Sechs Tote: A93 zwischen Teublitz und Regenstauf mit erschütternder Jahresbilanz

Keine vier Wochen liegt die Tragödie zurück, bei der drei Menschenleben ausgelöscht worden sind. Doch der Verkehr auf der Autobahn A93 rollt an der Unglücksstelle nahe Ponholz heute vorbei, als wäre nichts gewesen. Die MZ nahm den tödlichen Unfall vom 24. November zum Anlass, um nachzuhaken. Wie konnte das Unglück geschehen? Wäre es zu verhindern gewesen? Ist die A93 an sich besonders gefährlich?
Wie berichtet, hatte ein 46-jähriger Fahrer eines Sattelzugs in der Nacht zum 24. November auf schneebedeckter Fahrbahn die Kontrolle über sein Gespann verloren. Zwischen der Ab- und Auffahrt Ponholz krachte der indische Mann im Führerhaus in die Mittelleitplanken.
Bei den Untersuchungen ist viel Geduld gefordert
Der 44-jährige Lenker eines nachfolgenden Lastzugs, ein Mann aus Tschechien, konnte nicht rechtzeitig bremsen und rammte einen Transporter, der mit sechs Personen besetzt war. Der Kleinbus wurde zwischen den 40-Tonnern regelrecht zerquetscht. Drei Insassen, zwei Polen und ein Deutscher, starben einen grausamen Tod.
Dass sich der genaue Unfallhergang nur schwer würde rekonstruieren lassen, war zu vermuten. Einen objektiven, außenstehenden Zeugen gibt es nicht. Viele, auch technische Dinge gilt es zu beleuchten. Die Ermittlungen sind daher noch längst nicht abgeschlossen, bestätigte Hauptkommissarin Corinna Wild, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz, dieser Tage. Es sei einfach viel Geduld gefragt.
Immerhin wurden die beteiligten Fahrzeuge unter die Lupe genommen. Ein Blick in die Akten war zwar nicht möglich, aber Wild konnte berichten, dass die Zugmaschinen und der Transporter mit Winterreifen ausgerüstet waren. Alkoholtests bei den Fahrern seien negativ verlaufen, so dass auch Trunkenheit am Steuer als Unfallursache ausscheide.
Möglich also, dass am Ende als Hauptursache der Katastrophe die Straßenverhältnisse respektive „nicht angepasste Geschwindigkeit“ zu Protokoll stehen. Aber wieso war die Fahrbahn überhaupt so glatt? Hat der Winterdienst nicht funktioniert?
Sprecher der Autobahn GmbH nimmt Stellung zum Winterdienst
Ein Sprecher der Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern, widerspricht entschieden. Eben weil der Wintereinbruch angekündigt war, seien die zuständigen Kollegen gut vorbereitet gewesen. Das erforderliche Personal sei in den Schichtplänen eingeteilt gewesen, und die Fahrzeuge habe man „rechtzeitig mit Salz und Sohle beladen“.
Bereits vor Einsetzen des Schneefalls, so betont der Sprecher der Autobahn GmbH weiter, seien präventiv Salz gestreut und Sohle versprüht worden. „Dies wurde in der Nacht mehrfach wiederholt. (...) Die vorgegeben Umlaufzeiten der Räum- und Streuschleifen wurden eingehalten.“
Trotzdem, so räumt der Sprecher ein, sei nicht zu verhindern gewesen, dass sich auf der Fahrbahn zeitweise Matsch gebildet habe. Das sei aber im Winter auch auf der Autobahn nichts Ungewöhnliches. Selbst bei vollem Einsatz der verfügbaren Kräfte, so erklärt er, könne sich bei anhaltendem Schneefall zwischen den einzelnen Streu- und Räumschleifen zeitweise eine geschlossene Schneedecke bilden. Ob die Autofahrer dies bedenken, wenn sich demnächst General Winter zurückmeldet?
Allerdings kracht es auf der A93 zwischen Ponholz und Teublitz im Landkreis Schwandorf auch in den schöneren Jahreszeiten gefühlt auffällig oft – mit teils dramatischen Folgen. Zur Erinnerung: Am 24. März sind auf dem Teilstück zwei Menschen gestorben: Ein Sattelzug mit litauischem Kennzeichen, der in Richtung Regensburg unterwegs war, hatte die Mittelleitplanken durchbrochen. Auf der Gegenfahrbahn kollidierte der Lastwagen mit anderen Fahrzeugen. Ein Auto wurde bis zur Unkenntlichkeit deformiert. Trotz schnell organisierter Hilfe starb eine Insassin. Auch der Beifahrer eines Transporters kam ums Leben.
Alles noch im „normalen“ Bereich?
Polizeisprecherin Wild warnt indes vor voreiligen Schlüssen. Die subjektive Wahrnehmung decke sich nicht mit den Fakten der Statistik. Die Oberpfälzer Polizei habe die Zahlen auf dem genannten Abschnitt ausgewertet. Ergebnis: Die Unfallhäufigkeit liege im Vergleich zu anderen Teilstrecken der A93 im durchschnittlichen bis leicht überdurchschnittlichen Bereich.
Das heißt im Umkehrschluss, dass auch andere Abschnitte nicht von schweren Unglücksfällen verschont geblieben sind. Tatsächlich gab es im April zwischen den Anschlussstellen Regenstauf (Kreis Regensburg) und Ponholz (Kreis Schwandorf) eine weitere tödliche Kollision. Auch hier waren zwei Lastwagen beteiligt. In der Summe sind also sogar sechs Tote zu beklagen – und das auf einer Strecke von nur 17 Kilometern.