Musiker zu machen“, sagt Vorsitzender Anton Supritz. Das Preisgeld nutzt der Jazzclub, der ja nur aus Ehrenamtlichen besteht, zur Aufstockung der Musiker- und Band-Gagen. „Bei 26 Eigenveranstaltungen sind das immerhin 96,- pro Veranstaltung“, so Supritz.