Toter Wolf am Osser: Bürgermeister und BJV schießen gegen Umweltschützer

Von Johannes Schiedermeier, Stefan Weber · 7. Januar 2026 um 19:00

Ein toter Wolf, der nur knapp über der Grenze am Osser auf deutscher Seite Ende Oktober gefunden worden ist, lässt auch im neuen Jahr die Gemüter nicht zur Ruhe kommen. Rund um den Jahreswechsel melden sich nicht nur die Jäger zu Wort, sondern auch die drei Bürgermeister der Lamer-Winkel-Gemeinden.

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Franz Müller, Paul Roßberger und Gerhard Mühlbauer haben ein Schreiben unterzeichnet, in dem sie sich gegen den gleich zu Beginn der Affäre erhobenen Vorwurf wehren, im Lamer Winkel habe „Naturschutzkriminalität“ Konjunktur.

Faire Diskussion gefordert

Der Lamer Winkel stehe für „aktiven Naturschutz und eine Vielzahl erfolgreicher Umweltprojekte“, heißt es in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt. Entsprechende Vorwürfe seien „unbegründet und stellen eine Verleumdung unserer Bürgerinnen und Bürger und Diffamierung der gesamten Region dar“.

Dabei beziehen sich die Bürgermeister allerdings auf eine Pressemitteilung des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), dessen Kreisvorsitzender das tote Tier gefunden und gemeldet hatte, die kurz nach dem Fund auch im Internet kursierte, mittlerweile aber entfernt wurde.

„Wir haben uns lange darüber unterhalten, ob und wie wir reagieren sollten“, sagt Lams Bürgermeister Paul Roßberger im Gespräch mit unserem Medienhaus. Auch wenn die Mitteilung nicht mehr zu finden sei, sehe er seine Gemeinde zu Unrecht – und das nicht zum ersten Mal – öffentlich in ein falsches Licht gerückt, sagt Lohbergs Bürgermeister Franz Müller. Er könne sich noch gut an den final nie aufgeklärten Fall der abgeschnittenen Luchspfoten vor gut zehn Jahren erinnern, als Urlauber auch aufgrund der Vorwürfe ihren geplanten Aufenthalt sogar abgesagt hätten.

Seit Jahren für Natur und Umwelt engagiert

„Unsere Region engagiert sich seit Jahren für den Schutz von Natur und Umwelt – unabhängig von externen Organisationen“, halten alle drei Bürgermeister fest. „Das gezielte Platzieren eines toten Wolfes im Lamer Winkel, um unsere Region zu diskreditieren, ist nicht hinnehmbar und wirft Fragen zur Motivation und Gemeinnützigkeit des verantwortlichen Vereins auf“, schreiben die Bürgermeister. Sie fordern eine „sachliche und faire Diskussion über Naturschutz, basierend auf überprüfbaren Fakten und im Interesse aller Menschen in unserer Heimat“. Diffamierungen und „das Vortäuschen von Umweltstraftaten lehnen wir entschieden ab. Wir erwarten von den zuständigen Personen des LBV, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, solche Aktionen künftig zu unterbinden und richtig zu stellen“. Eine öffentliche Entschuldigung erachteten sie „als angebracht“.

Ebenfalls zu Wort meldet sich die BJV-Kreisgruppe Bad Kötzting: Die Jäger drängen „auf umfassende und vertiefte Ermittlungen im Zusammenhang mit dem am 26. Oktober 2025 im Lamer Winkel ausgelegten toten Wolf“. Sie bezweifeln, dass der gefundene Jungwolf aus Tschechien stammt, „weil im Umkreis von 100 Kilometern kein Wolfsrudel bekannt“ sei. Dennoch habe der LBV-Kreisvorsitzende, der den Fund gemeldet hatte, gleich zu Anfang von „Naturschutzkriminalität“ im Lamer Winkel gesprochen. „Für die BJV-Kreisgruppe Bad Kötzting deutet vieles darauf hin, dass diese Darstellung bewusst konstruiert wurde, um die Region öffentlich zu diskreditieren“, heißt es in der Stellungnahme. „Eine derart gezielte und aufwendige Aktion wirft Fragen auf, die über die Verantwortung einer einzelnen Person hinausgehen“, sagt der Kreisgruppenvorsitzende Roland Heigl, der Strafanzeige gegen den Finder gestellt habe. Bereits in der Vergangenheit habe es mehrere Versuche gegeben, den Lamer Winkel und verschiedene Interessengruppen in Misskredit zu bringen. Ein zentraler Punkt für die weitere Aufklärung sei für die Jägerschaft die tatsächliche Herkunft des Wolfs. Hinweise aus einem bundesweiten Netzwerk des Luchs- und Wolfskoordinators Heinrich Moser legten nahe, dass das Tier nicht wie behauptet in Tschechien gefunden wurde. Auch existiere Mosers Wissen zufolge im „(...) Umkreis von rund 100 Kilometern (...) kein reproduzierendes Rudel.“

Ein ähnlicher Fall?

Die BJV-Kreisgruppe bringt in diesem Zusammenhang einen Wolfsfund am 20. und 21. Oktober vergangenen Jahres im Raum Bautzen ins Spiel. Hier seien „zwei junge, etwa sechs Monate alte Wölfe tot aufgefunden“ worden. Laut Medienberichten habe es sich um weibliche Tiere gehandelt“, die zunächst ebenfalls als erschossen gegolten hätten. Untersuchungen hätten ergeben, dass sie „durch innerartliche Auseinandersetzungen zweier Rudel zu Tode“ gekommen waren.

Der LBV wehrt sich. „Mit Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass die Bürgermeister von Arrach, Lam und Lohberg in ihrer Pressemitteilung selbst nicht dem Anspruch gerecht werden, den sie zugleich von anderen einfordern. Wer eine ‚sachliche und faire Diskussion‘ fordert, gleichzeitig aber böswillige Unterstellungen erhebt und die Integrität sowohl einzelner Personen als auch des gesamten Verbandes infrage stellt, verlässt die Grundlage respektvoller Diskussionen.“ So lautet die Stellungnahme des LBV-Vorsitzenden Dr. Norbert Schäffer. Die Datenlage zeige, dass der Landkreis Cham immer wieder Brennpunkt von Naturschutzkriminalität sei.

So habe das Bayerische Landesamt für Umwelt 2015 zwei getötete Luchse im Gemeindegebiet Lam registriert. 2017 seien fünf Mäusebussarde und ein Rotmilan geschossen, 2019 mehrere vergiftete Vögel nachgewiesen worden. 2023 seien ein Weißstorch und ein Graureiher beschossen sowie 2025 ein Sperber, der überlebt habe. Der Vorwurf, viele Umweltstraftaten seien inszeniert, sei damit haltlos. „Wir stehen uneingeschränkt hinter dem Vorsitzenden der LBV-Kreisgruppe Cham“, so Dr. Schäffer, der sich ansonsten zum laufenden Verfahren nicht äußern will.

Der Fall aus polizeilicher Sicht

■ Gibt es neue Erkenntnisse? Gemäß des pathologischen Befundes gibt es laut Sprecher des Polizeipräsidiums Regensburg keine Anhaltspunkte, dass der Wolf erschossen wurde. Die Verletzungen deuteten darauf hin, dass der Wolf durch einen Artgenossen gebissen wurde und so zu Tode kam.

■ Was sagt die Polizei zu der Behauptung, der Wolf sei nur einige Meter gezogen worden? Aufgrund des laufenden Verfahrens könnten aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben gemacht werden, so die Polizei.

■ Hat die Polizei die gesuchten Zeugen gefunden? Nach einem Presseaufruf hat sich ein Zeuge bei der Polizeiinspektion Bad Kötzting gemeldet. In der Folge konnten weitere Zeugen vernommen werden, die allesamt nicht ortsansässig gewesen seien, so der Pressesprecher.

■ Wie ist der Stand der genetischen Untersuchung? Die Ermittlungen zur genetischen Herkunft laufen nach wie vor.

■ Was ist mit dem Verdacht der inszenierten Umweltstraftat? Die Ermittlungen seien nicht abgeschlossen. Es werde wegen des Vortäuschens einer Straftat sowie wegen eines Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetzes ermittelt, so der Pressesprecher