Alltag in der Feuerwehr-Leitstelle in Regensburg: Fast 400 Notrufe jeden Tag

Man darf annehmen, dass es in jedem Hinterhof-Call-Center lauter, hektischer und unkoordinierter zugeht als hier. Dabei drehen sich die Telefonate, die die Mitarbeiter in der Integrierten Leitstelle (ILS) in Regensburg führen, nicht selten um Leben und Tod. Hier laufen alle Notrufe auf, hier werden die Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst in der Region koordiniert. Auch für den Landkreis Cham.
Video aus dem Jahr 2021
Sechs große Bildschirme am Schreibtisch, weitere Monitore an der Decke – nicht leicht, den Überblick zu behalten. Doch die sogenannten Disponenten der ILS können so viele wichtige Informationen im Blick behalten, über laufende Einsätze, verfügbare Fahrzeuge, Geodaten von Unglücksstellen, freie Betten in Krankenhäusern oder die Wetterlage zum Beispiel. Fast still geht es zu in der Leitstelle, konzentriert und fokussiert, aber ohne Hektik. Die ILS-Mitarbeiter telefonieren ruhig, stellen präzise Fragen, machen klare Ansagen. Freundlich, aber bestimmt und definitiv ohne Geschwafel.
268.000 Anrufe im Jahr, davon 144.000 Notrufe
Rund 268.000 Anrufe aus Stadt und Kreis Regensburg sowie den Landkreisen Cham und Neumarkt gehen hier im Jahr ein, davon 144.000 Notrufe. Das sind im Schnitt 395 Menschen pro Tag, die die Nummer 112 wählen.
Etwa 55 Mitarbeiter hat die ILS. 46 davon arbeiten als Disponenten und Schichtführer, sind also vor allem zuständig für die Entgegennahme der Notrufe und die Koordination der Einsatzkräfte. Der Rest kümmert sich um Leitung, Verwaltung und administrative Aufgaben. Die ILS ist Teil der Berufsfeuerwehr der Stadt Regensburg, die die Aufgabe im Auftrag eines kommunalen Zweckverbandes erledigt. Sie wird von Brandamtsrat Benjamin Orth geleitet.
Ein möglichst exaktes Meldebild ist wichtig
Jedes Notruftelefonat läuft nach einem festen Schema ab. „Der Disponent verschafft sich dabei anhand bestimmter Fragen ein möglichst exaktes Meldebild“, erklärt Orth. Er entscheidet dann anhand regelmäßig angepasster Pläne, welche Einsatzkräfte ausrücken. Manchmal passiert die Alarmierung noch während des Telefonats. „Die Dauer eines solchen Telefonats sollte 90 Sekunden nicht überschreiten“, sagt der ILS-Leiter. In der Praxis brauche man auch mal länger – wenn zum Beispiel die Verbindung schlecht, der Anrufer aufgeregt oder sein Deutsch nicht so gut ist. Sobald Feuerwehr und Rettungsdienst am Unglückort sind, übernehmen örtliche Einsatzleiter die Verantwortung und treffen die Entscheidungen.

Die ILS begleitet dann die Einsätze, hilft etwa bei der Nachalarmierung weiterer Kräfte oder stellt Infos zum Beispiel zur Krankenhausauslastung oder der besten Anfahrt zur Verfügung. Auch die Informierung von Notfallseelsorgern und die Auslösung einer Bevölkerungswarnung über die App Katwarn erfolgt über die ILS.
Bei einer Nachtschicht auch mal zu viert
40 Disponenten hat die ILS momentan. Klingt viel, doch wenn man 365 Tage im Jahr 24 Stunden erreichbar sein muss, sind die auch nötig. Eine Standardschicht besteht tagsüber aus acht Mitarbeitern, wobei Krankentransporte, die oft länger geplant sind und selten allzu großer Eile bedürfen, und Notrufe getrennt bearbeitet werden. Nachts ist die ILS, die derzeit in einem Drei-Schicht-Betrieb läuft, mit mindestens vier Personen besetzt.
Wir sind bei Situationen zur Stelle, bei denen viele Menschen nicht mehr weiterwissen. Und wir finden Lösungen.Benjamin Orth, Leiter der Integrierten Leitstelle
Und was ist los, wenn dann ein Bahnunglück oder ein größerer Verkehrsunfall passiert? „Dann können wir jederzeit dienstfreie Kollegen alarmieren und bis dahin auf Kollegen der Berufsfeuerwehr zurückgreifen“, sagt Orth. Die Hauptwache befindet sich im gleichen Gebäude in der Greflingerstraße wie die Leitstelle.
Nerven, Entschlusskraft, manchmal auch ein dickes Fell
Was man mitbringen muss, wenn man bei der ILS arbeiten will? Eine abgeschlossene Berufsausbildung im Rettungsdienst oder bei der Berufsfeuerwehr. Vor allem aber starke Nerven, schnelle Auffassungsgabe, Entschlusskraft, manchmal auch ein dickes Fell. Da unterscheiden sich die Leitstellen-Leute nicht von anderen Feuerwehrlern.
„Die Blaulichttruppe ist schon speziell“, weiß Orth. „Wir sind bei Situationen zur Stelle, ob vor Ort oder hier am Telefon, bei denen viele Menschen nicht mehr weiterwissen. Und wir finden Lösungen.“ Orth nennt das „einen pragmatischen Ansatz“.
Den bringen nicht nur erfahrene Rettungsdienstler und Feuerwehrler mit, aus deren Mitte die ILS in der Regel ihr Personal rekrutiert, sondern seit Neuestem auch zwei junge Azubis, die in Regensburg seit dem 1. September die neu eingerichtete Berufsausbildung zum Leitstellendisponent absolvieren.