Einzigartige Wach-OP an der Uniklinik Regensburg: Zeichentrickfilme als Ablenkung

Von Mittelbayerische Zeitung · 29. Dezember 2025 um 11:00

Vor knapp sechs Jahren musste sich Lena (Name geändert) einer Wach-Operation am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) unterziehen. Der damals Zwölfjährigen wurde von Spezialisten der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des UKR ein gutartiger Gehirntumor in unmittelbarer Nähe des Sprachzentrums entfernt.

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Wie die Klinik in einer Mitteilung schreibt, wird diese Form der Wach-Operation bei Kindern weltweit nur sehr selten durchgeführt. Im vorliegenden Fall konnte ein möglicher Verlust der Sprachfunktion verhindert werden. „Heute steht die Achtzehnjährige voll im Leben“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Eine Gehirn-Operation bei vollem Bewusstsein und nur bei Teilnarkose: Für viele ist das eine durchaus gruselige Vorstellung. Doch Lena hat das tapfer durchgestanden, der Tumor konnte entfernt werden. Das damals zwölfjährige Mädchen litt an einem langsam wachsenden Gehirntumor, der bei Nichtbehandlung zu irreversiblen Sprachstörungen bis hin zum gänzlichen Verlust der Sprachfunktion hätte führen können – oder auch zu epileptischen Anfällen.

Spezielles Verfahren

Das Team um Dr. Christian Ott, Kinderneurochirurg und Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des UKR, entschied sich, in diesem Fall den gutartigen Tumor in einer Wach-Operation zu entfernen. Wach-Operationen werden mittlerweile von einigen Zentren in bestimmten Fällen angeboten. Die Besonderheit in Regensburg besteht in der Tatsache, dass hier die Operation von der ersten bis zur letzten Minute an einem gänzlich wachen Patienten vorgenommen wird.

Im Gegensatz dazu ist ein OP-Verfahren, bei dem die Patienten initial narkotisiert sind und nur für ein kurzes Intervall während der OP „geweckt“ werden deutlich weiterverbreitet. „In Regensburg haben wir mit unserem speziellen Verfahren, das weltweit sehr selten ist, sehr gute Erfahrungen gesammelt und sind damals bei Lena erstmals den Schritt mit einer so jungen Patientin und ihrer Familie gegangen, um ihr die bestmögliche Therapie anbieten zu können“, erklärt Dr. Ott.

Eine Operation wie im Falle von Lena ist immer eine konzertierte Aktion im Team. Der wesentliche Unterschied zu Operationen in Narkose ist, dass der Patient selbst auch ein Teil dieses Teams ist und aktiv mitwirkt. Dafür braucht es eine gute Vertrauensbasis aller. Im Grunde beginnt die Operation schon beim ersten Arztgespräch – gerade bei jungen Patienten sei das eine ganz besondere Herausforderung. Natürlich verspüren die Patienten keine Schmerzen, weil der zu operierende Bereich durch eine Lokalanästhesie betäubt ist. „Es hat sich ein wenig wie bei einem Zahnarztbesuch angefühlt“, meint Lena. „Man spürt, dass etwas passiert, aber es tut nicht weh. Zum Glück!“

Die Mediziner konnten den Tumor komplett entfernen. Das Mädchen durfte das Klinikum bereits wenige Tage nach dem Eingriff wieder verlassen. Dr. Ott erinnert sich: „Der Patientin ging es kurz nach der Operation sehr gut. Sie konnte herumlaufen, sprechen, war fit und hatte keine neurologischen Ausfälle, sodass wir sie schon vier Tage nach dem Eingriff nach Hause entlassen konnten.“

Keine Einschränkungen

Heute geht die 18-Jährige ganz normal ihrem Alltag nach – ohne Einschränkungen. „Mir geht es sehr gut. An die Operation denke ich nur ganz selten“, so die junge Frau. „Dieser erfolgreiche Eingriff unterstreicht, wie wichtig moderne, spezialisierte Therapieverfahren in der Behandlung kindlicher Hirntumoren sind“, sagt Professor Dr. Selim Corbacioglu, Direktor der Abteilung Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation.

Bei Lena bestand die Herausforderung in der speziellen Lage des Tumors direkt am Sprachzentrum in der sprachdominanten, linken Gehirnhälfte. Eine möglichst vollständige Entfernung des erkrankten Gewebes, ohne funktionsrelevante Gehirnareale zu beschädigen, wurde damit erschwert. Aus diesem Grund entschieden sich die Spezialisten dazu, den Eingriff während einer andauernden Wachphase der Patientin durchzuführen. „Dieses Vorgehen verschafft uns die Möglichkeit, während der gesamten Operation mit der Patientin zu kommunizieren und gegebenenfalls sofort auf mögliche Sprachausfälle oder Sprachstörungen reagieren zu können“, so Professor Dr. Nils Ole Schmidt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des UKR. Lena selbst konnte unterdessen Zeichentrickfilme auf einem Bildschirm ansehen: „Die Cartoons haben mich gut abgelenkt.“