Am Schwetzendorfer Weiher: Familienvater rettet Jungen aus Eisloch

Es ist gerade noch einmal gut gegangen – dank Dominic Lemm, der rechtzeitig beherzt zugepackt hat. Der 40-jährige Familienvater aus Lorenzen zog am Mittwochnachmittag den elfjährigen Luis aus Hainsacker aus dem Schwetzendorfer Weiher im Landkreis Regensburg. Der Junge war am mittleren Steg in ein nur leicht zugefrorenes Eisloch getreten.
Lemm war am Mittwoch gegen 15.30 Uhr mit seinem Sohn Julian und seiner Tochter an den zugefrorenen Badesee gekommen. Julian zog sich gerade die Schlittschuhe auf dem Steg an, als Luis vom Eis aus seinen Freund aus Hainsacker bemerkte. Luis wollte daraufhin zu seinem Freund auf den Steg, als es passierte.
Am Telefon erzählt der Elfjährige, wie es passiert ist. Als er im Bereich der dortigen Trittleiter vom Eis auf den Steg steigen wollte, brach er plötzlich ein. „Im Fallen hab ich noch die Leiter erwischt“, berichtet Luis von dem Moment, als die dünne Eisschicht plötzlich unter ihm nachgab. Während er sich an die Leiter klammerte, packte Dominic Lemm auf dem Steg geistesgegenwärtig zu und zog den Jungen aus dem Wasser. Glücklicherweise trug der Junge einen Rucksack. „Sonst hätte ich ihn vielleicht nicht so schnell zu fassen bekommen“, erinnert sich der Retter, der überzeugt ist, dass in diesem Augenblick jeder zugegriffen hätte. „Da muss man doch helfen“, sagt er.
Schreckmoment im eiskalten Wasser
„Das war ein ganz schöner Schock“, erinnert sich Luis an den Schreckmoment im eiskalten Wasser. Bis zum Bauch war er patschnass, merkte davon zunächst gar nicht soviel und wollte unbedingt noch sein Fahrrad holen, bevor ihn ein befreundeter Familienvater aus Pettendorf, der ebenfalls mit seinem Sohn zum See gekommen war, ins Auto packte und zu den Eltern nach Hainsacker brachte.
Die stellten ihren Sohn erstmal unter die Dusche und packten ihn warm ein. „Seine Haut war feuerrot, als wir ihm die nasse Kleidung ausgezogen haben“, erinnert sich sein Vater Christian Daunderer am Telefon. Doch Luis hat das Ganze gut überstanden, war gestern schon wieder in der Schule „Es ist gut ausgegangen, aber solche Löcher im Eis sind schon sehr gefährlich“, betont Daunderer. Das sieht auch Dominic Lemm so. Auch ihm war vom Steg nichts aufgefallen, was darauf schließen ließ, dass das Eis an dieser Stelle nicht trägt. „Man sieht nicht, ob die Eisfläche dick oder dünn ist“, sagt er.
Mehr als 100 Wintersportler auf dem See
Am Schwetzendorfer Weiher befanden sich zu diesem Zeitpunkt mehr als 100 Eisstockschützen, Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler und nutzten die zuletzt eher seltene Gelegenheit auf dem zugefrorenen Badesee. Denn in den letzten beiden Jahren gab es nahezu keine tragende Eisschicht auf dem See. Von dem Vorfall am mittleren Steg bekam allerdings kaum jemand etwas mit.
Dafür machte die Nachricht am Mittwochabend in den sozialen Medien schnell die Runde. Denn offenbar stammt das Loch im Eis von Eisschwimmern. Tatsächlich kommen schon seit Jahren Menschen im Winter an den Weiher, um ins eiskalte Wasser zu steigen. Das wird allerdings dann zum Problem, wenn es über einen längeren Zeitraum so kalt ist wie zuletzt. Denn wenn die Eisschicht auf dem See so dick ist, dass sich dort Wintersportler tummeln, wird das Eisbaden zu einer nicht zu unterschätzenden Gefahr.
Appell auf einem handgeschriebenen Zettel
Darauf wies am Donnerstagvormittag noch ein handgeschriebener Zettel hin, der am Geländer neben dem Weg befestigt ist, der zum mittleren Steg führt. „Liebe Eisschwimmer! Bitte aus Rücksicht auf die anderen Wintersportler keine Löcher mehr in die Eisdecke schlagen“, lautete der mit rotem Filzstift niedergeschriebene Appell. Die Gefahr des Einbrechens an diesen Stellen sei zu groß, warnte der unbekannte Verfasser. Am späten Nachmittag war dieser Zettel allerdings verschwunden.

Tatsächlich sorgen die zuletzt nicht selten zweistelligen Minusgrade in der Nacht dafür, dass sich auf Löchern, die tagsüber ins Eis geschlagen wurden, wieder eine dünne Eisschicht bildet. Dass sie gefährlich sein könnte, ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. So auch am Donnerstag, am Tag nach dem Unfall: Beim Ortstermin mit Retter Dominic Lemm ist die Eisfläche vor dem Steg schneebedeckt. Irgendwer hat einige Äste auf dem Eis vor der Trittleiter abgelegt, die mit rot-weißen Absperrbänder blockiert ist. Nur einige Eisplatten, die aus der ansonsten ebenen Fläche herausragen, deuten darauf hin, dass das Eis an der Stelle möglicherweise nicht trägt.
Bürgermeister kritisiert Eisschwimmer
Sehr deutlich kommentiert der Pettendorfer Bürgermeister Eduard Obermeier den Vorfall am Schwetzendorfer Weiher. „Verantwortungslose Dummheit“ nennt er es, Löcher in das Eis zu schlagen, auf dem sich Eissportler tummeln. Obermeier kann nicht verstehen, dass auf das Eisbaden nicht an den wenigen Tagen verzichtet werden kann, an denen Schlittschuhläufer und Eisstockschützen den zugefrorenen See nutzen. „Das ist doch sowieso nur noch sehr selten der Fall“, betont er.
Die Gemeinde Pettendorf, der der Badeweiher gehört, übernimmt seinen Worten zufolge im Winter keinerlei Verantwortung für das Treiben auf dem See. „Das können wir gar nicht leisten“, sagt Obermeier. Es werde weder die Eisschicht gemessen, noch erfolge eine offizielle Freigabe für den Wintersport. „Jeder, der die Eisfläche betritt, tut das auf eigenes Risiko“, betont der Bürger