Appell der Fachschule für Heilerziehungspflege: Hürden für Ausbildung abbauen

Von Oliver Hausladen · 8. Januar 2026 um 17:00

Derzeit steigen die Anmeldezahlen an der Fachschule für Heilerziehungspflege und Heilerziehungspflegehilfe der Barmherzigen Brüder in Reichenbach, berichtet Geschäftsführer Hans Emmert, jedoch sei damit der in den kommenden Jahren eintretende Personalmangel nicht abzufangen: 22 bis 25 Prozent der Fachkräfte würden bis 2034 in Rente gehen.

Deshalb gelte es, neue Möglichkeiten zu finden, um Menschen zu gewinnen, erläuterten Emmert und weitere Führungskräfte beim Besuch einer CSU-Delegation um den Gesundheitspolitischen Sprecher im Landtag, Bernhard Seidenaht, am Donnerstag.

Ausbildung bereits seit 54 Jahren

Schulleiter Markus Alt sprach über die aktuelle Situation und die Herausforderungen. Bereits seit 54 Jahren werden in Reichenbach junge Menschen als Heilerziehungspfleger für die Arbeit mit behinderten Menschen ausgebildet. Während der Corona-Pandemie gingen die Zahlen dabei stark zurück, nun sind sie aber wieder gestiegen. Dies liege zum einen daran, dass Praktika wieder möglich seien, antwortete Alt auf eine entsprechende Frage des Landtagsabgeordneten Gerhard Hopp, aber auch an den Reformen, die in den vergangenen Jahren umgesetzt wurden. Sehr positiv wirke sich dabei unter anderem das Einführungsjahr aus, dass etwa nach dem Abschluss der Mittleren Reife angeboten wird und so keine zweijährige Vorerfahrung mehr wie früher nötig ist. „Dadurch haben wir jetzt einen nahtlosen Übergang nach der Realschule“, erklärt der Schulleiter.

Interesse wecken

Attraktiver mache die Ausbildung auch die mittlerweile sehr gute Vergütung. Ebenso sei das System für Quereinsteiger offener geworden. Positiv sei auch, dass regelmäßig an Schulen der Beruf vorgestellt werde, „viele können mit dem Begriff anfangs nicht wirklich etwas anfangen, zeigen aber dann schnell Interesse“, hat Alt festgestellt.

Doch trotz dieser positiven Entwicklung könne der Bedarf an Fachkräften nicht mit den Auszubildenden abgedeckt werden, wenn die Generation der „Baby-Boomer“ in Rente gehe, betonen Emmert und der Schulleiter. Sie schlagen deshalb unter anderem vor, das Einführungsjahr visumsfähig zu machen. Die Barmherzigen Brüder seien weltweit tätig, vor allem in Indien, aber auch etwa in Uganda gäbe es viele Interessenten, die nach Deutschland kommen würden. Die entsprechenden Abschlüsse oder Vorerfahrungen sowie Deutschkenntnisse seien da, allerdings werde das Einführungsjahr nicht für ein Visum anerkannt. „Wenn die finanzielle Absicherung der Bewerber gesichert ist, wäre das durchaus eine sinnvolle Option“, sagt dazu Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Diese könne realisiert werden, meint Emmert. In Straubing gäbe es ein ähnliches Modell, wo über den Umweg einer staatlichen Schule sieben Vietnamesen derzeit eine Ausbildung durchliefen.

Brauchen Praxislehrer bald Bachelor-Abschluss?

Außerdem regte der Schulleiter an, die Mindestklassenstärke von 16, die für eine volle Förderung nötig ist, im ersten Jahr weniger streng anzusetzen, denn: „Die wenigsten Schulen schaffen das.“ In späteren Klassen, wenn etwa auch Quereinsteiger oder Abiturienten mit dazu kommen, sei das Problem weniger groß.

Bei den Praxislehrern könne nach aktueller Lage die große Schwierigkeit kommen, dass diese mindestens einen Bachelor-Abschluss benötigen. „Dann fehlen sie uns aber in der Praxis und in der Begleitung der Schüler, was kaum aufzufangen wäre“, gibt Alt zu bedenken.

Fundierte Ausbildung sehr wichtig

Dass eine fundierte Ausbildung sehr wichtig sei, unterstreicht der Bereichsleiter für Wohnangebote der Barmherzigen Brürder in Reichenbach, Michael Kiefl: „Die Behinderungsbilder werden immer komplexer und erfordern teilweise einen sehr hohen Unterstützungsgrad.“ Auch sei es oft nicht leicht, auf die Bedürfnisse der Behinderten einzugehen, wenn diese etwa nicht mehr kommunizieren könnten.

Seidenath und Löffler betonten den hohen Stellenwert, den die Heilerziehungspflege und die Ausbildung haben. „Die Humanität einer Gesellschaft zeigt sich im Umgang mit den Schwachen“, sagt der Gesundheitspolitische Sprecher. Es sei weiter wichtig, das Berufsbild noch bekannter zu machen und die Nachwuchsgewinnung zu intensivieren, etwa auch durch Aktionswochen. Die Politik wolle dazu beitragen und helfen, Probleme abzubauen.

„Enorm wichtige Aufgabe“

Beeinträchtigen Menschen die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen sei eine enorm wichtige Aufgabe, so Löffler. Es gelte, den Herausforderungen des Fachkräftemangels und der Finanzierung sinnvoll zu begegnen, wobei dies nicht einfach sei, da diese Probleme alle Bereiche betreffen.