Haushalt 2026 ist ein Grund zur Freude: Die Stadt Cham wächst an ihren Aufgaben

Der Chamer Bürgermeister versucht mühsam, den Ball flach zu halten. „Konservativ planen“ nennt Martin Stoiber das schon seit dem ersten Haushalt, den er zu verantworten hatte. Und doch springt es einem aus jeder Zeile des 400-seitigen Zahlenwerkes entgegen: Die Stadt wächst mit ihren Aufgaben.
„Ja, es läuft“, sagt Stoiber. Das ist ein bisserl untertrieben. Und angesichts der drei Quadratmeter großen To-Do-Liste aus Metall in seinem Rücken auch unübersehbar. Dort hat Stoiber aufnotiert, worauf er 2026 achten muss. Kombiniert mit dem dicken Ordner, der das finanzielle Schicksal der Stadt zwischen zwei Aktendeckeln bündelt, wird aber schnell klar: Das sind nicht nur Großprojekte, die der Stadtrat da gemeinsam mit den Bürgern und der Wirtschaft schultert, sondern diese Millionenprojekte sind auch gut durchfinanziert.
Wer zahlen muss, hat Kraft
Erstmals in der Geschichte der Stadt liegt ein Gesamthaushalt mit mehr als 100 Millionen Euro auf dem Ratstisch: 71,7 Millionen Verwaltungshaushalt, 29,5 Millionen Vermögenshaushalt. An den Landkreis muss die Stadt heuer 7,3 Millionen Euro abgeben. 2020 waren das noch 4,8. Darüber könnte man traurig sein, wenn die Abgabe nicht von jeder Gemeinde nach ihrer Finanzkraft erhoben würde. Rückschluss: Cham strotzt vor Finanzkraft.
Dass der Stadtrat deswegen aber nicht mit Geld um sich schmeißt, beweist die Tatsache, dass der Schuldenstand Ende 2025 mit 3,5 Millionen Euro historisch niedrig ist und dem gegenüber fast 18 Millionen Euro Rücklage stehen. Der Bürgermeister bremst schon wieder – nur für den Fall, dass es jetzt irgendwo Euphorie gäbe. Denn auch die Herausforderungen sind historisch: Wenn das Begegnungszentrum St. Michael fertig ist, wird es rund 40 Millionen Euro gekostet haben. Das ist das größte Bauvorhaben aller Zeiten. Und das ist nur eines von vielen Beispielen für die Investitionen der Stadt in Hochbau, Tief- und Straßenbau.
Rekord-Einahmen - Rekord-Ausgaben
Das geht nur, wenn auch auf der Einnahmenseite mit einem Rekord-Niveau gegengehalten werden kann. Die Stadt hat dort ebenfalls eine nie dagewesene Summe notiert: 27 Millionen Euro Gewerbesteuer. Das ist in Krisenzeiten eine echte Nummer. 2025 waren es bereits 23 Millionen, 2024 insgesamt 24. Und dann muss man noch wissen, was der Bürgermeister meint, wenn er sagt: „Wir rechnen konservativ“. Die Stadt rechnet sich nämlich mit Ansage schlecht — falls was schiefgeht. Kleiner Hinweis: In den letzten Jahren ist nie was schiefgegangen. Unter dem Strich hat das Gewerbe nämlich heuer die unglaubliche Summe von derzeit 30,4 Millionen Euro erwirtschaftet. Und es ist kaum zu erwarten, dass Weihnachten noch schlechte Nachrichten kommen.
Sollte die Wirtschaft – wie vorhergesagt – tatsächlich 2026 wieder anspringen, hätte die Lucknerstadt die Krise nicht nur gut überstanden, sondern wäre an den Herausforderungen sogar noch gewachsen. Wer das hinkriegen will, der muss nicht nur einen widerstandsfähigen und flexiblen Mittelstand als Rückgrat seiner Wirtschaft haben, sondern dafür auch die Voraussetzungen schaffen. Die Stadt Cham bietet seit Jahren das notwendige Umfeld. Heuer sind wieder für mehr als zwei Millionen Euro 70.000 Quadratmeter Gewerbefläche in Cham-Süd entstanden, um den Firmen die notwendige Wachstums-Chance zu bieten. Auch der Hebesatz für die Gewerbesteuer ist seit vielen Jahren gleichgeblieben.

Dabei sind die Herausforderungen für die Stadt kaum noch überschaubar. Wer heute seine Infrastruktur auf dem neuesten Stand halten will, der muss nicht nur tief in die Tasche greifen, sondern auch einen Plan haben. Ein Beispiel für eine gelungene Aktion: die Breitbandversorgung gemeinsam mit Stadtwerken, Landkreis und Telekom. Bis 2028 möchte der Stadtrat ganz Cham versorgt wissen. Jeder einzelne Haushalt soll dann ein Anschluss-Angebot haben. Am Ende wird die Aktion zehn Millionen Euro gekostet haben. Die Stadt Cham hat aufgrund der hohen Förderung, der guten Zusammenarbeit mit dem Landkreis sowie einer bundesweit beachteten Kooperation mit der Telekom nach Förderung nur einen Eigenanteil von rund zehn Prozent bezahlt. Dafür haben sich die Stadtwerke mit eigenen Leitungen durch die Netznutzungsgebühr ein neues Standbein aufgebaut, das bereits erste Erträge bringt.
Die Stadt wächst – überall
So zieht sich das durch die 400 Seiten Haushalt. „Wir können uns das alles leisten, weil wir hoch bezuschusst werden, weil wir fleißige Menschen haben und unsere Betriebe erfolgreich sind“, sagt Bürgermeister Stoiber. Er verweist darauf, dass die Stadt tatsächlich wächst. Inzwischen sind im Einwohnermeldeamt mehr als 18 000 Bürger gemeldet – Tendenz steigend. Da sei es nur folgerichtig, wenn die Stadt weiter in Kindergärten investiert. Der Sportkindergarten im städtischen Stadion ist das prominenteste Beispiel. „Wir werden auch die kirchlichen Träger stärken“, verspricht Stoiber.
Die Grundschule wird teilweise neu gebaut, die städtischen Sozialwohnungen werden fertig saniert. Es gibt Pläne für mehr Grün und Nachhaltigkeit im Stadtgebiet. „Wir werden auch das eine oder andere Gebäude künftig als Stadt kaufen müssen, um neues Wohnen zu ermöglichen. Investitionen in Kinder und Familie erhalten eine lebendige Stadt“, sagt Stoiber. Ach ja – auch die Quadfeldmühle wird weiter als Naherholungsort und Spieloase ausgebaut. Der Stadtrat wird den Haushalt am Donnerstag debattieren und beschließen.