Abenteuer im Dschungel von Papua: Chamerin erklimmt den höchsten Berg Ozeaniens

Mount Everest, Mont Blanc oder Matterhorn – bekannte Größen der Bergwelt, auf denen schon mancher Bayer gestanden ist. Doch auf der Carstensz-Pyramide, dem höchsten Berg Ozaniens? Dort hat jetzt Fernanda Strasser aus Hohenwarth (Landkreis Cham) die bayerische Fahne gehisst und Bilder ihrer Expedition zukommen lassen.
Fernanda Strasser, die eigentlich als Dolmetscherin durch die Welt tourt, hatte dieses Mal Papua als Ziel. Und dort ging es hoch hinaus: die Carstensz-Pyramide ist mit seinen 4884 Metern der höchste Berg Ozaniens. Nicht nur der Berg faszinierte sie, sondern auch das Land. Sie schreibt: „Als ich mich auf den Weg machte, um die Carstensz-Pyramide zu besteigen, war ich ahnungslos, was das Schicksal Papuas betraf. Zwar hatte ich den Bestseller Dschungelkind gelesen, aber die politische Aktualität hatte ich vernachlässigt.“
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Flughafen im Dschungel
Die Carstensz-Pyramide gelte als der technisch anspruchsvollste und unzugänglichste der Seven Summits, den höchsten Gipfeln jedes Kontinents: „Als passionierte Bergsteigerin mit einer Vorliebe für außergewöhnliche Reiseziele war dieser Gipfel für mich unwiderstehlich.“

Von Bali aus sei sie noch zehn Stunden weiter über Makassar nach Timika auf der Insel Papua angereist. Ein surreal großer Flughafen, der neben dem kleinen Städtchen aus dem Dschungel ragte, überraschte die Neuankömmlinge – er sei ein Vorgeschmack auf die gewaltige Grasberg-Mine gewesen, die etwa 20 Kilometer entfernt die Landschaft beherrscht. Die Grasberg-Mine ist die größte Goldmine und drittgrößte Kupfermine der Welt.
Guerillakrieg schwelt
Die Gegensätze könnten kaum größer sein, so Fernanda Strasser: zwischen modernem Bergbau, betrieben vom amerikanischen Unternehmen Freeport – dem größten Steuerzahler Indonesiens sowie einem der größten Umweltsünder – und der Armut der indigenen Papuaner. Das sei nicht ohne Folgen: Es schwele ein Guerillakrieg in den Dschungelgebieten. Seit einer umstrittenen Volksabstimmung, bei dem die Papuaner für einen Verbleib bei Indonesien stimmen mussten, seien sie mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung konfrontiert.

Auffallend sei die Armut der indigenen Papuaner, die oft barfuß und in ärmlicher Kleidung unterwegs seien. Die Indonesier wirkten wohlhabender. „Im Hotel wurden wir gebeten, das Gebäude möglichst nicht zu verlassen – wegen der Entführungsgefahr durch papuanische Separatisten“, schildert sie. Trotzdem wagte sich die kleine Reisegruppe in einige lokale Läden, wo Baströcke und die berühmten Kotekas, die traditionellen Penisköcher, angeboten wurden.
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Helikopterflug über Riesenmine
Von Timika ging es zwei Tage später per 40-minütigem Helikopterflug ins Yellow Valley, das Basislager der Carstensz-Pyramide auf 4220 Metern Höhe. Die Durchquerung des Dschungels zum Berg sei seit 2017 aufgrund von Entführungen und gewaltsamen Überfällen nicht mehr möglich. „Überwältigt von der Weite des Dschungels, waren wir gleichzeitig schockiert von der brutalen Größe der Grasberg-Mine. Das Restloch des Tagebaus klaffte wie eine offene Wunde in der Landschaft, gefüllt mit dem hochgiftigen kupferhaltigen, türkisfarbenem Wasser – ein Anblick von brutaler Schönheit“, so Fernanda Strasser.

Schließlich erreichte die Gruppe die graue, unwirtliche Hochebene des Basislager. Um 3.30 Uhr des nächsten Morgen brach man im Schein der Stirnlampen zum Gipfel auf. „Zum Glück regnete es ausnahmsweise nicht, und der Aufstieg gestaltete sich angenehm – eine Kletterei im maximal vierten bis fünften Grad“, beschreibt die Chamerin.
Zwangsurlaub im Zwischenlager
Der spektakulärste Abschnitt sei die wackelige Kabelbrücke gewesen, die hin und her schwang wie ein Kuhschwanz. Nach weiteren zwei Stunden auf dem Grat mit atemberaubenden Ausblicken auf den Dschungel erreichte die Gruppe den verschneiten Gipfel der Pyramide. Der Abstieg sei schnell gegangen – bald sei man wieder sicher im Lager gewesen. „Doch was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Wir würden noch ganze fünf zusätzliche Tage im Basislager festsitzen, weil das schlechte Wetter verhinderte, dass uns der Helikopter holen konnte – und auch keine Nahrungsmittel liefern konnte.“

Die Vorräte schmolzen dahin, während Starkregen auf das Zeltdach trommelte. Schließlich mussten die Rationen gekürzt werden, da ja keiner wusste, wie lange der Zwangsaufenthalt dauern würde. Die Tage zogen sich in die Länge, der Regen zwang alle in den feuchten Zelten zu verharren: „Endlich, am sechsten Tag, riss die Wolkendecke auf, und wir wurden aus unserem nassen Albtraum erlöst“, so Fernanda Strasser. Das sei leider zu spät gewesen, um den gebuchten Heimflug von Bali aus noch zu erreichen.
„Die Carstensz-Pyramide hatte uns nicht nur einen Gipfel, sondern eine Begegnung mit der rauen Wirklichkeit Westpapuas geschenkt“, resümiert die Hohenwartherin.